Don’t Panic

Christopher Lauer sagt in seiner Rede am 28.06. zur Kandidatur als politischer Geschäftsführer: „Das Gebashe auf Twitter ist kein Richtungsstreit. Das ist verbale Diarrhö“. Währenddessen tobt der ganze Saal. 2/3 buhen, 1/3 jubelt. Ein paar Leute dazwischen wissen nicht, was mit ihnen passiert. Ich werde auf Twitter angeschrieben: „Ja aber der Lauer hat doch angefangen!“ Ein bisschen trotzig und verständnislos. Aber Hauptsache jeder hat etwas dazu gesagt und sich selbst ins richtige Licht gerückt.
Die Piraten werden sehr intelligent getriggert. Während einer in das Wespennest sticht, fangen die Mitglieder an sich hektisch verbal zu bewegen und auszuweichen. Dabei fallen sie übereinander (her) und verletzen sich gegenseitig aber auch die Partei in ihren Wurzeln. Der Film vor dem inneren Augen ist wahrscheinlich bei allen ein anderer aber am Ende verschwindet die Partei in der Versenkung und das ist doch das, was wir alle vermeiden wollen.

Das Problem sind nicht die Leute die triggern. Das Problem ist jedes einzelne Mitglied selbst. Seit Monaten (oder Jahren?) wird ohne Pause gearbeitet. Jeder will die Partei retten und ist dementsprechend erschöpft. Wenn sie dann eine kleine Erschütterung erfährt, liegen die Nerven blank. Innehalten und über das Gesagte nachdenken ist nicht mehr möglich, der Beißreflex ist schneller. Sofort gibt es eine Schleife von Rechtfertigungen und am Ende fühlt sich nur die Person schlecht, die eigentlich versucht hat ihre eigene Haut zu retten. Diese Verletzung geht so tief, dass ich in Gesprächen selbst Wochen später feststelle, dass die Personen gereizt sind und keinen klaren Blick mehr haben. Einfach aus der Angst heraus, sie könnten in die ________________ Ecke gestellt werden. Dieser Platz bleibt bewusst frei, denn die Ängste sind so unterschiedlich wie jedes Mitglied selbst.

Bei jedem Gate bin ich wieder schockiert, wie schnell sich die Menschen provozieren lassen. Selbst wenn ein Statement veröffentlicht und im Nachgang mit dem gleichen Mittel angegriffen wird, können die Mitglieder nicht abschalten sondern reiben sich wieder und wieder daran auf. Machen sich selbst weiter kaputt. Weil die Selbstsicherheit fehlt und der Hintergedanke bleibt „Habe ich jetzt gerade wirklich richtig gehandelt?“

Natürlich kann man den Vorwurf an die Provokateure richten. Aber sind wir denn nicht selbst dafür verantwortlich, wie wir darauf reagieren? Wäre unsere Partei nicht strukturierter und gesetzter wenn jeder Einzelne abwägt, ob die nächste Antwort nötig ist? Macht es die Rechtfertigung nicht noch schlimmer, im Sinne von „getroffene Hunde bellen“? Oder sollten wir uns nicht einfach mal die Frage stellen, ob derjenige, der uns angreift am Ende vielleicht sogar richtig liegt?

Ich wünsche mir eine #DontPanic Kultur, in der wir erst mal nachdenken, bevor wir die nächste Sau durchs Dorf treiben. In der die Mitglieder verstehen, dass sie selbst der Stein des Anstoßes sein können für fünf weitere Leute, die Unruhe provozieren. In der wir uns kurz fragen „Ist die nächste Antwort, die ich gebe nicht ein Stück weit unter meine Würde oder vielleicht sogar falsch?“

Wir können die Piraten wieder auf die Füße stellen, denn wir alle tragen Verantwortung für die Außendarstellung dieser Partei. Nicht nur die Vorstände, nicht nur die Abgeordneten und Mandatsträger. Auch die Menschen auf den Stammtischen und die Einzelkämpfer. Denn jeder ist ein Multiplikator und wir sollten diese Kräfte nutzen, um uns auf Fehler hinzuweisen, unsere Arbeit gut zu organisieren und die anderen Parteien „vor uns herzutreiben“, wie Kattascha es so schön sagt.

In diesem Sinne: Don‘t Panic.

One Laptop Per Child

 

 

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Ich war gestern auf der Open Rhein Ruhr die übrigens heute noch in Oberhausen neben dem HBF stattfindet. Dort gibt es verschiedene Aussteller. Vereine beispielsweise, die sich mit Open Source Projekten beschäftigen. Open Source bedeutet das der Quelltext, in dem die Programme geschrieben sind, öffentlich zugänglich ist. Somit kann man beispielsweise schauen, ob das Programm Daten abgreift. Besser ist aber noch, dass man je nach Lizenz den Quelltext kopieren und daraus wieder ein neues Programm schreiben kann. So gibt es eine große Vielfalt an Programmen, die verschiedene Probleme behandeln.

Ich habe dort auch zum ersten Mal einen “One Laptop Per Child” benutzen können. Dies ist ein Projekt, welches im Unterricht für Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern zum Einsatz kommen soll. Spannend ist, dass sich diese Antennen dort miteinander verbinden und Kinder, die in einem großen Flächenland verteilt wohnen, so miteinander Kontakt aufnehmen können. Sie spielen darüber miteinander, können aber auch gemeinsam in Textprogrammen schreiben. Das Betriebssystem ist sehr simpel und funktioniert zu einem Großteil ohne Schrift, es kann aber auch geschrieben werden. Über eine Funktion kann man sehen, wo in der Nähe weitere Computer laufen, mit denen man sich verbinden kann. Zum Teil funkt der Rechner bis zu 3 km weit.

Bei diesem Rechner wurde Wert darauf gelegt, dass der Akku besonders lange hält. Die Handhabung war sehr einfach, ich war ziemlich begeistert. Dabei gibt es schon ein Nachfolgemodell. Gibt es übrigens keine Stromversorgung, kann der Laptop über einen Dynamo aufgeladen werden. Beispielsweise durch eine Handkurbel.

Ja, ich habe merkwürdige Hobbies…

http://de.wikipedia.org/wiki/One_Laptop_per_Child#Nachhaltigkeit

Wer Visionen hat, ist jetzt gefragt

Ich habe gestern Abend im Radio auf Einslive einen Beitrag gehört, den ich leider nicht als Podcast gefunden habe. Ein Mann vom Forum Demokratieforschung in Göttingen wurde gefragt, was er zu den Ergebnis der Piraten sagt. Sind die Piraten abgeschrieben? Ist das Netzthema politisch uninteressant? Die FDP hätte auch versucht damit zu spielen und sei ebenfalls abgestraft worden. Gäbe es da einen Zusammenhang? Der Forscher sagte, dass die Bürger Überwachung nicht mehr mit Freiheit verknüpften. Das hat mir sehr zu denken gegeben. Der Freiheitsbegriff ist riesig, es gibt einen Haufen philosophische Ansätze hierzu. Ich traue mir nicht zu, dies einigermaßen allumfänglich auszuformulieren. Aber ich finde, wir sollten uns mehr mit der Vision als mit der Angst beschäftigen:

Welche Chancen bietet das Internet? Was bringt es dir, ein freies Netz zu haben? Wie kannst du dich dadurch entwickeln? Wie entwickelt sich die EU und die Welt?

Wenn wir es schaffen wieder mehr auf Hoffnung und Freiheit zu setzen, wird sich langfristig auch die Kultur in unserer Partei verändern. Denn wir haben uns in die Richtung von Angst, Wut und Aggression entwickelt und das schlägt sich im Umgang miteinander nieder. Es ist  Optimismus gefragt. Und Unterstützung. Wenn wir es schaffen eine positive Kultur zu entwickeln, wirkt sich dies auch auf die Wähler aus. Denn niemand möchte einer Partei seine Stimme geben, die sich streitet und deren negative Stimmung so nach außen dringt. Wozu auch? Sie wird sich im Bundestag ähnlich verhalten.

 

Ein anderes Problem das ich festgestellt habe, ist unsere beschränkte Sicht, was unsere Themen betrifft. Wenn ich mir vorstelle, ich bin ein autofahrender Mensch und werde nie an einen Infostand gehen, bin ich mit Zeitung und Plakaten beschäftigt. Weil ich aber im Auto sitze, kann ich die schwarze Bildunterschrift nicht lesen und muss mich mit den Überschriften begnügen. Es gibt Plakate, die hab nicht mal ich verstanden und ich bin mir sicher, meine Eltern auch nicht:Netze in Nutzerhand Kann sich mein Vater darunter etwas vorstellen, wie das aussehen soll?
Suchtpolitik statt Drogenkrieg Ist der Krieg ausgebrochen? Wenn ja, wo? Was ist Suchtpolitik und sollte es nicht eher Aufklärung heißen?
Grundeinkommen wählen Ich stelle die steile These auf, das 80% der Menschen “Grundeinkommen” nicht zu “Bedingungsloses Grundeinkommen” zusammensetzen können, folglich nicht wissen, was das ist. Im schlimmsten Fall denken sie, es handelt sich um das ALG 2, was jeder Bürger als Grundeinkommen bekommt, wenn er arbeitsuchend ist.
Wer beschäftigt eigentlich wen? Versteh ich nicht.
Wer hat Angst vorm neutralen Internet? Ich bezweifle, das die Bürger wissen, was ein neutrales Internet ist.
Ich hab was gegen Filz. Und ihr? Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich bin 20x am Plakat vorbei gelaufen, habe den unteren Text nicht gelesen (wie man das so macht, wenn man gerade viel zu tun hat) und hab immer gedacht “Süßer Hund aber was zur Hölle ist Filz?”
Teilen ist das neue haben Das ist ein Spruch, der auf eine bestimmte Bewegung abzielt und die Leute, die sich mit Gemeingütern nicht beschäftigen, werden das nicht verstehen.

Die anderen Plakate fand ich verständlich(er). Ich möchte hier niemanden anpranger, die SGGestaltung hat einen guten Job gemacht aber wie immer haben wir uns nicht genug Zeit gelassen. Wir brauchen endlich eine Struktur, die sich nicht panikartig zusammen findet, sobald wir realisieren, das aus heiterem Himmel ein Wahlkampf vor der Tür steht. Und es ist auch unfair und eine viel zu hohe Belastung, wenn Leute aus ihrem regulären Arbeitsleben rausgerissen werden, 16 Stunden ackern weil vorher keine Struktur da war und erst mal alles geschaffen werden muss und sie danach völlig fertig zurück in ihre Arbeitswelt entlassen werden. Wir müssen uns außerdem fürs Brainstorming auch mal länger Zeit lassen. Wir brauchen eine Analyse unserer Zielgruppe, der Themen und der Medien. Wobei ich finde, dass wir jetzt mit den Flyern sehr gut aufgestellt sind und ich die Bandbreite super finde!

Also lasst uns vielleicht noch mal anders rangehen. Positiv und verständlich, denn ich denke, wir werden dringend gebraucht!

Jetzt empört euch gefälligst!!!

Die letzten Tage lese ich auf sozialen Medien von aufgeklärten Menschen häufig “Werdet wach! Geht demonstrieren! Seid wütend! Seid unzufrieden!” wegen Prism, der Bundesregierung, der NSA, dem ganzen Abhörskandal.

Die Menschen, die das schreiben, sind häufig Regierunskritisch. Häufig sind sie sogar in Parteien organisiert oder anderweitig aktiv. Sie sind bereits gebildet, sie sind gewohnt es zu hinterfragen. Ob der Staat sie überwacht, steht für sie gar nicht zur Debatte. Die Frage ist nur wann, wie und wo.

Die Aufgabe dieser Menschen ist es nun ihrer Umgebung beizubringen, was gerade passiert. Und zwar schonend, nicht durch dieses mühselige Herumgepeitsche von Phrasen. Die Bürger sagen häufig noch “Ich hab nichts zu verbergen, mir ist das egal.” Den einen kann ich das glauben, den meisten glaube ich es nicht. Es ist Resignation und es ist auch Angst davor, was wirklich gerade passiert. “Ich habe nichts zu verbergen” heißt vielleicht eigentlich “Ich tue hoffentlich so unrelevante Dinge, dass ich nicht überwacht werden muss.” Sie wiederholen es mantraartig, als würde es dadurch wahrer. Aber das heißt nicht, das diese Menschen das meinen, was sie sagen. Die Bürger müssen aufgeklärt werden und es dauert einfach seine Zeit so etwas großes wie einen Überwachungsstaat, ja sogar eine Überwachungskoalition der Länder zu begreifen. Wir können nicht immer davon ausgehen, dass alle Menschen auf dem gleichen Stand sind wie wir.

Und darum dürfen wir nicht in unserer Filterbubble bleiben und schreien, sie sollen sich endlich besinnen. Die Bürger brauchen Zeit und angemessene Aufklärung, denn es gibt noch vieles zu begreifen.

Angst vor Neuland

In den letzten Tagen gab es einen schönen Blogbeitrag von Sascha Lobo zu einem Interview, das Maruscha über Merkel geführt hat. Er darin sehr schön herausgearbeitet, dass Maruscha ein Fangirl ist. Eine Frau, die Merkel bewundert für alles was sie tut und sagt. Sie hält es für richtig und sie bildet mit ihrer Meinung sicherlich einen guten Durchschnitt in der Gesellschaft.

Nun war gestern Obama zu Besuch und es ging unter anderem um das Überwachungsprogramm PRISM von der NSA. Hierzu sagte Merkel: “Das Internet ist für uns alle Neuland und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung, natürlich mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen, unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.”

Nun habe ich von Maruscha gelernt, das Frau Merkel dafür sorgt, das alle Deutschen noch einigermaßen gut schlafen können. Das tut sie, indem sie Sicherheit und Ruhe ausstrahlt, so Maruscha. Die Menschen, die mit dem Internet leben, haben sich den gestrigen und heutigen Tag vor allem damit beschäftigt, dass Merkel den Begriff “Neuland” für das Internet gewählt hat. Warum hat sie das getan? Sie hat es getan, weil sie durch diese Aussage den größten Teil der deutschen Bevölkerung erreicht. Nämlich jene, die keine Digital Natives sind (Menschen die mit dem Internet groß geworden sind) oder sich nicht über das übliche E-Mails checken hinaus damit beschäftigen. Sie hat eine Brücke gebaut und damit wieder Ruhe und Sicherheit ausgestrahlt. Quasi “Ich weiß so viel über das Internet, wie ihr. Weil wir alle nicht wissen was diese neue Technologie bringt, sollten wir uns zunächst erst einmal schützen.” Natürlich ist Angela Merkel keineswegs so unerfahren, wie sie tut.

Die Kanzlerin versteht es im passenden Moment die Worte zu wählen, die dafür sorgen das die restliche Bevölkerung sie versteht. Und wenn sie das schon nicht faktisch tut, dann wenigstens emotional. Denn in ihrer Rede sprach sie von Feinden, Gegnern und demokratischer Grundordnung. Sie hat in diesem Satz keine einzige positive Silbe benutzt, beispielsweise das es dieses Neuland zu schützen gilt. Sie hat lediglich die Bedrohung aufgezählt und damit die Vorgehensweise gerechtfertigt. Durch das Wort Neuland und die negativen Begriffe greift sie die Ängste vieler Bürger auf und erzeugt subtil das Gefühl, das der Schutz in dieser drastischen Form notwendig ist.

Nun sind alle Netzaktivisten damit beschäftigt sich gegen PRISM aufzulehnen. Aber im Eifer des Gefechts vergessen wir der Bevölkerung zu erklären, was die Bedrohung ist. Wir bleiben zu abstrakt, wir können keine Verbindung herstellen. Und solange wir es nicht schaffen die Probleme logisch und einfach zu vermitteln, werden wir Piraten nicht in der Mitte der Gesellschaft ankommen.

“Denk selbst” wird nur dann funktionieren, wenn wir anfangen abstraktes so aufzubereiten, dass die Bevölkerung eine eigene Meinung entwickeln kann.

Teilen, Freifunk und Allmende

Ich schreibe derzeit meine Diplomarbeit und dachte, ich erzähle mal was dazu:

Ich bin Kommunikationsdesignerin und daher nicht nur für den grafischen, sondern auch für den konzeptionellen Teil einer Arbeit ausgebildet. Ich studiere an der ecosign Akademie für Gestaltung, die sich auf die Fahnen geschrieben hat ihren Studenten nachhaltiges Handeln zu vermitteln. Wir sollen die Projekte beispielsweise auf ihren ökologischen, ökonomischen und sozialen Nutzen hin untersuchen und gestalten. Wir werden zum kritischen Denken ausgebildet und lernen, dass wir mit Gestaltung aufmerksam machen können. Menschen verstehen visualisierte Sachverhalte besser, gute Gestaltung kann also dabei helfen ein kompliziertes Thema zu vermitteln, aufzuklären und Verständnis zu wecken.

Praxis

Der praktische Teil meines Diploms ist eine Kampagne für den Freifunk Rheinland e.V. zu erstellen (auf Twitter und Identica @ffrhein), auf Grundlage eines bereits bestehenden Logos. Dieses wurde von Marc Grumpy Olejac gestaltet, der ursprüngliche Entwurf des Freifunk-Logos ist von Monic.

Zweck der Kampagne ist es, dass Menschen die mit Technik nichts zutun haben aber einen Internetanschluss besitzen, für das Thema sensibilisiert werden. Hierfür habe ich Material erstellt, das Freifunk und die Philosophie erklärt. Zur Kampagne gehört eine Internetseite (Laptop und Mobil), Splashscreen, Broschüre, Anschreiben an Kommunen, Aufkleber, Markierungen im urbanen Raum und vieles mehr. Erklärtes Ziel ist es zu zeigen wie Düsseldorf Bilk, sowie der Volksgarten, mit Freifunk vernetzt aussehen können. Dieser Ort wurde ausgewählt, weil dort viele Studenten wohnen und es ein multikulturelles Viertel ist. Außerdem ist die Vernetzung eines riesigen Stadtparks eine spannende Aufgabe, die ich dem Freifunk Rheinland e.V. im Anschluss meines Diploms dringend nahelege.

Theorie

In der Theorie geht um den Erfolg anonymen Teilens, ermöglicht durch Projekte, die im Internet ihren Anstoß gefunden haben. Die Theorie besteht aus zwei Teilen, wobei der erste Teil die Grundlage für den zweiten Teil bildet. Die Erkenntnisse sollen die Grundlage für den Erfolg der praktischen Durchführung sichern.

Hierfür ziehe ich zunächst Bookcrossing, Pumpipumpe und Mundraub als Beispiele heran. Sie entstanden im Internet, ihre Auswirkungen finden jedoch in der Realität statt. So werden bei Bookcrossing Bücher freigelassen, die mit einer ID versehen sind, sodass die Finder online mitteilen können, dass sie das Buch gefunden haben. Pumpipumpe produziert Aufkleber, die an den eigenen Briefkasten geklebt werden können. Darauf abgebildet sind Gegenstände aus dem Haushalt, die man in diesem Haushalt ausleihen kann. Mundraub gibt die Möglichkeit Obstbäume auf einer Landkarte zu markieren, sodass die Menschen in der Umgebung sehen können, welche Früchte sie wo ernten dürfen. Dies sind Projekte, die auf ihre Art verhindern, dass Ressourcen verschwendet werden.

In der Theorie wird untersucht, warum überhaupt geteilt wird. Hier geht es zunächst um Kommunikation und das Internet als Medium. Außerdem werden die Projekte auf Altruismus (Selbstlosigkeit) und indirekt reziprokes Verhalten (die positive Verstärkung nicht durch den Begünstigten, sondern eine dritte Person erhalten) untersucht, um die Beweggründe der Teilnehmer zu erschließen. Die Projekte werden außerdem nach der Verfassung der Allmende von Elinor Ostrom untersucht. Allmende bedeutet gemeinnützig, online ist dies eher bekannt durch das Wort Commons. Die Früchte der Bäume bei Mundraub sind beispielsweise für alle zugänglich und daher Gemeingüter. Elinor Ostrom (1. Frau mit einem Nobelpreis) untersuchte, welche Kriterien erfüllt werden müssen, damit die Allmende möglichst nachhaltig genutzt werden kann. Diese Kriterien werden auf Bookcrossing, Mundraub und Pumpipumpe angewendet um herauszufinden, welche Projekte weshalb am besten funktionieren.

Zusätzlich werden alle Projekte noch im Hinblick auf die Einbindung in die Warenwirtschaft, Subsistenz, Suffizienz, Regionalität, psychologische Rebound-Effekte (nach Niko Paech) und Wohlstand (nach Tim Jackson) untersucht.

Im zweiten Teil der Theorie beschäftige ich mich mit Meshrouting, Communities, Open Source, Freifunk und dem Freifunk Rheinland e.V. Es geht zunächst darum die Geschichte des Freifunk zu erklären und wie innerhalb einer Community gearbeitet wird. Danach werden die Unterschiede zwischen Freifunk und dem Freifunk Rheinland e.V. herausgestellt. So legt der Verein viel Wert darauf, dass die Hemmschwelle für den Bürger möglichst niedrig ist. Dies wiederum ist der Anknüpfungspunkt zum ersten Teil der Theorie, die Erkenntnisse der Erfolge und Misserfolge von Bookcrossing, Pumpipumpe und Mundraub fließen nun in die Gestaltung ein.

 

Ich hoffe, ich hab euer Interesse geweckt und werde nach dem Abschluss meines Studiums schauen, ob und wie ich die Theorie hierzu veröffentlichen kann :-)

Liebe Grüße, Chrissie

Druck aushalten

Ein Blogbeitrag über meine Strategien in der Arbeit als LaVo.

Arbeiten als LaVo:

Ruhig bleiben – Wer im Vorstand arbeitet, ist meist ein wichtiges Zahnrad. Entscheidungen hängen von einer Position ab, beispielsweise Beschlüsse zu fassen oder sich mit Personen zu beschäftigen. Weil jeder findet, dass sein Anliegen das Wichtigste ist, wird ein hoher Druck aufgebaut. Wenn etwas passiert ist, was die Presse interessiert, gibt es vielleicht mehrere Anrufe gleich hintereinander. Und das nicht nur bei einer Person. In jedem Fall gilt erst mal: Ruhig bleiben! Mit Hektik werden Aufgaben nicht gelöst, es passieren Flüchtigkeitsfehler und man macht eine falsche Aussage. Erst mal die Lage checken und dann anfangen Sachen zu bearbeiten. Und wenn man selbst nicht ruhig genug ist, nimmt man den Hörer in die Hand und ruft eine vertraute Person an.

Gespräche – Wenn man sich über etwas ärgert was gerade im Vorstand passiert, ruft man am besten eine vertraute Person im Vorstand an. Es empfiehlt sich zumindest mit einer Person einen so guten Kontakt zu haben, das man sie anrufen und sich richtig auskotzen kann. Das hilft nicht nur um ruhig zu werden, sondern auch um die Sicht zu klären. Manchmal hat man etwas falsch verstanden und kann dadurch sofort Fragen klären. Auch ist es nur ratsam sich nur bei Kollegen oder schweigsamen Vertrauten über Personen aufzuregen, denn jedes Wort eines Vorstandes liegt auch bei der Basis auf der Goldwaage. Eine Person öffentlich zu verurteilen, kommt manchmal einer Stigmatisierung gleich. Also seid vorsichtig mit euren Worten und gegen wen ihr sie richtet. Seid vor allem vorsichtig, worüber ihr gerade sprecht. Denkt darüber nach, ob ihr einer vertrauten Person, die kein Vorstandsmitglied ist und auch nicht im Schiedsgericht, überhaupt bestimmte Sachverhalte sagen dürft. Wer Vorstand ist, sollte also bei einigen Sachen auch die Schnüss halten können ;-)

Fragen klären – Einmal im Monat habe ich meine Sprechstunde angeboten, um offene Fragen zu klären. Ich fand es sehr hilfreich, da ich daraufhin wusste, welche Probleme der Basis auf dem Herzen liegen. Manchmal muss man als Vorstand sehr schnelle Entscheidungen treffen. Die Folge davon ist, dass sich die Basis nicht eingebunden fühlt und sie nicht versteht, warum welche Entscheidung wie getroffen wurde. In einer Sprechstunde kann man Sachverhalte sehr schnell erläutern. Ich habe selten auf Mailinglisten geschrieben, da dies für mich sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Um das Gespräch aber weiterhin zu führen, habe ich über die Sprechstunde, Twitter, E-Mail und persönlich den Kontakt gesucht. Dies kann aber jeder für sich selbst entscheiden, es gibt kein Ideal. Je einfacher man ansprechbar ist, desto weniger versteckte Konflikte gibt es.

Probleme kommunizieren – Um sich Ärger zu ersparen, sollte die Kommunikation von Problemen möglichst schnell und detailliert erfolgen. Mögliche Gründe für Konflikte, weil die Kommunikation zu schwach war: zu teuer, nützt (in oberflächlicher Betrachtung) zu wenig Personen, Schaden wurde angerichtet, Entscheidungen mussten schnell getroffen werden, … . Ein Vorstandsmitglied mit dem Talent zur Kommunikation sollte sich also darum Gedanken machen, welche Ängste diese Sachverhalte auslösen können. Es gilt im Team daraufhin die Fakten zusammenzutragen und Probleme zu klären. Dann kann über unterschiedliche Kanäle erklärt werden, warum etwas wie passiert ist. Ist das Problem sehr groß? Dann ist eine Mumblesprechstunde besser. Ist es klein? Dann reicht eine Mail auf der Mailingliste, die dringende Fragen schon beantwortet. Alles Weitere kann bei einer monatlichen Sprechstunde nachgefragt werden.

Absprachen und Verständnis – Wenn es ein Problem gibt, kommen Fragen nicht nur auf eine Person zu. Das ist wichtig. Der Vorstand sollte sich als möglichst großes Team verstehen, da sich Druck und Arbeit dann gleichmäßig verteilen. Die Beantwortung von Fragen kann ebenfalls Druck erzeugen, schließlich sieht die Basis den Vorstand dann in einer Bringschuld. Alle Kollegen sollten also auf dem gleichen Wissensstand sein und das Problem verstehen. Dadurch kommt keine Verwirrung auf, falls unterschiedliche Antworten gegeben werden und alle sind im Bilde.

Gates – Eine Taktik der Journalisten bei Gates ist es, möglichst viele Personen nacheinander anzurufen. Erst den Vorsitzenden, dann die Stellvertreter und dann noch mal den Pressesprecher. Das ist üblich und sollte keinen Druck erzeugen (siehe “Ruhig bleiben”). Zweck ist es, noch eine Information mehr zu erhalten als bei den vorherigen Anrufern. Das Wichtigste ist es also bei presserelevanten Geschehnissen sofort miteinander über die Kommunikation zu sprechen. Was wird gesagt und warum. Dies bedeutet telefonieren, telefonieren, telefonieren. Die Absprache ist das Wichtigste! Auch wenn eine Person zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar ist, muss sie zumindest per SMS oder E-Mail auf dem laufenden gehalten werden.

AG ÖA – Die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit ist insbesondere durch die Pressesprecher aber auch durch die Teammitglieder, das wertvollste Team für die Vorsitzenden. Zunächst ist es wichtig die Struktur zu verstehen. Darum mein dringender Appell an die neuen Vorsitzenden: Arbeitet in der AG ÖA erst mal mit, bevor ihr euch überlegt zu kandidieren! Denn mit diesem Team _müsst_ ihr arbeiten und ihr _müsst_ wissen, was dort wie geschieht und wie die Arbeitsabläufe sind. Sie helfen bei der Kommunikation nach außen und sind gut informiert über das Vorgehen anderer Parteien oder parteiinterner Geschehnisse. Lest auf jeden Fall die Mailingliste und versucht so oft es geht in die Mumblesitzung zu gehen. Wenn nicht, lest das Protokoll. Und haltet immer engen Kontakt mit den Pressesprechern (das kann man gar nicht oft genug sagen!).

Zeitmanagement – Bei den Piraten gibt es weiche Ziele. Darum ist es immer möglich, mehr Zeit zu investieren. Um das zu verhindern, habe ich mir hierfür eine persönliche Strategie aufgebaut. Ich habe zu Beginn der Amtszeit geschaut, wie viel Zeit ich investieren will und kann. Ich habe mir hierfür drei Stunden pro Tag gesetzt, was für mich das Minimum ist. Diese Zeit ist allerdings ausreichend, wenn man eine gewisse Arbeitsdisziplin hat. Wenn ich merkte, ich brauche für private Aktionen oder den Job mehr Zeit, habe ich mir bestimmte Wochentage genommen, die nur für Piraten und nur für Job da sind. Im Vorstand weiß man aber nie, welcher Tag wie voll wird. Also hilft nur eine gute Absprache mit den Kollegen und ein gewisses Maß an Flexibilität. Dann müssen die voreingeteilten Tag getauscht werden.

Es gibt Tage, die platzen aus allen Nähten. Da ist man als Vorstand von früh bis spät gefordert. Es gibt viel zu klären, telefonieren, organisieren, schreiben usw. Diese Tage habe ich ausgeglichen, indem ich mir später einen Tag frei genommen habe. Es ist ungefähr absehbar, was getan werden muss. Wie viele Tickets sind zu bearbeiten? Wann ist die nächste Sprechstunde, was muss ich vorher noch lesen? Durch meinen strengen Zeitplan habe ich wenige Stammtische besucht. Ich würde dem neuen Vorstand empfehlen das möglichst viel zu tun. Gleichzeitig habe ich es aber auch geschafft die meiste Zeit ausgeglichen zu sein und mit viel Spaß meine Arbeit zu machen, ohne Sachen liegen zu lassen.

Wichtig ist einfach zu klären, welche Aufgabe wann erledigt werden muss und wie viel Zeit sie braucht. Basisfragen hab ich gern am Ende einer Vorstandssitzung in “Sonstiges” geklärt, oder auch während der Sprechstunde. Viele Menschen hören die Antwort gleichzeitig, ich lerne etwas (falls ich die Antwort noch nicht wusste) und sie ist zugänglich protokolliert. Das ist ein großes Zeitersparnis.

 

 

Erst bin ich Mensch, dann Pirat.

Verzweiflung – Eingangs habe ich beschrieben, dass ein Vorstand ein wichtiges Zahnrad ist. Durch diese Entscheidungsgewalt wird eine große Erwartungshaltung aufgebaut. Wird diese nicht erfüllt, reagieren manche Menschen in der Basis sehr verzweifelt. Daraus resultieren verschiedene Verhaltensweisen. Oft entsteht dadurch aber auch emotionaler Druck. Es ist wichtig sich davon freizumachen, um seine Arbeit ordentlich erledigen zu können. Auf der anderen Seite sollte diese Arbeit nicht leidenschaftslos erfolgen. Auch wenn negative Reaktionen kommen, muss es eine Taktik geben, damit umzugehen. Vor allem aber darf diese Arbeit niemanden kaputtmachen. Es gilt immer, zuerst ist man Mensch und dann Pirat. Sonst ist diese Arbeit nicht zu bewältigen.

Reflexion - Hab ich gerade Mist gebaut oder gibt es hier gerade ein ganz anderes Problem? Zunächst sollte man sich selbst immer mit Vorwürfen auseinandersetzen. Ist man nicht in der Lage sich selbst zu reflektieren, kann man mit Kollegen oder den betreffenden Menschen über das Problem sprechen. Erst wenn alle Blickwinkel betrachtet sind, kann man anfangen aufzuklären, sich zu entschuldigen oder etwas zu ändern.

Blocken – Bei “Reflexion” habe ich geschrieben, dass man sich der Kritik zunächst annehmen sollte. Es gibt jedoch Fälle, da sollte man das besser nicht tun. Im Laufe meiner Amtszeit habe ich festgestellt, dass mir Leute mit ihren Worten vor allem wehtun möchten. Das sind bestimmte Personen, nicht viele. Aber was sie sagen tut weh, weil es wehtun soll. Manche Menschen legen sich sogar extra Mobbingaccounts zu. Ich habe daher beschlossen: Werde ich wegen etwas angegriffen, was nicht meinen Arbeitsstil betrifft, sondern mein Privatleben, wird geblockt. Meine Energie ist mir zu schade, um mich mobben zu lassen. Damit bin ich bisher gut gefahren.

Hilfe holen – Erfolgt ein persönlicher Angriff, kann man diesen Kampf selbst kämpfen. Man kann sich aber auch Hilfe holen. Durch einen einfachen RT auf Twitter beispielsweise, können die Menschen den Angriff sehen. Bisher wurde mir immer geholfen und ich fühlte mich nicht alleine. Gleichzeitig wurde ich aber auch reflektiert. Sehen das viele Leute genau so, wie der Angreifer? Dann haben sie es mir in anderen Worten gesagt und ich konnte damit arbeiten. Wenn die Verletzung zu tief geht, wird immer geblockt!

Vertraute – Es ist wichtig Menschen zu haben, mit denen man offen sprechen kann. Wie bereits geschrieben, empfehle ich mindestens eine Person im Vorstand. Zu den Kollegen sollte außerdem so viel Vertrauen herrschen, dass man bedenkenlos sagen kann “Ich habe gerade Stress im Job/ mit dem Partner/ in der Familie/ mit der Gesundheit”, sodass kein Eiertanz erfolgen muss, weil man sich eine Zeit lang anders verhält, als sonst. In der Basis sollte man außerdem ebenfalls Freunde haben. Und zwar echte Freunde, keine Speichellecker. Die besten Freunde sagen dir, wenn du etwas falsch gemacht hast. Wenn sie dich nicht verstanden haben. Auch, wenn über dich geredet wird. Sie kritisieren dich und sie helfen dir dabei im Vorstand auf dem Boden zu bleiben.

Neid – Es gibt immer Menschen, die tun wollen, was du tust. Sie machen hinter dir und vor dir Sachen kaputt und inszenieren sich bestmöglich, damit sie beim nächsten Mal dahin gewählt werden, wo du gerade bist. Du kannst nichts dagegen tun, also musst du dich damit abfinden.

Lästereien – Es werden negative Mails hinter dem Rücken des LaVos über seine Arbeit geschrieben. Während dem Mumble kommentieren Menschen auf Twitter deine Arbeit möglichst negativ, ohne dich in den Beitrag mit reinzunehmen. Sobald man im Mumble mit der Sprechstunde fertig ist, wird alles danach noch mal auseinandergenommen. Man bekommt positive Blogkommentare und erfährt zwei Tage später, dass die gleiche Person hinter deinem Rücken erzählen, das es besser sei, du würdest nicht mehr kandidieren. Lästereien sind da. Sie sind üblich, auch wenn sie nicht schön sind. Manchmal versuchen sich die Personen nur Luft zu machen, und wenn man sie später darauf anspricht, lassen sich einige Dinge klären. Manchmal geht es um Böswilligkeiten (siehe “Neid”). Wenn ich dies nicht offen ansprechen möchte, rede ich mit meinen Vertrauten darüber oder gehe dem einfach aus dem Weg. Bei manchen Gedanken ist es besser, sie nicht zu wissen. Einfach, um mit seiner Arbeit noch motiviert weiter machen zu können.

Freizeit und Freunde – Man muss sich neben dem Piratleben noch Freizeitmöglichkeiten schaffen. Es ist wichtig am Wochenende bei Freunden sagen zu können “…aber lasst uns bitte nicht über die Arbeit sprechen.” und damit die Parteiarbeit zu meinen. Denn sobald man in das Amt gewählt wurde, ist das Hobby keines mehr. Es ist Arbeit, es ist Stress, es ist anstrengend und es gibt eine hohe Erwartungshaltung. Nur durch einen guten Ausgleich ist es möglich, das man wieder mit neuem Blickwinkel an die Arbeit gehen kann. Seht die Piratenarbeit einfach als Erweiterung eures normalen Jobs an und nicht als euer Hobby. Das macht euch die Arbeit leichter und ihr habt eine andere Herangehensweise :)

 

Verantwortung

Tja, die Sache mit der Politik. Je mehr ich weiß, desto schlimmer wird es. Ich wollte als Teenie keine Politik machen, weil ich das überhaupt nicht verstanden habe. Politiker, das sind alte schreiende Männer und Frauen, die im Fernsehen auf eine Couch sitzen und sich gegenseitig um die Ohren hauen, wie fürchterlich sie die Position der anderen Partei finden. Ich habe das überhaupt nicht verstanden, was wollen die eigentlich? Und sie sitzen dort und schreien sich an, das Thema wird umschifft. Betrifft mich das irgendwie? Nein, denn sie reden miteinander an mir vorbei. Und mal im ernst, ich komm aus dem kleinen Dörfchen Hoisten. Da stehen zur Wahlkampfzeit ein, zwei, drei Tischchen an der Bushaltestelle mit Schirmchen und darauf stehen unterschiedliche Namen der Parteien. Von allen bekam ich zu Ostern ein Ei in die Hand gedrückt. Aber weil ich doch erst 16 war aber noch viel jünger aussah, hat keiner von denen mit mir weiter gesprochen. Danke liebe Altparteien, Chance vertan. In den Jahren darauf hab ich dann einiges mehr verstanden, denn mit Anfang 20 hab ich Nachts mit Farbrollen am Besenstiel NPD-Plakate übermalt.

Politiker sind 2013 noch immer streitende Menschen und ich habe erkannt, es geht vor allem um Geld. Sie drücken noch immer Bürgern Eier in die Hand und schauen an denen vorbei, die nicht in ihr “Beuteschema” passen. Wahlweise servieren sie jetzt auch Currywurst, vielleicht lockt das die “richtigen” an. Aber dieses “Je mehr ich weiß, desto schlimmer wird es.” hört einfach nicht auf. Es ist als hätte sich eine Tür geöffnet und ich kann nie mehr wieder zurück in diese Naivität. Wenn ich mir die Bestandsdatenauskunft anschaue, die vor Kurzem verabschiedet wurde, weiß ich auch nur das es die Spitze des Eisbergs ist. Aber wenigstens eine, die man dem Bürger erklären kann. Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, das durch einige Regierungsparteien verschleiert wird, was um uns herum passiert. Außer es dient dazu den politischen Gegner auszustechen, dann wird plötzlich Klartext gesprochen. Warum sonst wird während großer Fußballspiele ein Rettungsschirm nach dem anderen verabschiedet, der so hoch ist, dass jeder Deutsche, der nicht grad schon betrunken vom Bier oder vom Sieg seiner Mannschaft ist, einen halben Herzinfarkt bekommt?

Was ich tun konnte, um das ein Stück weit zu ändern, hab ich seit Mai 2010 getan. Ich hab mit vielen Piraten und Menschen gesprochen, ich hab mich ermutigen lassen meine Meinung zu sagen. Wegen dem ganzen Zuspruch habe ich viel Zeit und Herzblut investiert und viele harte Kämpfe ausgefochten. Ich hab mich nach einer langen Autofahrt von Andreas Graaf davon überzeugen lassen über ein Vorstandsamt nachzudenken. Während einer weiteren Autofahrt mit Piraten habe ich den Entschluss gefasst das auch zu tun. Ich weiß, ohne den ganzen Zuspruch der letzten Jahre hätte ich das auch nicht gemacht. Denn das ist es doch was eine Partei mit Ehrenamtlern am Laufen hält, der Zuspruch und die Motivation. Die Freiheit sich die Teile aussuchen zu können, die Spaß machen. Dann müssen am Ende doch noch gute Seelen gefunden werden, die aus Verantwortungsgefühl die Bereiche übernehmen die überhaupt keinen Spaß machen aber gemacht werden müssen. Ich habe seit 2010 viel gelernt, vor allem in den letzten zehn Monaten, in denen ich ein Vorstandsamt bekleidet habe. Und ich hab sehr viele Seiten an mir kennengelernt, von denen ich nicht wusste, das sie in mir stecken.

Aber es war bei Weitem nicht alles schön. Ich hatte einen riesigen Streit mit der Werbeagentur, bei der ich damals gearbeitet habe. Unter anderem lag es daran, das ich mich so rasant verändert habe. Denn die Piraten haben etwas in mir geweckt, was eh schon tief in mir geschlummert hat. Dieser Streit hat mich sehr zermürbt und doch hab ich nun schon ein Portfolio an Kunden, die manche Grafiker ihr ganzes Leben nicht betreuen werden. Heute würde ich diesen Job nicht mehr machen und für manche dieser Kunden nicht mehr arbeiten. Erst durch meine Freunde aus dem Hackerspace fNordeingang habe ich gemerkt, dass ich dort kaputt gegangen bin. Warum hab ich das gemacht? Weil ich mich der Zuspruch und die Verantwortung angespornt haben. Riesige Projekte stemmen, zum Teil alleine! Dieses Gefühl hat mich sogar vergessen lassen, was das für Unternehmen sind, für die ich da arbeite. Es ist wie ein Droge, ich kann es nicht beschreiben. Irgendwann ging es nur noch an meine Substanz. Ich musste natürlich auch Geld verdienen, um mein Studium zu finanzieren und um Piratenarbeit zu machen.

Aber habe ich mein Studium gemacht? Mehr schlecht als Recht. Ich bin durch meine Zulassung zum Diplom gerasselt, das war sehr schlimm für mich. Und trotzdem habe ich kurz danach das Vorstandsamt angenommen. Ich mache seit dem einen Job der weniger Zeit braucht und bei dem ich viel weniger verdiene. Dafür arbeite ich doppelt so hart. Ich hab so die Zulassung zum Diplom geschafft und nicht mal genug in mir selbst geruht, um mich wirklich darüber zu freuen. Denn was vor mir lag, war Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit. Erst Monate später hab ich realisiert, was ich gepackt habe. Und zwar dann, als ich schon in den Diplomvorbereitungen steckte. Ich arbeite auch im Vorstandsamt unheimlich viel, teilweise arbeitete ich für zwei. Und das nur wegen meinem verdammten Verantwortungsgefühl und weil mir dieser Job Spaß macht. Ja, ich steh auf Arbeit und ich hab keine Angst vor Verantwortung. Jeder Stein, der mir im Weg lag, hat mir dabei geholfen wichtige Erfahrungen zu machen, dass ich heute stolz auf mich sein kann so zu sein, wie ich bin.

Aber wer mitgezählt hat wird sehen, dass ich drei Jobs habe und einen der wenig Zeit in Anspruch nimmt, bei dem ich wenig Geld verdiene und der es mir erlaubt Diplom und Vorstandsarbeit zu machen. Dabei ist das ein anspruchsvoller Job, der mir viel Spaß macht. Ich gebe Kindern in einer offenen Ganztagsschule Hausaufgabenhilfe und mache die Nachmittagsbetreuung. Und ich nehme meine Arbeit sehr ernst, es macht mir Spaß dort zu sein aber es erschöpft mich auch. Das ist nichts, was ich auf einer Arschbacke abreiße, weil ich es ernst nehme, das ich dort an der Zukunft von jungen Menschen arbeite. Nächsten Monat wird übrigens noch ein vierter Job hinzukommen, ich werde wieder einen Gimp-Kurs geben. Das ist jede Woche ein Abend, an dem ich nach der Arbeit zur VHS fahre, um Menschen ein freies Grafikprogramm beizubringen und das ist sehr anstrengend weil alle mit völlig unterschiedlichen Vorraussetzungen zum Kurs erscheinen. Ich brauche Geld wie jede/r Andere auch. Ich hab Kosten, ich muss mein Studium bezahlen. Ich hab nicht genug Geld, um meine Freizeit damit zu gestalten. Was übrigens nur daran liegt, dass ich keine Freizeit habe. Ich versuche einen Tag in der Woche freizuhaben, was ich nicht mal regelmäßig schaffe und das zehrt an meinen Nerven.

Ich mache die Arbeit als Vorstand unheimlich gern. Wenn ihr mich fragt “Willst du weiter Landesvorstand bleiben und mit uns den Wahlkampf durchziehen?” sage ich “Nichts lieber als das!” Aber ich packs einfach nicht. Ich kann diese Arbeitsbelastung nicht durchhalten. Ich will keinen Beisitzerposten, ich möchte stv. Vorsitz oder Vorsitz machen. Warum? Weil es dem worauf ich Lust habe am ehesten entspricht. Und jeder, der für lau arbeitet sollte das machen, was ihm Spaß macht. Ich hab einen hohen Anspruch daran, was man als das Dreiergespann der Vorsitzenden machen sollte und ich weiß, unter diesen Vorraussetzungen schaffe ich das nicht. Ich will nicht meine Kollegen im Stich lassen müssen. Es ist auch kein Kompromiss mehr für mich zu sagen “Ich mach mein Diplom, ist ja eh im Juli oder August zu Ende und dann hau ich richtig rein!” Das ist Selbstbetrug. Danach muss es doch weiter gehen, ich muss mir eine Arbeit suchen. Und ich kann auch nicht mehr hören “Mach doch ein Urlaubssemester.”, das ist eine Zumutung, so geht das einfach nicht mehr. Wir können nicht mehr darauf hoffen das Leute ihre Zukunft ruhen lassen oder ihren Job verlieren, weil sie sich für ein Vorstandsamt entschieden haben. Ich sags euch ganz ehrlich: Wärs ein normaler Job für den ich Geld bekomme, ich würde es mit Liebe wieder tun. Selbst wenn es wenig Geld aber eine Lebensgrundlage wäre. Aber das ist nicht der Fall. Ich pack das so nicht und es tut mir in der Seele weh, weil es mir einfach so viel Spaß macht.

Es tut mir leid, wenn ich euch jetzt enttäusche. Ich weiß, ich habe schon in einer Vorstandssitzung gesagt, dass ich weitermachen werde. Aber ich hoffe ihr könnt nachvollziehen, warum das nicht geht. Ich gebe den Hut ab, ich danke euch für die Zeit. Ich muss jetzt wieder mehr Verantwortung für mich übernehmen. Vielleicht mache ich das nächstes Jahr noch mal, bis dahin fließt noch etwas Wasser den Rhein hinunter :)

Liebe Grüße

Eure Chrissie

Zwei Fragen an FEMEN Germany

Ich stellte FEMEN letzten Monat über Facebook zwei Fragen, die mich sehr beschäftigt haben und bekam eine zügige Antwort. Es wird keine weitere Wertung von mir geben, ihr könnt euch selbst ein Bild machen:

Hey, ich hab zwei Fragen.

Ist das hier von euch? http://wahremaenner.files.wordpress.com/2013/02/femen-sait-02.jpg

und die zweite Frage, warum ihr das Hakenkreuz benutzt, wenn ihr eigentlich antifaschistisch seid?

Liebe Grüße
Chrissie

Hallo Chrissie,
Danke für dein kritisches Interesse an Femen.
Ja beide Bilder sind von uns. Nicht direkt von FEMEN Germany, aber von FEMEN Ukraine erstellt.
Das erste Bild symbolisiert zum einen die Kastration des Patriarchats und zum anderen das wir Frauen auch “Eier” haben. Wir wollen damit keinesfalls zur Gewalt aufrufen. Es handelt sich dabei um eine überzeichnete und ironische Darstellung unserer Forderungen, dem Patriarchat seine Macht zu nehmen und Frauen mehr rechte zuzusprechen.
Das Hakenkreuz soll unseren Punkt (Sexindustry is facism) visuel zu unterstützen. Wir wollen schockieren um die Bevölkerung wach zu rütteln! Wir provozieren die deutsche Bevölkerung um sie darauf aufmerksam zu machen was vor ihren Augen tagtäglich geschieht. Ohne das es einen Aufschrei gibt. Frauen und Kinder aus Osteuropa werden in unser Land verschleppt um hier gefoltert, missbraucht, und ausgebeutet zu werden um sie, wenn sie “verbraucht” sind wegzuwerfen wie Dreck. Wir wollen Deutschland, das schon einmal weggeschaut hat, wachrütteln und auf diese furchtbaren Geschehnisse aufmerksam zu machen. Wir wollen und können nicht mehr wegschauen! Da die deutsche Bevölkerung aber auf Wörter wie “schlecht” oder “furchtbar” nicht mehr reagiert gebrauchen wir nun härtere Mittel um die Aufmerksamkeit auf dieses reale heute existierende Problem zu richten. Ohne dabei die Opfer unserer Vergangenheit relativieren zu wollen. Wir wollen nicht das sich die Geschichte, wenn auch in einer anderen Form, in Deutschland wiederholt. Wir machen Aufmerksam, damit hinterher niemand sagen kann er hätte von nichts gewusst. Wir wollen nicht das Deutschland erneut Mittelpunkt einer großen Menschrechtsverletzung wird. Wir wollen nicht das Täter ungestraft davon kommen, schlimmer noch, angesehene Mitglieder unserer Gesellschaft sind. Das sind Zustände die für Femen nicht länger hinnehmbar sind! Darum greifen wir zu diesen Mitteln, auch wenn nicht jeder es versteht!
Wir nehmen uns nicht heraus zu beurteilen was schlimmer ist. 6.000.000 Tote in die wir nicht Rückgängig machen können oder 1.000e tägliche Tote die wir verhindern könnten. Wir denken auch nicht das Opfer beschimpft werden wenn man sie mit Opfern der Sexindustrie vergleicht. Wir denken nicht das es eine Schande ist ein Opfer der Sexindustrie zu sein. Wir machen keine Unterschiede zwischen Menschen aufgrund ihrer Religion, ethnischen Zugehörigkeit oder ihres Berufes.

Wir hoffen deine Fragen damit beantwortet zu haben.
Liebe Grüße
FEMEN Germany