Ihr habt noch Chaos in euch

Zum ersten Mal habe ich dieses Zitat von Simon Kowalewski gehört, er wurde dort vom Fernsehn interviewt. Zwar habe ich die Fröhliche Wissenschaft gelesen aber nicht “Also sprach Zarathustra” und als ich das Zitat heute wieder fand, ist mir etwas aufgegangen

Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra (1883-1891).

Der letzte Teil, “Ich sage euch, ihr habt noch Chaos in euch.” ist am bezeichnendsten. Man wirft uns Piraten vor, wir seien eine Chaostruppe. Warum auch nicht, wir nehmen uns die Freiheit jedes Problem von vielen Seiten zu beleuchten. Was uns als Schwäche ausgelegt wird “Wir diskutieren noch darüber” ist in Wirklichkeit auch eine große Stärke. Unkonventionelle Wege wie das BGE nehmen wir gern in Kauf, um unsere Vorstellungen einer besseren Welt zu verwirklichen. Stillstand wird dann vielleicht der Tod aller Parteien sein (ja, ich nehme die Piraten nicht aus).

Ich glaube, wir unterscheiden uns nicht sehr von anderen Parteien, die auch einen Anfang hatten. Ideen können nicht aus dem Nichts geboren werden. Sie müssen aus dem Chaos, dem freien Geist, der Ungezwungenheit geboren werden. Nur so können wir zu neuen Lösungen kommen, ähnlich wie im Gestaltungsprozess des Designs oder der Innovationen. Aber wir sprechen diese Fähigkeit den heutigen, etablierten Parteien nicht ab. Die Arroganz, die uns oft vorgeworfen wird, besitzen wir gar nicht.

“Ich sage euch, ihr habt noch Chaos in euch.” sagen wir zu anderen Parteien. Wir glauben, dass auch andere Parteien ihre Richtung ändern können. Wir sehen uns nicht als Allheilmittel aber wir glauben, dass wir die Politik aufbrechen und verändern können. Das wir die anderen Menschen wieder zum Chaos und damit zu neuen Lösungen bringen können. “Wir”, das sind nicht nur die Piraten. Das ist der Ort an dem ich lebe, das bist du und das bin ich. Wir sind mehr als eine Struktur, wir sind die mit der Sehnsucht.

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Frühling

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Kandidatur Beisitz und stellv. Vorsitz NRW

Hallo liebe Piraten,

ich habe vor einiger Zeit diesen Blogbeitrag hier verfasst, zu meiner Kandidatur als Beisitzer. Bitte lest das zuerst.

Ich habe mich danach mit vielen Leuten unterhalten, die mich in meinem Vorhaben unterstützen wollen. Es gab aber auch einen Piraten, den ich sehr schätze, der mir dazu geraten hat auch über den 1. oder 2. Vorsitz nachzudenken. Ich habe nachgedacht und zwar 1 1/2 Monate. Den 1. Vorsitz habe ich aber direkt ausgeschlossen. Ich habe wirklich wenig Zeit und dieser Job muss von jemandem erledigt werden, der viel Zeit investieren kann. Der stellvertretende Vorsitzende ist da nur die Fallback-Lösung. Wenn der 1. nicht kann, muss ich einspringen. Die restliche Zeit kann ich an meinen eigenen Piraten-Projekten arbeiten.

Ich möchte jetzt eine Zeitangabe nachliefern: Im Moment investiere ich täglich ca. 1-2 Stunden am Tag in die Piraten. In Tweets, Dialoge, Blogbeiträge oder auch darin (und das ist auch Arbeit) mir alle Artikel von und über uns durchzulesen, zu reflektieren und zu bewerten. Ich gebe Feedback an die Piraten in Land und Bund, ich versuche regelmäßig den Neusser Stammtisch zu besuchen. Ansonsten bin ich auf der Suche nach Fehlern oder Unstimmigkeiten im Alltagsgeschäft der Piraten NRW, suche eine Lösung, suche mir Menschen, die mir bei der Umsetzung helfen, stoße ein Projekt an und verlasse dieses dann wieder. Zuletzt ging es um einen Pressespiegel für die Listenkandidaten NRW, darum kümmern sich nun @piratenschaf (DANKE!) und @00Wintermute00 (DANKE!) und @Atari_Frosch (DANKE!). Ich habe daran ca. 2 Tage je 1-2 Stunden gesessen und nun geht er täglich raus. Und DAS ist die Zeit, die ich Euch geben kann. 1-2 Stunden am Tag. Nicht mehr.

Ich bin Studentin, ich bin Anfang nächsten Jahres fertig. Daran wird nichts rütteln, ich werde den Scheiss jetzt durchziehen. Mein Studium bleibt die Nr. 1 auf meiner Prioritätenliste. Ich habe mich mit dem derzeitigen stellv. Vorsitzenden Kai Schmalenbach unterhalten, ob das so realisierbar ist. Denn er hat selbst auch einen Fulltime-Job und ein Privatleben. Er hat mir bestätigt, ich kann es damit schaffen. Also werde ich das auch tun. Es ist Eure Entscheidung. Und ich werde nicht zulassen, dass der Piratenjob mein Studium frisst :-) Ihr kennt mein Durchsetzungsvermögen!

Was ich noch fördern möchte ist Liquid Feedback. Es läuft in NRW schlichtweg einfach nicht gut und wir müssen das jetzt anschieben. Ich habe mich mit Alexander Morlang von der Piratenfraktion in Berlin unterhalten, er hat mir nochmal bestätigt, dass die meisten Entscheidungen darüber getroffen werden. Unsere (hoffentlich) Mitglieder im Landesparteitag werden unsere Meinung brauchen, also ran an den Speck. Aber auch hiermit beschäftige ich mich erst ausführlich,  wenn ich gewählt bin.

Bis dahin werde ich jetzt das Parteiprogramm auswendig lernen und hoffen, dass ihr mich wählt. Aus Finanziellen- und Zeitgründen kann ich keine Werbetour für mich starten. Dafür müsst ihr Verständnis haben.

Noch eine Bitte am Ende: Wir brauchen einen guten 1. Vorsitzenden aber viele von uns kommen (hoffentlich) in den Landtag. Haltet bitte die Augen nach Kandidaten offen oder überlegt, ob ihr euch vorstellen könnt dies zutun. Sprecht auch Leute aktiv an. Die Liste befindet sich hier.

Fragt mich auf Formspring oder Twitter und habt einen schönen Tag!!!

Chrissie

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Neusser Piraten haben Schwein

Ich habe eeeendlich das Sparschwein für die Neusser Piraten fertig gemacht :-)

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Selbstblockade

Ahoi.

Wir haben derzeit ein kleines Problem: Wir sind etwas nervös. Das ist nicht schlimm, gerade ist auch etwas Land unter. Plötzlich ist Landtagswahl in NRW, das Saarland hat bereits grandiose Prozente erzielt und Schleswig Holstein steht auch noch an. Puh! Und das, obwohl wir gerade total mit uns selbst beschäftigt waren. Das sind wir ja eh, denn wir versuchen noch immer mit unseren Wachstumsschmerzen fertig zu werden. Als ich die mal hatte, als Kind, da bin ich nicht zum Arzt gegangen. Eine Freundin hat mir gesagt “Aushalten, durchstrecken und entspannen.”

Also gut, ignorieren wir das vielleicht einfach Mal und stürzen uns auf die akuten Aktionen, s.o. Dann passierte aber Folgendes: Die JuPis schrieben uns einen offenen Brief, in dem sie uns gesagt haben, dass wir ein Problem mit sexistischen und rassistischen Äußerungen in der Partei haben.

Ich sage normalerweise Folgendes: Es gibt nur einen Handlungsstrang im Leben. Man kann ihn nicht verändern, er wird immer so stattgefunden haben. Es macht also keinen Sinn, sich die Nerven über Vergangenes zu zermürben. Ich möchte daher einen Vorschlag für die Zukunft machen, der in NRW bei heiklen Themen z.B. super funktioniert:

Eine klare Absprache, damit alle an einem Strang ziehen und wir nicht angreifbar sind!

Klingt simpel und das ist es auch. Es muss EINE Antwort geben, zu jedem unserer zukünftigen Fail-Themen. Diese Antwort muss vom 1. Vorsitzenden, 2. Vorsitzenden, pol. GF, den LaVors usw. gekannt und immer immer immer wieder runtergebetet werden. Die Medien berichten nämlich immer nur über den, der das blödeste sagt und schon werden wir wieder angegriffen. Wenn aber alle das Gleiche sagen, wird das Thema für die Presse uninteressant. Stellt euch das so vor, wie die Römer bei Asterix und Obelix, die mit ihren Schildern immer eine Kugel oder ähnliches gebildet haben :-)

Ansonsten kann ich nur noch die Taktik aus dem Social Media Bereich empfehlen, wenn man mal einen bescheidenen Post mit vielen Negativkommentaren auf seiner Facebookseite hatte: Wir brauchen neue spannendere Inhalte, damit der Mist nach unten und aus dem Blickfeld rutscht. Die Inhalte haben wir ja, also verpacken wir sie ausnahmsweise so, dass sie jeder versteht. Wir verstehen uns gegenseitig super aber unsere Umwelt versteht uns nicht. DAS ist mal was, an dem wir uns länger aufhalten müssen.

Ich möchte betonen, dass das nicht heißt, das der Mist und die Kommentare verschwinden. Wir haben Fehler gemacht, es gibt Probleme in der Partei, über die wir reden müssen und für die wir Lösungen brauchen. Wenn aber die halbe Partei damit beschäftigt ist sich um die Presse und Außendarstellung sowie die Selbstzerfleischung zu kümmern, haben wir keine geistigen Kapazitäten frei, um an wirklichen Lösungen zu arbeiten. Denn das was jeder einzelne von uns Piraten falsch macht: Wir bauschen unsere Probleme immer selbst so sehr auf, das die Presse nicht drüber stolpern muss. Sie wird förmlich angebrüllt “Hier dampft die Kacke!!! Komm gefälligst her und schreib nen Artikel darüber!”

Also bitte entspannt Euch, es ist alles halb so schlimm. Lasst uns wieder zur Ruhe kommen, wir brauchen unsere Energie für wichtigere Dinge. Wir müssen nämlich arbeiten!

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Stilfindung

Ich sah auf MTV vor ungefähr 10 Jahren ein Interview mit einem HipHop-Künstler. Danach gefragt, wie er seinen Stil findet, antwortete er: “Es gibt zwei Möglichkeiten seinen eigenen Stil zu finden: Du kannst dir alles anhören was es gibt und auf dieser Basis arbeiten. Oder du hörst dir einfach gezielt nicht das an, was um dich herum passiert und machst dein Ding.” Natürlich kann er sich nicht ganz von dem frei machen, was um ihn herum passiert. Er hört Musik und Sounds überall aber er gibt sich die Mühe seinen eigenen Weg zu finden. Das bewundere ich, das will ich auch.

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“Faires Urheberrecht” – Analyse von Daniel Neumann (Urheberrechtsautor Piraten)

Liebe Leser,

ich freue mich sehr, dass sich Daniel Neumann ( Twitter @The_DanielSan) das “Fair-Use”-Urheberrecht der CDU genauer angeschaut hat. Er ist der Autor von unserem Urheberrecht, das wir beim letzten Bundesparteitag abgestimmt haben. Vielen vielen Dank dafür. Unseres findet Ihr ganz unten in der letzten Zeile.

 

Das “Fair-Use”-Urheberrecht der CDU

Quelle: http://www.faires-urheberrecht.de/

“Für den fairen Ausgleich der Interessen von Urhebern und Werknutzern.”

(Der komplette Text steht unter cc-by-nc-nd 3.0, daher kann ich nur Auszugsweise zitieren und nicht den Text als Ganzes wiedergeben)

Vor einiger Zeit starteten einige CDU/CSU-Mitglieder eine Initiative mit Leitlinien für ein “faires Urheberrecht”. Was erstmal nicht schlecht klingen muss, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung jedoch als Flopp. Der Informationsgehalt der Website gliedert sich im Grunde nur in 3 Einzelseiten, die jeweils einen anderen Punkt des sogenanten “fairen” Ausgleichs darstellen möchten. Es folgt eine Gegenüberstellung zu Position der Piratenpartei:

1. Rechtsvereinfachung

Im Grunde Geschwurbel. Die noch konkreteste Aussage bzw. “Forderung” zur Rechtsvereinfachung steht im letzten Absatz, wo es heißt:

“Bei zukünftigen Änderungen des Urheberrechts muss [...] darauf geachtet werden, dass jedermann intuitiv verstehen kann, welche Rechte und Pflichten er hat und welche Grenzen zu beachten sind.”

Tolle Ansage. Respekt. Eine allgemeine Aussage ohne konkret etwas wirklich zu formulieren.

Wir Piraten sind da schon deutlich konkreter bzw. kann ich an dieser Stelle mal genaueres verlauten lassen. :)

Würde man unsere Forderungen, so wie in meinem Papier beschrieben, umsetzen, würde das Gesetz um 63 Paragrahen und mehrere Absätze aus anderen Paragrahen gekürzt werden. Das hätte zur Folge, dass das Gesetz insgesamt um knapp 40% schlanker wäre. Zudem würde knapp die Hälfte aller Querverweise zu anderen Paragraphen entfallen.

Desweiteren vereinfachen wir die Sprache und vereinheitlichen Begriffe, indem wir etwa aufhören eine Unterscheidung zwischen “veröffentlicht” und “erschienen” zu machen, “ausschließlich” nur noch dort verwenden, wo es um ausschließliche Nutzungsrechte geht sowie von einigen Worten, wie “gleichviel” oder “gleichwohl” abrücken, die im normalen Sprachgebrauch doch tendenziell unbekannt und unklar sind.

Wer sich also mit dem Gesetz befassen möchte, wird es nach unserer Reform deutlich einfacher haben.

Zudem kann man eine mögliche bleibende Rechtsunsicherheit für den Konsumenten, durch eine allgemeine, einfach verständliche Regel klarstellen:

- Wer ein Werk erwirbt, darf es auch erstmal nutzen wie er will und möchte. (Vorbehaltlich einer gewerblichen Nutzung)

(Und ja auch wir Piraten gehen davon aus, dass das weiterhin passiert, wenn auch eventuell erst “rückwirkend”)

2. Fair-Use-Prinzip

Man mag zuerst meinen, dass es hier tatsächlich, um einen Interessensausgleich bei der “fairen” Nutzung von Werken gehen könnte, den man ja oft mit dem “Fair-Use-Prinzip” verbindet, schließlich wird nach einer allgemeinen Einleitung immerhin festgehalten:

“Hierbei muss das urheberrechtliche Schrankenmodell neu justiert werden.”

Doch weit gefehlt, wird man doch im Folgenden konkreter:

“Die Kriterien für “Fair Use” sind so zu definieren, dass Gerichte Entscheidungen treffen können, die der Lebenswirklichkeit entsprechen.”

Was das jetzt genau heißen soll und wie diese “Fair Use” aussehen könnte, bleibt jedoch offen.

Auch hier sind wir Piraten konkret: Abschaffung von DRM, Privatkopie und Remixing klar definieren und festschreiben, den Verkauf digitaler Werke ermöglichen, eine unkomplizierte Nutzung für Bildung und Forschung ermöglichen, etc. Dem Konsumenten und der Gesellschaft also die Möglichkeit geben erworbene Werke auch nach Belieben nutzen zu können und von Ihnen profitieren zu können. Zumindest ist das meine Vorstellung von einer “fairen Benutzung”, für erworbenen Werken.

Weiter heißt es:

“Urheber müssen weiterhin leistungsgerecht vergütet werden, aber ein Urheberrecht für das digitale Zeitalter muss auch die berechtigten Interessen der Werknutzer berücksichtigen, um gesellschaftliche Akzeptanz zu erfahren.”

Aha. Wäre es wirklich zuviel verlangt gewesen auch nur ansatzweise zu formulieren, wie denn die Interessen der Nutzer so aussehen? Nun denn. Was die Vergütung der Urheber angeht, so widersprechen wir dort auch nicht. Wir gehen sogar einen Schritt weiter und machen bei unseren Positionen deutlich, dass wir die Urheber selber konkret stärker wollen und ihnen mehr direkte Kontrolle über ihre Werke zukommen lassen wollen, als das bisher oft der Fall ist.

3. Keine Netzsperren

Hier musste ich ja wirklich schmunzeln, da der Aufstieg der Piratenpartei ja auch erst durch das Netzsperrenthema wirklich an Fahrt aufgenommen hat.

Nach dem üblichen einleitendem Allgemeingeschwurbel (Internet als Leitmedium, Informationsquelle, Arbeitsplatz und sozialer Raum) wird es hier erschreckend konkret:

“Genauso absurd ist die Idee, im Falle von Urheberrechtsverletzungen, zeitweise Internetsperren zu verhängen. Der hierin liegende massive Grundrechtseingriff erscheint [...] evident verfassungswidrig.”

Tut mir Leid, aber soll ich das wirklich ernstnehmen? Ausgereichnet hier wird man dermaßen genau und redet wie selberverständlich von “massiven Grundrechtseingriffen”. Natürlich wäre es sehr wünschenswert, wenn einige Leute bei der CDU wirklich aufgewacht sind, aber gerade bei einer politischen Initiative, die sich im Internet darstellt, wo tendenziell mehr piratenaffine Menschen unterwegs sind, kommt mir der Verdacht, man wolle sich hier unserem “Klientel” bedienen.

Man wälzt das Ganze dann noch weiter und genauer aus

“Individuelle Netzsperren sind darüber hinaus technisch und praktisch nicht durchsetzbar”

Und führt dazu sogar noch mehrere Beispiel an, etwa

“Die Sperrung des Internetzugangs kann einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Berufs- und Forschungsfreiheit darstellen.”

Wie gesagt, ich würde mir wünschen, wenn das alles so ernst gemeint ist. Jedoch kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen, da ich einfach das Gefühl nicht loswerden kann, man wolle mir hier als Pirat einfach nach dem Mund reden.

Im Unklaren zu lassen, wie ein modernes Urheberrecht aussehen könnte, offenlassen, was “Fair-Use” sein könnte, aber Hauptsache gegen Internetsperren sein.

Wie wir Piraten zu Netzsperren stehen, brauche ich glaube icht nicht zu erläutern. ;)

Außer diesen Informationen bzw. einer Meldung vom Oktober 2011, indem diese “Leitlinien” vorgestellt werden, ist auf der Website bisher nichts passiert, weswegen ich das Ganze für mich eben nur als PR verstehen muss und nicht sonderlich ernst nehmen kann.

Es grüßt

Daniel “DanielSan” Neumann (@The DanielSan)

Musiker, Webdesigner, Urheber und Verfasser des aktuellen Beschlusses zum Urheberrecht der Piratenpartei Deutschland (wiki.piratenpartei.de/wiki/images/0/07/UrhG_Arguments_FassungBPT2011-2.pdf)

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C-Netz – Eine Analyse

Optik:

Die Internetseite des Vereins cnetz tritt “konservativ” auf. Derzeit beliebte Verläufe und experimentelle Gestaltung ist nicht sichtbar. Gearbeitet wird mit einem blockigen schwarzen Header und großer Schrift. Die vorrangige Farbgestaltung ist schwarz-weiss-orange. Links werden in Orange abgesetzt. Die Navigation befindet sich nur auf einer Ebene, dadurch ist sie vorteilhaft für Menschen, die bisher das Internet nicht häufig genutzt haben (geringe Klicktiefe). Die Schrift ist groß und dadurch gut lesbar. Auf soziale Medien wird präsent im Header hingewiesen.

Bebildert wird die Seite mit Eindrücken der Gründungsversammlung vom 23. März. Die Fotos sind alle schwarz-weiß gehalten und zeigen eine Diskussionssituation bzw. Abstimmungen bzw Impressionen. Menschen im Alter von Mitte 30 bis etwa 60 sind darauf zu sehen. Die Kleidung ist offiziell. Vermittelt wird aufgrund der Perspektiven, dass ich mich mitten im Bild befinde. Die Farbgestaltung zeigt aber eine Distanz zum Geschehen. Eventuell auch “Vergangenheit” im Zuge der Schwarz-Weiß-Aufnahme. Die Fotos zeigen überwiegend Männer, es sind nur zwei Frauen zu sehen.

Inhalt:

Der Verein setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet ein. Bisher scheint es nur willkürliche Entscheidungen vonseiten der Politik zu geben. Das cnetz möchte sich hier auf christliche Grundwerte und das Grundgesetz berufen.Einen irrationalen und ideologischen Umgang mit dem Internet lehnt der Verein ab.

 

Die Trennung zwischen real und digital gibt es nicht mehr. Das Internet wird als treibende Kraft gesehen. Grundsätzlich sei es positiv aber nur je nachdem, wie es von der Gesellschaft gestaltet wird. Es wird daraufhin ein sogenannter “contract social”, ein Gesellschaftsvertrag notwendig. Die pluralistische Gesellschaft im Netz wird ebenfalls erkannt.

Zweck des Vereins ist

  • das Bewusstsein für den durch das Internet stattfindenden gesellschaftlichen Wandel zu stärken,
  • die Förderung der politischen Bildung und des demokratischen Diskurses im Rahmen der Digitalisierung und
  • die Begleitung politischer Entscheidungsprozesse zu netzpolitisch relevanten Fragen,
  • die ökonomische Bedeutung der Digitalisierung unserer Welt zu vermitteln.

Umgesetzt wird dies durch Öffentlichkeitsarbeit, Diskussionsbeiträgen, Themenplatzierung bei Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, sowie die Durchführung und Teilnahme an Vorträgen und Veranstaltungen.

Mitglied werden kann man durch eine schriftliche Empfehlung einer Person, die bereits Mitglied ist. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand mit mehrheitlichem Beschluss. Der Jahresbeitrag kostet 50€ pro Jahr. Als Fördermitglied zahlt man 500€ pro Jahr, hat aber kein Stimmrecht.

Unter “Mitmachen” kann man 41 Statements von Mitgliedern finden, von denen 6 Mitglieder weiblich sind. Diese drücken in 140 Zeichen aus, warum sie Mitglieder geworden sind. Die Statements entsprechen dem dargelegten Selbstverständnis (s.o.) aber thematisieren auch Selbstbestimmung, anstgeprägte “Kulturkämpfe”, Urheberrecht, Kapitalismuskritik die Coolness des Namens cnetz.

Es gibt zudem eine Seite, die das Presseecho auflistet.

 

Persönliches Fazit:

CDU oder Christdemokratie kommt nirgendwo mit einem Wort vor. Ich finde den Ansatz des Vereins lobenswert und interessant. Ich bin gespannt, was sich daraus entwickelt wird. Wie sich das Internet mit christlichen Grundsätzen vereinbaren lässt, kann ich bisher leider nicht beurteilen.

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Saunalandschaft

Sauna. Saunalandschaft. Ich habe noch nie eine Saunalandschaft gesehen. Im Gegenteil, in den meisten Fällen soll es einen Ort oder ein Dorf darstellen. Manchmal auch ein Land aber keine Landschaft. Seine Bewohner sind trotz allem sehr interessant.

Der Saunabesucher teilt sich dort in unterschiedliche Kategorien und Menschen. Ohne Handtuch auch durch den Badebereich zu gehen, der nur spärlich die sonst so geschützten Genitalien erster und zweiter Klasse schützt, ist nicht für jeden möglich. Das Gefühl, das dort alle gleich sind, gleich hässlich, schrumpelig, mit großen oder kleinen Extremitäten, Geschlechtsmerkmalen, Narben oder Tätowierungen am Körper, stellt sich eh erst nach zwei Stunden ein. Dann, wenn man nicht mehr peinlich darauf bedacht ist, sich dauerhaft bedecken zu müssen. Zwanglosigkeit. Regelmäßige Saunabesucher haben dies bereits von Anfang an. Der ältere, freundliche Herr, der sieht, wenn man sich nicht für eine Sauna entscheiden kann oder desorientiert ist, eilt jedes Mal herbei. Es ist nie der Gleiche aber immer der gleiche Typ. Er stellt sich vor uns, das Handtuch locker über die Schulter geworfen, der Bauch in Falten nach unten hängend, bis die letzte Falte die Wurzel seines Gliedes berührt (selbstverständlich ohne sexuellen Hintergrund) und gibt uns Auskünfte, nach denen niemand verlangt hat. Er ist bestechend freundlich, berührt uns aber nie. Netiquette. Aber spätestens dann merke ich, ich bin in einer Welt, in der wir uns wie eine Gemeinschaft zu fühlen scheinen. Die Gemeinschaft, in der die Scham bald von uns abtropft wie der Schweiß in der Sauna.
Grenzwertige Situationen suchen wir dort, wenn wir nicht auch zum eingeschworenen Saunakreis gehören. So verschwinden die Anfänger zunächst in der Dampfsauna, um sich daran zu gewöhnen, dass sie plötzlich keine Kleider mehr tragen. Die Herausforderung den Wasserschlauch zu nehmen und seinen Sitzplatz abzuspülen, ja ungeteilte Aufmerksamkeit in den folgenden drei Minuten zu bekommen, nackt und trotz Dampf, die meistert nicht jeder direkt. Ungezwungene Gespräche, wenn man nicht weiß, wer gerade neben einem sitzt, führt man dort auch nicht. Insgesamt ist es ein Ort der Ungezwungenheit nur so herausfordert! Schaffe ich es mich dort zu entspannen oder tappe ich in die Falle, dass die Wellnessoase doch zu einem kleinen Fegefeuer wird, weil ich der Offenherzigkeit nicht gewachsen bin?
Völlig unterschiedlich aber den Charakter der Saunalandschaft widerspiegelnd ist der Aufguss. Menschen pferchen sich gemeinsam in eine der heißesten Saunen und versuchen so relaxed wie möglich zu wirken. Während die einen direkt die oberste und wärmste Bank in beschlag nehmen, am liebsten liegend und so anderen Menschen den Platz klauend, setzen sich Leute mit schwachem Kreislauf oder Anfänger zunächst auf die untere Bank. Das Ritual beginnt. Der Saunameister oder die Saunameisterin erklärt den Aufguss. Jedem Mutigen wird ein Mutmacher gereicht. Ähnlich wie der Lutscher für Kinder nach dem Blutabnehmen, nur eben vorher. Ist der Aufguss “Pina Colada”? Dann gibt es Ananasstückchen dazu. Das leckere Trostpflaster für davor. Befindet man sich nun in einer lustigen Runde, wie beispielsweise in Köln im Aqualand, wird pausenlos gelacht und gegiggelt, bis die Tür wieder aufgeht. In der Asiatherme in Korschenbroich herrscht dagegen Totenstille. Konzentration. Muße. Ein angestrengter Entspannungsprozess beginnt.

Tür zu! Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Der erste Aufguss wird gemacht, der Saunameister oder die -meisterin zeigen gestählte oder mindestens sportliche Körper und wedeln wie Irre mit Handtuch, oder wahlweise einem Fächer, über ihrem Kopf. Sie holen die aufsteigende Hitze und die Aromen von der Decke und schleudern sie in unsere brennenden Gesichter und Körper. Schwitze ich schon? Noch nicht genug, gib mir mehr. Egal ob sich ein leichter Schwindel einstellt, ich sitze doch schon in der zweiten Reihe. Das schaffe ich, das halte ich durch. Der nächste Aufguss wird darüber gegeben. Mehr Hitze, mehr. Wenn der Kreislauf mitmacht, hat man jetzt die Möglichkeit alle Menschen genau zu beobachten, ihre körperlichen Merkmale zu erkunden und einen Realitätsabgleich zu machen. Es ist nun möglich so lange “Wow, so fett bin ich ja doch nicht!” zu denken, bis der Saunafürst die heiße Luft direkt in mein Gesicht peitscht und ich meinen letzten garstigen Gedanken wieder ausgewedelt bekomme. Letzter Aufguss, das wird hart. Während ich gerade fortfahren, will mein Ego aufzupolieren, indem ich mir andere nackte Menschen anschaue, fängt es schon ein bisschen an zu kribbeln. Vor Hitze, Kreislaufproblemen und Erschöpfung. Und dann ist es vorbei, alle klatschen. Fleischbeschau für die nächste halbe Stunde beendet. Wenn wir dann rauskommen, sind wir alle gleich. Erschöpft, glücklich, ähnlich hässlich und unterschiedlich rot und feucht wie Säuglinge nach der Geburt. Die Wärme wandelt sich in jähe Kälte um, das warme braune Licht der Sauna wandelt sich in grelles Tageslicht und spiegelnde Kacheln. Wir waschen uns ab, von den Überresten der Wiedergeburt und gehen schlafen, bis unser Kreislauf aktiv genug ist, diesen Kreislauf von Neuem zu durchleben.

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Piraten und Handelsblatt

Verzeiht die nun folgenden Rechtschreibfehler, ich bin ein bisschen krank.

Ich habe auf der Facebookseite vom Handelsblatt den Hinweis auf die heutige Ausgabe gefunden. Es geht um 100 Kreative, die gegen die Umsonstkultur der Piraten wehklagen. (Die wir im übrigen nichtmal haben aber es ist unnötig, sich mit unseren Ideen auseinanderzusetzen. So hätte man ja länger für den Artikel gebraucht und am 13. Mai ist schließlich schon Wahl!)

Ich habe also zunächst auf unseren Podcast hingewiesen, bei dem wir das Urheberrecht behandeln. Und dann noch auf diesen Blogbeitrag von Internet-Law.

Meine Argumentation führte ich fort wie folgt:

Außerdem wird wohl jedem schaffenden Menschen klar sein, dass das Geld am Ende nicht zu 100% bei ihm rauskommt. Als Grafiker landet das Geld in 1. Linie in der Agentur. Als Autor beim Verlag. Als Musiker bei der Plattenindustrie. Menschen die durch das Schreiben von Büchern reich werden, gibt es kaum noch. Es hat sich eine Instanz dazwischen geschaltet, die mehr Geld abgreift als der Schaffende ansich. Das möchte ich zu bedenken geben. Und wenn mir Agenturbosse erzählen, dass es eine fürchterliche Sache ist, dann möchte ich mit den Grafikern sprechen die von 7 bis 0 Uhr an ihren Schreibtischen sitzen, entwerfen und gestalten und die am Ende mit einem Betrag rausgehen, von dem sie alle zwei Jahre einen Urlaub leisten können. Solltet ihr mal in einer Agentur, einem Verlag oder bei einem Label gearbeitet haben, wisst ihr was ich meine.

Aber ich weiß, ihr wollt das gar nicht wissen und auch gar nicht hören. Ihr schwört weiter auf das Copyright aber auf Euren Rechnern läuft der Firefox, weil er so gut funktioniert und so wenig Zicken macht. Warum läuft er so gut? Weil talentierte Menschen daran weiterarbeiten können. Er ist Open Source, ihr bezahlt nicht dafür. Aber das ist Euch egal. Ihr öffnet Wikipedia, egal ob Ihr Gemüse nachschauen wollt oder die neue Band aus dem Radio. Doch wenn der Gründer von Wikipedia schreibt, er hätte gern 5€, dann klickt ihr beschämt die Seite zu und interessiert Euch nicht dafür. Den neuen Sommerhit auf YouTube seht ihr in der Dauerschleife aber das Album zu kaufen ist zu teuer. Und die Leute die das Album runterladen? Die geben nachweislich gern mindestens 20€ mehr für Konzerte aus und kaufen sich die Alben sogar in den meisten Fällen. Es befeuert das Geschäft! Ihr steht außerdem auch auf Euer neues Hi-Fi-Teil im Wohnzimmer, wie schön es in schwarz und silber glänzt. Das dies eine Designleistung von Baun war und damit ein Meilenstein geschaffen wurde, der seit Jahrzehnten das Design bestimmt, das wisst ihr nicht und das interessiert Euch auch nicht. Ihr solltet Euch bewusst machen, was ihr benutzt und DANN solltet ihr Euch überlegen, ob das alles noch zeitgemäß ist. Und wenn es das nicht ist, dann ändert es gefälligst und lauft nicht Rüssel an Schwanz hinterher <- Zitat “Wir sind Helden”

Edit aus einem weiteren Dialogteil:

Oliver Gremmer – Ich habe zu diesem Thema einen Podcast gemacht, s.o. Da werden auch die Bedenken von AB thematisiert. Ja, es ist eine freie Marktwirtschaft aber Kreativität braucht in erster Linie einen angstfreien Raum. Es ist nämlich jeder kreativ und das ist eine wunderbare Sache. Nur je älter wir werden, desto stärker merken wir, dass wir davon abhängig sind Geld zu haben. Trotzdem wollen wir schaffen, einfach aus uns selbst heraus. Das ist menschlich. Schau doch nur, wie naiv die Leute mit YouTube umgehen. Sie drehen ein Video und schneiden es zusammen. Sie hinterlegen es mit Musik von Künstlern, die sowieso schon im Geld schwimmen. Und, sei bitte ehrlich, das sind meist Künstler die es geschafft haben und denen es nicht weh tut. Aber diese “Kleinkreativen” ;-) werden dann für ziemlich viel Geld abgestraft. Ich sehe es wie du, die Katze beisst sich in den Schwanz. Aber was wir schaffen müssen ist eine neue Verwertungs- und Wertegesellschaft.

Wir müssen auch die Künstler in gerechtem Lohn und Brot halten, die von Morgens bis Abends im Atelier stehen und dessen Mann oder Frau für zwei arbeitet, weil es seine Selbstverwirklichung ist. Kreative sind wertvoll für unsere Gesellschaft! Eine Gesellschaft darf ihre Kreative nicht behandeln als wären sie Fabriken.
Und dafür steht die Piratenpartei. Liebe 100 Kreative und ihr allen andere, glaubt doch bitte keinem Plakat sondern informiert euch! Im Programm der Piraten steht:
„Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an“ und weiter „Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht“. Da steht „fairer Ausgleich“.

(Ghosteditoring vom lieben @Piratenschlumpf der sich grad besser artikulieren kann, als ich mit zuem Kopf)

 

Ich bin jetzt fertig mit Hassen, ich hoffe zumindest ich werde nicht gleich wieder dazu verleitet das fortzuführen. Aber was ist denn Eure Meinung dazu?

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