Ein Blogbeitrag über meine Strategien in der Arbeit als LaVo.
Arbeiten als LaVo:
Ruhig bleiben – Wer im Vorstand arbeitet, ist meist ein wichtiges Zahnrad. Entscheidungen hängen von einer Position ab, beispielsweise Beschlüsse zu fassen oder sich mit Personen zu beschäftigen. Weil jeder findet, dass sein Anliegen das Wichtigste ist, wird ein hoher Druck aufgebaut. Wenn etwas passiert ist, was die Presse interessiert, gibt es vielleicht mehrere Anrufe gleich hintereinander. Und das nicht nur bei einer Person. In jedem Fall gilt erst mal: Ruhig bleiben! Mit Hektik werden Aufgaben nicht gelöst, es passieren Flüchtigkeitsfehler und man macht eine falsche Aussage. Erst mal die Lage checken und dann anfangen Sachen zu bearbeiten. Und wenn man selbst nicht ruhig genug ist, nimmt man den Hörer in die Hand und ruft eine vertraute Person an.
Gespräche – Wenn man sich über etwas ärgert was gerade im Vorstand passiert, ruft man am besten eine vertraute Person im Vorstand an. Es empfiehlt sich zumindest mit einer Person einen so guten Kontakt zu haben, das man sie anrufen und sich richtig auskotzen kann. Das hilft nicht nur um ruhig zu werden, sondern auch um die Sicht zu klären. Manchmal hat man etwas falsch verstanden und kann dadurch sofort Fragen klären. Auch ist es nur ratsam sich nur bei Kollegen oder schweigsamen Vertrauten über Personen aufzuregen, denn jedes Wort eines Vorstandes liegt auch bei der Basis auf der Goldwaage. Eine Person öffentlich zu verurteilen, kommt manchmal einer Stigmatisierung gleich. Also seid vorsichtig mit euren Worten und gegen wen ihr sie richtet. Seid vor allem vorsichtig, worüber ihr gerade sprecht. Denkt darüber nach, ob ihr einer vertrauten Person, die kein Vorstandsmitglied ist und auch nicht im Schiedsgericht, überhaupt bestimmte Sachverhalte sagen dürft. Wer Vorstand ist, sollte also bei einigen Sachen auch die Schnüss halten können ;-)
Fragen klären – Einmal im Monat habe ich meine Sprechstunde angeboten, um offene Fragen zu klären. Ich fand es sehr hilfreich, da ich daraufhin wusste, welche Probleme der Basis auf dem Herzen liegen. Manchmal muss man als Vorstand sehr schnelle Entscheidungen treffen. Die Folge davon ist, dass sich die Basis nicht eingebunden fühlt und sie nicht versteht, warum welche Entscheidung wie getroffen wurde. In einer Sprechstunde kann man Sachverhalte sehr schnell erläutern. Ich habe selten auf Mailinglisten geschrieben, da dies für mich sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Um das Gespräch aber weiterhin zu führen, habe ich über die Sprechstunde, Twitter, E-Mail und persönlich den Kontakt gesucht. Dies kann aber jeder für sich selbst entscheiden, es gibt kein Ideal. Je einfacher man ansprechbar ist, desto weniger versteckte Konflikte gibt es.
Probleme kommunizieren – Um sich Ärger zu ersparen, sollte die Kommunikation von Problemen möglichst schnell und detailliert erfolgen. Mögliche Gründe für Konflikte, weil die Kommunikation zu schwach war: zu teuer, nützt (in oberflächlicher Betrachtung) zu wenig Personen, Schaden wurde angerichtet, Entscheidungen mussten schnell getroffen werden, … . Ein Vorstandsmitglied mit dem Talent zur Kommunikation sollte sich also darum Gedanken machen, welche Ängste diese Sachverhalte auslösen können. Es gilt im Team daraufhin die Fakten zusammenzutragen und Probleme zu klären. Dann kann über unterschiedliche Kanäle erklärt werden, warum etwas wie passiert ist. Ist das Problem sehr groß? Dann ist eine Mumblesprechstunde besser. Ist es klein? Dann reicht eine Mail auf der Mailingliste, die dringende Fragen schon beantwortet. Alles Weitere kann bei einer monatlichen Sprechstunde nachgefragt werden.
Absprachen und Verständnis – Wenn es ein Problem gibt, kommen Fragen nicht nur auf eine Person zu. Das ist wichtig. Der Vorstand sollte sich als möglichst großes Team verstehen, da sich Druck und Arbeit dann gleichmäßig verteilen. Die Beantwortung von Fragen kann ebenfalls Druck erzeugen, schließlich sieht die Basis den Vorstand dann in einer Bringschuld. Alle Kollegen sollten also auf dem gleichen Wissensstand sein und das Problem verstehen. Dadurch kommt keine Verwirrung auf, falls unterschiedliche Antworten gegeben werden und alle sind im Bilde.
Gates – Eine Taktik der Journalisten bei Gates ist es, möglichst viele Personen nacheinander anzurufen. Erst den Vorsitzenden, dann die Stellvertreter und dann noch mal den Pressesprecher. Das ist üblich und sollte keinen Druck erzeugen (siehe “Ruhig bleiben”). Zweck ist es, noch eine Information mehr zu erhalten als bei den vorherigen Anrufern. Das Wichtigste ist es also bei presserelevanten Geschehnissen sofort miteinander über die Kommunikation zu sprechen. Was wird gesagt und warum. Dies bedeutet telefonieren, telefonieren, telefonieren. Die Absprache ist das Wichtigste! Auch wenn eine Person zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar ist, muss sie zumindest per SMS oder E-Mail auf dem laufenden gehalten werden.
AG ÖA – Die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit ist insbesondere durch die Pressesprecher aber auch durch die Teammitglieder, das wertvollste Team für die Vorsitzenden. Zunächst ist es wichtig die Struktur zu verstehen. Darum mein dringender Appell an die neuen Vorsitzenden: Arbeitet in der AG ÖA erst mal mit, bevor ihr euch überlegt zu kandidieren! Denn mit diesem Team _müsst_ ihr arbeiten und ihr _müsst_ wissen, was dort wie geschieht und wie die Arbeitsabläufe sind. Sie helfen bei der Kommunikation nach außen und sind gut informiert über das Vorgehen anderer Parteien oder parteiinterner Geschehnisse. Lest auf jeden Fall die Mailingliste und versucht so oft es geht in die Mumblesitzung zu gehen. Wenn nicht, lest das Protokoll. Und haltet immer engen Kontakt mit den Pressesprechern (das kann man gar nicht oft genug sagen!).
Zeitmanagement – Bei den Piraten gibt es weiche Ziele. Darum ist es immer möglich, mehr Zeit zu investieren. Um das zu verhindern, habe ich mir hierfür eine persönliche Strategie aufgebaut. Ich habe zu Beginn der Amtszeit geschaut, wie viel Zeit ich investieren will und kann. Ich habe mir hierfür drei Stunden pro Tag gesetzt, was für mich das Minimum ist. Diese Zeit ist allerdings ausreichend, wenn man eine gewisse Arbeitsdisziplin hat. Wenn ich merkte, ich brauche für private Aktionen oder den Job mehr Zeit, habe ich mir bestimmte Wochentage genommen, die nur für Piraten und nur für Job da sind. Im Vorstand weiß man aber nie, welcher Tag wie voll wird. Also hilft nur eine gute Absprache mit den Kollegen und ein gewisses Maß an Flexibilität. Dann müssen die voreingeteilten Tag getauscht werden.
Es gibt Tage, die platzen aus allen Nähten. Da ist man als Vorstand von früh bis spät gefordert. Es gibt viel zu klären, telefonieren, organisieren, schreiben usw. Diese Tage habe ich ausgeglichen, indem ich mir später einen Tag frei genommen habe. Es ist ungefähr absehbar, was getan werden muss. Wie viele Tickets sind zu bearbeiten? Wann ist die nächste Sprechstunde, was muss ich vorher noch lesen? Durch meinen strengen Zeitplan habe ich wenige Stammtische besucht. Ich würde dem neuen Vorstand empfehlen das möglichst viel zu tun. Gleichzeitig habe ich es aber auch geschafft die meiste Zeit ausgeglichen zu sein und mit viel Spaß meine Arbeit zu machen, ohne Sachen liegen zu lassen.
Wichtig ist einfach zu klären, welche Aufgabe wann erledigt werden muss und wie viel Zeit sie braucht. Basisfragen hab ich gern am Ende einer Vorstandssitzung in “Sonstiges” geklärt, oder auch während der Sprechstunde. Viele Menschen hören die Antwort gleichzeitig, ich lerne etwas (falls ich die Antwort noch nicht wusste) und sie ist zugänglich protokolliert. Das ist ein großes Zeitersparnis.
Erst bin ich Mensch, dann Pirat.
Verzweiflung – Eingangs habe ich beschrieben, dass ein Vorstand ein wichtiges Zahnrad ist. Durch diese Entscheidungsgewalt wird eine große Erwartungshaltung aufgebaut. Wird diese nicht erfüllt, reagieren manche Menschen in der Basis sehr verzweifelt. Daraus resultieren verschiedene Verhaltensweisen. Oft entsteht dadurch aber auch emotionaler Druck. Es ist wichtig sich davon freizumachen, um seine Arbeit ordentlich erledigen zu können. Auf der anderen Seite sollte diese Arbeit nicht leidenschaftslos erfolgen. Auch wenn negative Reaktionen kommen, muss es eine Taktik geben, damit umzugehen. Vor allem aber darf diese Arbeit niemanden kaputtmachen. Es gilt immer, zuerst ist man Mensch und dann Pirat. Sonst ist diese Arbeit nicht zu bewältigen.
Reflexion - Hab ich gerade Mist gebaut oder gibt es hier gerade ein ganz anderes Problem? Zunächst sollte man sich selbst immer mit Vorwürfen auseinandersetzen. Ist man nicht in der Lage sich selbst zu reflektieren, kann man mit Kollegen oder den betreffenden Menschen über das Problem sprechen. Erst wenn alle Blickwinkel betrachtet sind, kann man anfangen aufzuklären, sich zu entschuldigen oder etwas zu ändern.
Blocken – Bei “Reflexion” habe ich geschrieben, dass man sich der Kritik zunächst annehmen sollte. Es gibt jedoch Fälle, da sollte man das besser nicht tun. Im Laufe meiner Amtszeit habe ich festgestellt, dass mir Leute mit ihren Worten vor allem wehtun möchten. Das sind bestimmte Personen, nicht viele. Aber was sie sagen tut weh, weil es wehtun soll. Manche Menschen legen sich sogar extra Mobbingaccounts zu. Ich habe daher beschlossen: Werde ich wegen etwas angegriffen, was nicht meinen Arbeitsstil betrifft, sondern mein Privatleben, wird geblockt. Meine Energie ist mir zu schade, um mich mobben zu lassen. Damit bin ich bisher gut gefahren.
Hilfe holen – Erfolgt ein persönlicher Angriff, kann man diesen Kampf selbst kämpfen. Man kann sich aber auch Hilfe holen. Durch einen einfachen RT auf Twitter beispielsweise, können die Menschen den Angriff sehen. Bisher wurde mir immer geholfen und ich fühlte mich nicht alleine. Gleichzeitig wurde ich aber auch reflektiert. Sehen das viele Leute genau so, wie der Angreifer? Dann haben sie es mir in anderen Worten gesagt und ich konnte damit arbeiten. Wenn die Verletzung zu tief geht, wird immer geblockt!
Vertraute – Es ist wichtig Menschen zu haben, mit denen man offen sprechen kann. Wie bereits geschrieben, empfehle ich mindestens eine Person im Vorstand. Zu den Kollegen sollte außerdem so viel Vertrauen herrschen, dass man bedenkenlos sagen kann “Ich habe gerade Stress im Job/ mit dem Partner/ in der Familie/ mit der Gesundheit”, sodass kein Eiertanz erfolgen muss, weil man sich eine Zeit lang anders verhält, als sonst. In der Basis sollte man außerdem ebenfalls Freunde haben. Und zwar echte Freunde, keine Speichellecker. Die besten Freunde sagen dir, wenn du etwas falsch gemacht hast. Wenn sie dich nicht verstanden haben. Auch, wenn über dich geredet wird. Sie kritisieren dich und sie helfen dir dabei im Vorstand auf dem Boden zu bleiben.
Neid – Es gibt immer Menschen, die tun wollen, was du tust. Sie machen hinter dir und vor dir Sachen kaputt und inszenieren sich bestmöglich, damit sie beim nächsten Mal dahin gewählt werden, wo du gerade bist. Du kannst nichts dagegen tun, also musst du dich damit abfinden.
Lästereien – Es werden negative Mails hinter dem Rücken des LaVos über seine Arbeit geschrieben. Während dem Mumble kommentieren Menschen auf Twitter deine Arbeit möglichst negativ, ohne dich in den Beitrag mit reinzunehmen. Sobald man im Mumble mit der Sprechstunde fertig ist, wird alles danach noch mal auseinandergenommen. Man bekommt positive Blogkommentare und erfährt zwei Tage später, dass die gleiche Person hinter deinem Rücken erzählen, das es besser sei, du würdest nicht mehr kandidieren. Lästereien sind da. Sie sind üblich, auch wenn sie nicht schön sind. Manchmal versuchen sich die Personen nur Luft zu machen, und wenn man sie später darauf anspricht, lassen sich einige Dinge klären. Manchmal geht es um Böswilligkeiten (siehe “Neid”). Wenn ich dies nicht offen ansprechen möchte, rede ich mit meinen Vertrauten darüber oder gehe dem einfach aus dem Weg. Bei manchen Gedanken ist es besser, sie nicht zu wissen. Einfach, um mit seiner Arbeit noch motiviert weiter machen zu können.
Freizeit und Freunde – Man muss sich neben dem Piratleben noch Freizeitmöglichkeiten schaffen. Es ist wichtig am Wochenende bei Freunden sagen zu können “…aber lasst uns bitte nicht über die Arbeit sprechen.” und damit die Parteiarbeit zu meinen. Denn sobald man in das Amt gewählt wurde, ist das Hobby keines mehr. Es ist Arbeit, es ist Stress, es ist anstrengend und es gibt eine hohe Erwartungshaltung. Nur durch einen guten Ausgleich ist es möglich, das man wieder mit neuem Blickwinkel an die Arbeit gehen kann. Seht die Piratenarbeit einfach als Erweiterung eures normalen Jobs an und nicht als euer Hobby. Das macht euch die Arbeit leichter und ihr habt eine andere Herangehensweise :)
Ein Blogbeitrag über meine Strategien in der Arbeit als LaVo. Arbeiten als LaVo: Ruhig bleiben – Wer im Vorstand arbeitet, ist meist ein wichtiges Zahnrad. Entscheidungen hängen von einer Position...