Wo ist das Problem?

Ich habe in den letzten Tagen ungefähr 10 Blogbeiträge verfasst und wieder gelöscht, in denen es um mein Gefühl als weiblicher Pirat geht. Aber mal im Ernst, ist das Problem nicht ein anderes?

Die Medien wittern das Thema „Es gibt bei den Piraten zu wenig Frauen. Wir beklagen täglich, dass es zu wenig Frauen in den Führungspositionen gibt. Wir sollten dem ganzen auf den Zahn fühlen.“ Und das ist eine gute Intention. Wer wird gefragt? Die Männer. Jedes Mal werden sie gefragt, immer sagen sie die Meinung der Partei. Doch es glaubt ihnen niemand, schließlich stehen die Frauen angeblich unter ihrem Scheffel. Die einzigen die nie gefragt werden sind unsere Frauen. Sie würden die Aussage der männlichen Piraten bestätigen und damit lässt sich nicht so gut Presse machen. Die Presse zerfällt weil sie an vielen Ecken und Enden morsch geworden ist und der Kleber der Skandale soll alles zusammenhalten.

Ob ihr es glauben oder nicht, nach einer von mir durchgeführten Umfrage auf Twitter fühlen sich sehr viele Männer aufgrund dieser Artikel gekränkt, hilflos und zweifeln ob sie nicht doch sexistisch seien. Schließlich wird ihnen das dreimal am Tag durch irgendein ehemalig seriöses Medium vorgeworfen. Was fällt auf? Die männlichen Piraten äußern ihre Gefühle dazu. Etwas, was normalerweise totgeschwiegen wird in unserer Gesellschaft. Haben wir nicht allein dadurch schon einen Fortschritt erreicht der genauso wichtig ist wie selbstbestimmte Frauen? Das unsere Männer nicht diskriminiert werden weil sie ihre Gefühle äußern und Frauen nicht diskriminiert werden weil sie sich nicht zur Wahl stellen möchten? Unsere Parteimitglieder sind selbstbestimmt. Niemand bekommt gesagt was er zutun und er zu lassen hat. Die Aktivitäten der einzelnen richten sich nicht nach den Wünschen der Masse sondern nach ihren eigenen. Wir haben bei den Piraten ein Selbstbewusstsein erlangt, das es jedem ermöglicht sich frei zu entfalten und sich nicht nach äußerlichen Vorgaben richtet.

Ich sehe das Problem also nicht in unserer Partei. Wir sind eine offene Gesellschaft von mindestens 12.000 Mitgliedern. Hinzu kommen alle Piraten, die keinen Mitgliedsantrag unterschrieben haben aber trotzdem mitmachen. Wir schaffen es unsere Philosophie und Ideale umzusetzen, indem wir uns mehr mit Kompetenz und Freiheit auseinandersetzen als mit Geschlechtern. Aber die deutsche Gesellschaft ist noch nicht soweit wie wir. Das müssen wir akzeptieren und wir können daran arbeiten, dass andere Menschen unsere Ideale ebenfalls leben.
Wir müssen darum aufhören uns mit Symptomen aufzuhalten. Wir haben bereits 8,9% der Bürger in Berlin davon überzeugt, dass wir auf den einzelnen achten und wir dem Individuum eine größere Bedeutung beimessen wollen. Wenn wir es schaffen den Menschen mehr Selbstbewusstsein zu geben, zum Beispiel durch Transparenz die die Angst nimmt, freie Bildung oder durch Bürgerbeteiligung, kann sich niemand mehr leicht verunsichern lassen. Wenn unsere Gesellschaft gebildeter, selbstbewusster und selbstbestimmter ist, werden wir es schaffen Vorurteile zu überwinden und uns mit dem wesentlichen beschäftigen.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf und glaube, dass sich unsere Gleichberechtigung nicht im Geschlecht sondern im Individuum niederschlagen wird.

7 Gedanken zu “Wo ist das Problem?

  1. Habe hier gerade schon ein bißchen diskutiert, schön eigentlich, dass das Thema im Moment wieder so stark behandelt wird.
    http://kegelklub.wordpress.com/2011/09/23/liebe-presse/
    (Einige Punkte, die hier stehen wiederhol ich dann mal nicht :-D)

    Vielleicht muss man gar nicht nach einem Schuldigen suchen. Ob es jetzt die Presse schuld ist, die anderen Parteien, unserer eigenen Leute oder sogar die Diskriminierungsopfer selber, wie manche ja tatäschlich meinen. Ist auch nicht so wichtig. Wichtig dagegen ist denke ich nicht nur nicht selber zu diskriminieren, sondern das noch stärker nach außen zu tragen, Vorurteile zu bekämpfen, Zweifelnde bestärken. Aus der Verantwortung sollten wir uns nicht mit der Begründung “Wir diskriminieren doch gar nicht” ziehen, sonst kommen die stillen Stimmen bei uns niemals zu Wort. Und auch die müssen und sollen bei uns gehört werden.

    • Ich finde Jan (einen Beitrag unter dir) hat Recht. Ich finde aber auch, dass wir nicht arrogant über das Thema hinweg steigen dürfen sondern uns auch damit beschäftigen müssen.

      Danke für Euren Beitrag, den fand ich auch gut :)

      LG
      Chrissie

  2. Das Problem ist nur, dass die Piraten sich in der Hinsicht selbst nur darüber aufregen. Ausserhalb der Piratenpartei ist das “Frauenproblem” garnicht bis kaum zur Geltung gekommen. Anscheinend haben nur die Piraten damit ein Problem…weil ihr Image gekränkt wurde?…und sind am rumdiskutieren wie im Friseursalon. Und mit wem wird diskutiert? Mit den eigenen Piraten. Von daher. Schwamm drauf. Im Endeffekt interessiert es eh keinen wirklich.
    Und auch Twitter sollte man nie so ernst nehmen. Jeder kann über Twitter mal schnell seinen kurzzeitigen Frust ablassen und das wars dann wieder.

    Grüße :)

    • Ich denke, dass uns das doch getroffen hat. Eben weil uns klar ist, dass wir so wenig Frauen haben. Ich bedaure das schon sehr lange aber es ist okay. Was weh tut ist einfach, dass uns nun vorgeworfen wird wir seien sexistisch und würden Frauen diskriminieren.

      Liebe Grüße zurück

      • Was mich als Außenstehenden nervt, ist, dass es jetzt noch dutzende weitere Themen gäbe, die ich als Mann weitaus interessanter, brisanter oder handfester fände, ohne das Frauenthema deswegen wegblenden zu wollen:

        -Warum machen so wenig Piraten selbst bei Liquid feedback/dem. mit? Wie weckt man mehr Bewusstsein dafür innerhalb und außerhalb der PP? Auch bei Volksentscheiden gehen viele gar nicht hin. Zeitmangel, kein Interesse?

        -Wie würde das mit dem ÖPNV ohne Fahrschein gehen, ist das durchgerechnet, gibt es schon existierende Modelle?

        -Welche BGE-Modelle gibt es durchgerechnet, Althaus, Werner, negative income tax, usw., und was unterscheidet sie?

        -Wie argumentieren etablierte Parteien, wenn sie ihre Intransparenz und Hinterzimmer rechtfertigen? Zurecht?

        -Was würden Neuwahlen im Bund zur Zeit politisch bedeuten, bei denen die PP die 5% evtl. knacken würde?

        -Was wird im Licht des Berliner Sieges aus der Kerni/Programmerweiterungsdebatte? Was machte die Berliner so erfolgreich? Warum nicht in Hamburg?

        Wo sind die Debatten dazu?! Das sind doch jetzt anstehende, elementare Fragen! Es wird aber (in der Presse, in Blogs…) so getan, als sei das Hauptproblem der Piraten nur der Frauenmangel, als ob sich alles andere dann von selbst lösen würde, oder nicht so wichtig wäre.

  3. Ich sehe das so ähnlich wie Jan. Es gibt in der ganzen Gesellschaft, in der wir leben, ein Frauen”problem”. Das ist natürlich aber viel besser zu bemängeln und in die Öffentlichkeit zu bringen, wenn es in einer Partei vorkommt, die von sich aus sagt, dass sie das Individuum schätzt. Wenn die aber mehr aus Männern, als aus Frauen, besteht, dann ist das ganz klar ein Zeichen für Sexismus. NICHT!
    Macht euch nicht verrückt wegen solcher Angriffe. Menschen, die sich für eure Inhalte interessieren, wissen wie ihr funktioniert. Vertraut darauf, dass der willige und denkende Mensch sich selbst ein Bild macht.

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