Piraten und Handelsblatt

Verzeiht die nun folgenden Rechtschreibfehler, ich bin ein bisschen krank.

Ich habe auf der Facebookseite vom Handelsblatt den Hinweis auf die heutige Ausgabe gefunden. Es geht um 100 Kreative, die gegen die Umsonstkultur der Piraten wehklagen. (Die wir im übrigen nichtmal haben aber es ist unnötig, sich mit unseren Ideen auseinanderzusetzen. So hätte man ja länger für den Artikel gebraucht und am 13. Mai ist schließlich schon Wahl!)

Ich habe also zunächst auf unseren Podcast hingewiesen, bei dem wir das Urheberrecht behandeln. Und dann noch auf diesen Blogbeitrag von Internet-Law.

Meine Argumentation führte ich fort wie folgt:

Außerdem wird wohl jedem schaffenden Menschen klar sein, dass das Geld am Ende nicht zu 100% bei ihm rauskommt. Als Grafiker landet das Geld in 1. Linie in der Agentur. Als Autor beim Verlag. Als Musiker bei der Plattenindustrie. Menschen die durch das Schreiben von Büchern reich werden, gibt es kaum noch. Es hat sich eine Instanz dazwischen geschaltet, die mehr Geld abgreift als der Schaffende ansich. Das möchte ich zu bedenken geben. Und wenn mir Agenturbosse erzählen, dass es eine fürchterliche Sache ist, dann möchte ich mit den Grafikern sprechen die von 7 bis 0 Uhr an ihren Schreibtischen sitzen, entwerfen und gestalten und die am Ende mit einem Betrag rausgehen, von dem sie alle zwei Jahre einen Urlaub leisten können. Solltet ihr mal in einer Agentur, einem Verlag oder bei einem Label gearbeitet haben, wisst ihr was ich meine.

Aber ich weiß, ihr wollt das gar nicht wissen und auch gar nicht hören. Ihr schwört weiter auf das Copyright aber auf Euren Rechnern läuft der Firefox, weil er so gut funktioniert und so wenig Zicken macht. Warum läuft er so gut? Weil talentierte Menschen daran weiterarbeiten können. Er ist Open Source, ihr bezahlt nicht dafür. Aber das ist Euch egal. Ihr öffnet Wikipedia, egal ob Ihr Gemüse nachschauen wollt oder die neue Band aus dem Radio. Doch wenn der Gründer von Wikipedia schreibt, er hätte gern 5€, dann klickt ihr beschämt die Seite zu und interessiert Euch nicht dafür. Den neuen Sommerhit auf YouTube seht ihr in der Dauerschleife aber das Album zu kaufen ist zu teuer. Und die Leute die das Album runterladen? Die geben nachweislich gern mindestens 20€ mehr für Konzerte aus und kaufen sich die Alben sogar in den meisten Fällen. Es befeuert das Geschäft! Ihr steht außerdem auch auf Euer neues Hi-Fi-Teil im Wohnzimmer, wie schön es in schwarz und silber glänzt. Das dies eine Designleistung von Baun war und damit ein Meilenstein geschaffen wurde, der seit Jahrzehnten das Design bestimmt, das wisst ihr nicht und das interessiert Euch auch nicht. Ihr solltet Euch bewusst machen, was ihr benutzt und DANN solltet ihr Euch überlegen, ob das alles noch zeitgemäß ist. Und wenn es das nicht ist, dann ändert es gefälligst und lauft nicht Rüssel an Schwanz hinterher <- Zitat “Wir sind Helden”

Edit aus einem weiteren Dialogteil:

Oliver Gremmer – Ich habe zu diesem Thema einen Podcast gemacht, s.o. Da werden auch die Bedenken von AB thematisiert. Ja, es ist eine freie Marktwirtschaft aber Kreativität braucht in erster Linie einen angstfreien Raum. Es ist nämlich jeder kreativ und das ist eine wunderbare Sache. Nur je älter wir werden, desto stärker merken wir, dass wir davon abhängig sind Geld zu haben. Trotzdem wollen wir schaffen, einfach aus uns selbst heraus. Das ist menschlich. Schau doch nur, wie naiv die Leute mit YouTube umgehen. Sie drehen ein Video und schneiden es zusammen. Sie hinterlegen es mit Musik von Künstlern, die sowieso schon im Geld schwimmen. Und, sei bitte ehrlich, das sind meist Künstler die es geschafft haben und denen es nicht weh tut. Aber diese “Kleinkreativen” ;-) werden dann für ziemlich viel Geld abgestraft. Ich sehe es wie du, die Katze beisst sich in den Schwanz. Aber was wir schaffen müssen ist eine neue Verwertungs- und Wertegesellschaft.

Wir müssen auch die Künstler in gerechtem Lohn und Brot halten, die von Morgens bis Abends im Atelier stehen und dessen Mann oder Frau für zwei arbeitet, weil es seine Selbstverwirklichung ist. Kreative sind wertvoll für unsere Gesellschaft! Eine Gesellschaft darf ihre Kreative nicht behandeln als wären sie Fabriken.
Und dafür steht die Piratenpartei. Liebe 100 Kreative und ihr allen andere, glaubt doch bitte keinem Plakat sondern informiert euch! Im Programm der Piraten steht:
„Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an“ und weiter „Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht“. Da steht „fairer Ausgleich“.

(Ghosteditoring vom lieben @Piratenschlumpf der sich grad besser artikulieren kann, als ich mit zuem Kopf)

 

Ich bin jetzt fertig mit Hassen, ich hoffe zumindest ich werde nicht gleich wieder dazu verleitet das fortzuführen. Aber was ist denn Eure Meinung dazu?

Ein Gedanke zu “Piraten und Handelsblatt

  1. Pingback: » Ostergeschenk des Handelsblattes: Mein Kopf gehört mir!

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