Optik:
Die Internetseite des Vereins cnetz tritt “konservativ” auf. Derzeit beliebte Verläufe und experimentelle Gestaltung ist nicht sichtbar. Gearbeitet wird mit einem blockigen schwarzen Header und großer Schrift. Die vorrangige Farbgestaltung ist schwarz-weiss-orange. Links werden in Orange abgesetzt. Die Navigation befindet sich nur auf einer Ebene, dadurch ist sie vorteilhaft für Menschen, die bisher das Internet nicht häufig genutzt haben (geringe Klicktiefe). Die Schrift ist groß und dadurch gut lesbar. Auf soziale Medien wird präsent im Header hingewiesen.
Bebildert wird die Seite mit Eindrücken der Gründungsversammlung vom 23. März. Die Fotos sind alle schwarz-weiß gehalten und zeigen eine Diskussionssituation bzw. Abstimmungen bzw Impressionen. Menschen im Alter von Mitte 30 bis etwa 60 sind darauf zu sehen. Die Kleidung ist offiziell. Vermittelt wird aufgrund der Perspektiven, dass ich mich mitten im Bild befinde. Die Farbgestaltung zeigt aber eine Distanz zum Geschehen. Eventuell auch “Vergangenheit” im Zuge der Schwarz-Weiß-Aufnahme. Die Fotos zeigen überwiegend Männer, es sind nur zwei Frauen zu sehen.
Inhalt:
Der Verein setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet ein. Bisher scheint es nur willkürliche Entscheidungen vonseiten der Politik zu geben. Das cnetz möchte sich hier auf christliche Grundwerte und das Grundgesetz berufen.Einen irrationalen und ideologischen Umgang mit dem Internet lehnt der Verein ab.
Die Trennung zwischen real und digital gibt es nicht mehr. Das Internet wird als treibende Kraft gesehen. Grundsätzlich sei es positiv aber nur je nachdem, wie es von der Gesellschaft gestaltet wird. Es wird daraufhin ein sogenannter “contract social”, ein Gesellschaftsvertrag notwendig. Die pluralistische Gesellschaft im Netz wird ebenfalls erkannt.
Zweck des Vereins ist
- das Bewusstsein für den durch das Internet stattfindenden gesellschaftlichen Wandel zu stärken,
- die Förderung der politischen Bildung und des demokratischen Diskurses im Rahmen der Digitalisierung und
- die Begleitung politischer Entscheidungsprozesse zu netzpolitisch relevanten Fragen,
- die ökonomische Bedeutung der Digitalisierung unserer Welt zu vermitteln.
Umgesetzt wird dies durch Öffentlichkeitsarbeit, Diskussionsbeiträgen, Themenplatzierung bei Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, sowie die Durchführung und Teilnahme an Vorträgen und Veranstaltungen.
Mitglied werden kann man durch eine schriftliche Empfehlung einer Person, die bereits Mitglied ist. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand mit mehrheitlichem Beschluss. Der Jahresbeitrag kostet 50€ pro Jahr. Als Fördermitglied zahlt man 500€ pro Jahr, hat aber kein Stimmrecht.
Unter “Mitmachen” kann man 41 Statements von Mitgliedern finden, von denen 6 Mitglieder weiblich sind. Diese drücken in 140 Zeichen aus, warum sie Mitglieder geworden sind. Die Statements entsprechen dem dargelegten Selbstverständnis (s.o.) aber thematisieren auch Selbstbestimmung, anstgeprägte “Kulturkämpfe”, Urheberrecht, Kapitalismuskritik die Coolness des Namens cnetz.
Es gibt zudem eine Seite, die das Presseecho auflistet.
Persönliches Fazit:
CDU oder Christdemokratie kommt nirgendwo mit einem Wort vor. Ich finde den Ansatz des Vereins lobenswert und interessant. Ich bin gespannt, was sich daraus entwickelt wird. Wie sich das Internet mit christlichen Grundsätzen vereinbaren lässt, kann ich bisher leider nicht beurteilen.
Schade nur, dass lediglich auf persönliche Einladung/Empfehlung eines aktuellen Mitglieds selbst die Mitgliedschaft erst beantragen kann!
:-D
So kann man natürlich auch sortieren!
Vielleicht soll das vor Unterwanderung schützen? Ich verstehe was du meinst, ich wollte die Beurteilung nur lieber anderen überlassen ;-)
Christliche Werte sind u.a. Nächstenliebe und Verständnis, das passt doch gut mit dem Internet zusammen, oder? Und dieses Prinzip der Einladung erinnert mich irgendwie an die Anfangszeiten von Wer-kennt-wen.de, die haben nach n paar Jahren auch gemerkt, daß dies nicht so gut läuft.
w-k-w wollte aber Geschäft machen, die brauch(t)en dafür Nutzer. Bei CNetz ist überhaupt nicht klar, ob die wirklich zusätzliche Mitglieder wollen oder überhaupt was tun wollen.
Find ich cool … christlich aber ohne Ideologie… Klingt für mich wie “Gegen Feuersbrunst und gegen Feuerwehr”. Oder anders: Wiedermal auf halber Strecke aufgehört zu denken.
Es steckt ja noch in den Kinderschuhen. Ich finde, es bietet einen Rahmen. Wie er dann ausgefüllt wird, das bleibt zu beobachten.
Irrationalität und Ideologie – die Lieblings-Worthülsen, wenn Konservative ihre eigenen Ideologie-Gebäude als (markt)-vernünftig und praxis-orientiert ausweisen, damit sie nicht hinterfragt werden. Nebelkerze werfen, Amen.
Wenn Konservative davon sprechen sie wollen “vernünftig” über ein “zivilisiertes” Internet reden, fragt sie nach ihren Vorstellungen von Vernunft und Zivilisation. Ganz unideologisch, ganz unideologisch.
Lasst uns doch erstmal machen. Ihr tut ja gerade, als wüsstet ihr schon im Voraus alles besser. ;)
Sag ich ja :-) Erstmal schauen, es steckt ja alles noch in den Kinderschuhen. Da kann ganz viel draus werden, oder eben nichts. Es sind Rahmenbedingungen, wie in jeder guten Satzung. Ich bins ehr gespannt!!
Ich finds ja eigentlich ganz lustig. Die sollen den Piraten nur keine Unfähigkeit vorwerfen. Die richten so einigen Orga-Foo an.
Es ist unklar, was der Verein eigentlich macht, gemacht hat oder machen will. Das kommt weder aus der Satzung raus noch aus der Webseite. Er ist wohl hauptsächlich da und gut is’.
Der Verein hat es noch nicht geschafft, einen satzungsmäßigen Vorstand zu wählen. Laut Webseite besteht der Vorstand aus zwei Personen, laut Satzung müsste er aus mindestens vier Personen bestehen. Das kann jeder Kaninchenzüchterverein besser.
Es ist mindestens merkwürdig, einen Verein für Netzpolitik zu gründen und dann Personen nur eintreten zu lassen, wenn sie eine SCHRIFTLICHE Empfehlung mitbringen. Sogar Lion’s und Rotary Club geben sich mit formlosen Empfehlungen zufrieden, und mindestens wäre eine E-Mail in so einem Verein ja angebracht. Auch die Idee mit der Empfehlung ist zweifelhaft, da ist auch D64 offener. Offene Debatten oder gar neue Ideen sind wohl eher unerwünscht. Dazu kommen dann noch ausgewiesene Netzpolitikerinnen wie Erika Steinbach als Mitglieder. Großartsch.
Der Verein nutzt offensichtlich Ressourcen des Deutschen Bundestags und der Abgeordneten für seine Zwecke (zumindest die IT, die Telefonzentrale, die Poststelle und die Mitarbeiter der Abgeordneten Tauber und Jarzombek) sonst können sie nicht kommunizieren. Ob das so eine prickelnd gute Idee ist? War da nicht was von wegen Trennung von Parteiarbeit und Parlamentsarbeit? Kann man ja mal in der Verwaltung vom BT nachfragen ;-)
Auf meinem Handy sieht deine Seite irgendwie komisch aus.