Lesegeschenke

Heute möchte ich euch Lesegeschenke empfehlen, Bücher die ich ganz toll fand:

Buntschatten und Fledermäuser ist eines der ersten Bücher, dass ich zum Thema Autismus gelesen habe. Ein guter Einstieg, da Axel Brauns in der Lage ist sich seiner Umgebung mitzuteilen. Dieses autobiografische Buch handelt von seiner Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter. Während er als Kind noch gern “Lichteln” und “Wischeln” spielt, also alles anfassen, an- und ausmachen muss, steht er in seiner Jugend anderen Problemen gegenüber. Wie verhalten sich die anderen Menschen und was glauben sie, was ich tun muss? Das er nicht immer erkennen kann, wie man sich verhält, lernt er spätestens in der Pubertät, als sich eine Klassenkameradin in ihn verliebt.

Das Buch ist sachlich geschrieben aber unterhaltsam, denn Axel bewältigt beispielsweise den Job seines Vaters (Kreuzworträtsel erfinden) so sachlich wie den tot seiner Großmutter (was nur bedeutet, dass es ab heute kein Baiser mehr gibt). Es ist lustig und tragisch aber auf jeden Fall ein gutes Geschenk für Menschen, die über den Tellerrand schauen möchten.

 

 

Ich will kein inmich mehr sein von Birger Sellin war das zweite Buch, das ich über einen Autisten gelesen habe. Im Gegensatz zu Axel Brauns ist Birger schwer autistisch und kann sich nicht ausdrücken. Das Buch schreibt er dank gestützter Kommunikation. Seine Mutter spielt in diesem Buch eine große Rolle und wird genauso mit Wut wie mit Liebe beschrieben. Sie hat bei allen Problemen nicht aufgegeben und Birger durch viel Mut und Durchsetzungsvermögen viele Dinge beibringen können. Wir können die ersten Worte lesen, die Birger jemals geschrieben hat. Aber auch die Reflexion seiner Person in der Gesellschaft. Das Buch ist auf jeden Fall eine gute Lehre im Umgang mit Menschen mit Behinderung, weil es die Welt aus der Sicht eines solchen erklärt.

 

 

Vernetzt euch ist ein Buch für die Leute, die den Internetaktionismus verstehen wollen. Die vielleicht glauben Facebook und Twitter seien nur dazu da zu schreiben, wann man einen Kaffee trinkt. Die wissen möchten, wie man den tunesischen Diktator Ben Ali vertreibt. Dies ist die Sichtweise auf die Revolution aus den Augen der Bloggerin von “A tunesian girl” Lina Bhen Menni. Es ist knapp und verständlich geschrieben, eine absolute Empfehlung!

 

 

Wir sind ja alle aufgeklärt, auch wir Frauen. Wir wissen, wo die Kinder herkommen und wie man ein O.B. benutzt. Verhütung kennen wir und über Sex zu sprechen ist kein Problem. Ist das wirklich so? Und wenn es bei uns so ist, muss es dann bei anderen auch so sein?  Die Vagina-Monologe zeigt die Sicht auf die Vagina in der heutigen Zeit. Das, worüber keiner gern explizit redet, wofür wir noch immer keinen Namen haben (während es für das männliche Genital hunderte gibt), was zwischen unseren Beinen versteckt ist und was manche Frauen gern wegignorieren möchten. Wir erfahren etwas über Aufklärung, über die schönen Seiten aber auch über die schlimmen Dinge. In Zeiten der Beschneidungsdebatte befindet sich auch hierzu ein Kapitel in diesem Buch. Ich empfehle es Frauen die den Mut haben sich noch einmal neu mit ihrer Vagina zu beschäftigen. Also hoffentlich allen!

 

 

Stell dir vor, du bist supertalentiert als Künstler und hast immer wieder tolle Ideen, die sich gut verkaufen. Stell dir vor, du bist außerdem ein guter Kumpel und denkst von niemandem was Böses aber am Ende verarschen dich alle. Und dann stell die vor, du wirst immer arm und reich und arm und reich und… Was kann man da anderes machen, als Deutschlands größter Geldfäscher zu werden? Blütenträume kann mit catch me if you can locker mithalten und ist außerdem noch eine original Kölsche Story. Liest sich gut und ist spannend.

 

 

Ich glaube, ich habe Erdsee gelesen, bevor ich den Herrn der Ringe gesehen habe. In diesem Buch sind alle Geschichten gebündelt und es ist ein mega dicker Schinken. Aber was macht Erdsee so besonders? Wir verfolgen den jungen Zauberer Ged von seiner Kindheit bis ins hohe Alter. Er hat Zauberkräfte doch er wird immer wieder zum Bösen verführt und ringt mit sich selbst. Er geht bis in den Tod und darüber hinaus. Ich finde die Charakterbeschreibung unheimlich spannend. Die Geschichte erschien mir immer wieder endlos und das fand ich besonders gut denn ich hasse es, wenn ein Buch zu Ende geht ;-) Für Fantasyfreunde ein muss!

 

 

Kennt ihr das nicht auch? Ihr schlagt ein Buch auf und spürt, wie es immer mehr zu euch selbst wird. Wie ihr das Buch zuschlagt und die letzten Schritte noch überlegen müsst, was ihr anstelle des Protagonisten getan hättet. Das Buch hat euch gefangen und lässt euch nicht mehr los. Bastian, der Protagonist aus der Unendlichen Geschichte, bekommt auf wundersame Weise ein Buch in die Hände, dessen Seiten leer sind. Bis auf die Ersten. Je weiter er liest, desto mehr füllt es sich und er spürt irgendwann, er schreibt seine eigene Geschichte. Es ist ein Kinderbuch aber es ist sehr spannend geschrieben. Viele Geschichten sind neu, weil sie im Film nicht verarbeitet wurde und die Charaktere werden plötzlich ganz anders. Wenn ihr die Wahl habt, nehmt die Auflage, bei der die Schrift innen blau und grün ist. So findet man sich leichter in den Welten zurecht.

 

 

Ich hab mich totgelacht. Ich bin lange nicht mal über die Hälfte von diesem Buch hinausgekommen, weil ich immer von vorn anfangen muss. Verzeiht diese politische Unkorrektheit aber Der weiße Neger Wumbaba ist ein grandioses Buch. Es handelt von Verhörern und wie die Leute das gehörte interpretieren. Eine Geschichte ist die einer Frau, die das Lied Bochum von Grönemeyer interpretiert “Bochum, ich komm aus dir. Bochum ich häng an dir. Aaaafrikaaa!” hörte diese Dame und erklärte es sich so, dass Bochum im Ruhrpott liegt. Wer aus dem Bergbau kommt, hat nunmal ein schwarzes Gesicht und so fügt sich Afrika Afrika wunderbar in den Text ein. Er singt allerdings “Glück auf!”… Das Buch ist voll von solchen Verhörern und ich lache vor Schadenfreude denn ich versteh auch immer so viel falsch… :) Legt es übrigens nie aufs Klo, die Leute kommen nicht mehr raus…

 

 

Alles hat ein Ende… Hier meine abschließende Buchempfehlung: Menschen gehen aufs Klo, tun Tiere das auch? Was passiert, wenn eine Horde Schafe aufs Klo gehen möchte? Oder eine Giraffe? Geschichten vom Klöchen ist ein kleines und kurzes Buch mit Illustrationen. Eigentlich für Kinder aber auch für Erwachsene geeignet und vertreibt die nächsten 10 Minuten perfekt. Lachen lockert ja auch auf… oderso…

:D Düsseldorf

Ich weiß nicht, ob ihr es wisst aber Düsseldorf ist die Stadt, in der ich geboren bin. Ich bin übrigens auch Grafikerin. Ich wohne nebenan in Neuss und ich fahre gern rüber. Das letzte Logo der Stadt ist mir nicht sehr bekannt gewesen aber das ist auch nicht schlimm. Das Markenzeichen das Düsseldorf immer in meinem Kopf haben wird ist der Fernsehturm. Vielleicht auch der Medienhafen, wenn er abends schön beleuchtet ist oder die Rheintreppen. Düsseldorf ist eine junge und eine alte Stadt. Es gibt viele Universitäten und Designhochschulen. Dort gibt es Fernsehsender und große Agenturen. Eine von ihnen hat Düsseldorf nun ein neues Logo gegeben.

:D soll das neue Logo von Düsseldorf sein, und da wir nicht den ersten April haben, nehme ich das Ganze einmal ernst. Die Farbe Rot springt ins Auge, das ist okay. Aber was hier getan wurde, war aus dem Anfangsbuchstaben von Düsseldorf ein Emoticon zu machen. Einen Smilie. Und in unserer internetgeprägten Gesellschaft in Deutschland dreht im Geiste sicher jeder Mensch dieses :D um.

Und DAS soll mein Düsseldorf sein? Ronald Mc Donald mit dicken Lippen? Mein Kollege Carsten Bartsch verglich das Logo zu Recht mit Tui, nur dass dort der Markenkern getroffen wurde. Düsseldorf ist die Landeshauptstadt, was unschwer daran zu erkennen ist das sich darin der Landtag befindet. In Düsseldorf werden wichtige politische Entscheidungen getroffen und diskutiert. Und laut Wikipedia “zählt Düsseldorf – neben Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg und München – zu den fünf wichtigsten, global stark verflochtenen Wirtschafts-, Verkehrs-, Kultur- und Politikzentren Deutschlands.” Es gibt mehrere Museen, Hochschulen, Universitäten, Firmen, Theater, Konzerthallen und vieles mehr in Düsseldorf. Diese Stadt hat viele Dichter und Denker angezogen. Sie steht für Bildung, Kultur und Politik. Und das nicht auf eine unangenehme, verstaubte Art, sondern belebt und mit einem Flair das Lust macht zu entdecken.

Es handelt sich nicht um das Logo für eine Social Media Agentur oder eine studentische Grafikklitsche. Eine so wichtige Stadt auf ein Emoticon herunterbrechen zu wollen, wird dem Anspruch einfach nicht gerecht. Ich wünsche mir, dass Düsseldorf seine Entscheidung noch einmal überdenkt.

Bildquelle

Update: 15:08 Uhr

Über Facebook kam dann rein, dass es sich bei dem :Düsseldorf Logo um ein Plagiat handelt. Schauen wir uns das mal genauer an:

Der Vorteil bei dem :Denmark Logo ist ganz eindeutig, dass der Schriftschnitt nicht wie bei der :Düsseldorf-Variante in Black und Hairline ist, sondern dass die Strickstärken zwischen dem D und den restlichen Buchstaben ausgeglichen sind. In der Präsentation des Portfolios steht das :D niemals alleine sondern ausschließlich im Zusammenhang mit dem restlichen Wort. Bei :Düsseldorf ist die restliche Schrift ebenfalls rot und immer auf dem weißen Hintergrund, was weniger lesefreundlich ist als bei der :Denmark-Version.

Alles in allem finde ich es trotzdem nicht gut ein Emoticon mit einem Städte- oder Ländernamen zu verbinden. Die Verknüpfung von Wort und Bild ist bei Paul Schlacter jedoch wesentlich besser gelungen und wirkt in Verbindung mit Farbe und Claim ausgeglichener.

Entschuldigung

Seit Kurzem arbeite ich wieder mit Kindern zusammen, in einer Grundschule. Früher habe ich in einem Kindergarten gearbeitet. Da waren die Wörter manchmal nicht so gut auszusprechen, weil man sie noch nicht kannte. Heute kennen wir diese Wörter und wissen ihre Bedeutung aber wir sprechen sie nicht mehr aus oder verschließen die Ohren.

Auf dem Schulhof gibt es die ein oder andere Diskussion. Die Kinder streiten sich aber manchmal passiert auch ein Versehen und sie tun sich gegenseitig weh. Manchmal passiert es mit Worten und manchmal körperlich. Wenn sie beispielsweise mit einem Roller gegeneinander fahren oder sich absichtlich hauen. Ich greife immer erst dann ein, wenn ich angesprochen werde. Vorher gehe ich davon aus, dass die Kinder ihre Probleme alleine klären können. Und obwohl sie erst in der Grundschule sind, schaffen sie das auch meistens. Meine Hilfestellung besteht dann meistens nur darin, dass ich herausfinde, wer angefangen hat und darauf warte, bis eine Erkenntnis einsetzt. Das Entschuldigen danach ist nicht mehr so schwer. Manchmal spielen die Kinder sogar bereits wieder miteinander, bevor jedem das Wort über die Lippen gekommen ist.

Ich erkenne, dass es meistens zwei Schuldige gibt. Ein Kind fängt irgendwie an und das andere Kind reagiert darauf. Jetzt wo ich erwachsen bin, ist das nicht mehr ganz so einfach. Ich tue Dinge, ohne dass es einen direkt Bezug zu demjenigen gibt, den ich verletze. Vielleicht passiert es, weil ich schlechte Laune habe oder vielleicht habe ich auch einen guten Grund. Meistens gebe ich mir aber Mühe mich damit auseinanderzusetzen und herauszufinden, warum es dem Gegenüber wehgetan hat. Es ist schließlich meist nicht meine Absicht gewesen. Ich halte mich nicht für boshaft. Aber es scheint etwas passiert zu sein in den letzten 20 Jahren. Und zwar in zwei Richtungen.

Ich erkenne schneller, dass ich etwas Dummes getan habe und akzeptiere das auch. Ich reflektiere darüber, warum das so ist und setze mich mit mir und demjenigen auseinander, den ich verletzt habe. Ich habe daraufhin auch schneller Schuldgefühle und wenn nicht, erkenne ich zumindest das ich jemand anderen verletzt habe und ich nun dran bin mich zu verhalten oder mein Verhalten zukünftig zu ändern. Ich entschuldige mich mittlerweile häufiger. Von einem einfachen “Sorry” über “Es tut mir leid” bis hin zu ganzen Briefen kann ich mich ausdrücken und ich bin froh, dass ich es kann.

Was ich aber oft beobachte, ist das Problem eine Entschuldigung annehmen zu können. Ich sage dann, dass es mir leidtut und meistens begründe ich das sogar. Und wenn es nur die Entschuldigung ist, diejenige verletzt zu haben. Je älter ich werde, desto schwerer fällt es den Leuten die Entschuldigung anzunehmen. Dieses “Entschuldigung” und dann lässt man die Hand des Gegenüber doch nicht mehr los, weil man sofort spielen geht. Das vermisse ich. Auch an mir selbst, obwohl ich mir Mühe gebe, daran zu arbeiten. Es kann sein, dass wir gar nicht mehr wissen wie es ist eine Entschuldigung anzunehmen. Dass das Verzeihen schwerer wird, wenn wir älter werden, weil die Folgen weitreichender sind. Aber was haben wir davon? Im besten Fall konnte ich der Frau die ich in der Bahn angerempelt haben doch noch zeigen, dass ich sie respektiere und es keine Absicht war. Im schlimmsten Fall verliere ich eine Freundschaft oder sogar eine Liebe. Auch wegen meinem eigenen Stolz.

Ich möchte mich am Schluss noch entschuldigen. Ich habe eine Mail im Namen des Vorstandes geschrieben und rausgeschickt, in der ich einen unangemessenen Ton angeschlagen habe. Es lag daran, dass ich von vielen Seiten angegriffen wurde. Aber nur weil mich 20 Leute angreifen, muss ich nicht Hunderte vor den Kopf stoßen. Vielleicht schreibe ich das nächste Mal etwas zur Reflexion oder ich lese meinen Text einfach noch mal und erkenne, dass ich das bereits getan habe.

Eure Chrissie

Hallo, ich bin neu hier

Oh, ein neues Gesicht auf dem Stammtisch! Hallo, komm her. Setz dich, wo du willst. Wir haben keine festen Plätze. Ich bin Chrissie, wer bist du? Ach so. Schön, dass du zu uns gefunden hast. Oh, es geht los…

“Willkommen beim Stammtisch der Piraten Neuss. Ich sehe, wir haben neue Gesichter dabei. Dann machen wir am besten erst mal eine kleine Vorstellungsrunde. Wer fängt denn mal an? Hm… Der Daniel!”

So beginnen bei uns Stammtische. Wir haben immer mal wieder neue Leute. Nicht immer klappt es so optimal, dass ein Besucher im direkten Kontakt zu einem Mitglied steht und integriert wird. Was wir allerdings ausnahmslos machen, ist die Vorstellungsrunde. Immer wenn ein neues Gesicht auftaucht, stellen wir uns vor. Das passiert bei fast jedem Termin. Ist die Runde klein, erzählen wir etwas mehr. Ist sie größer, fassen wir uns kurz. Was sagen wir dann? “Hallo, ich bin Chrissie. Ich bin 26 Jahre alt, ich studiere Design und hab noch einen Nebenjob in einer Grundschule und unterrichte außerdem ein Grafikprogramm in der VHS. Ich bin seit Mai 2010 Mitglied. Ich habe keine programmatischen Schwerpunkte, dafür bin ich aber stellvertretende Landesvorsitzende.” Name, Alter, Beruf, Parteieintritt und Arbeitsschwerpunkt. Das ist meistens das Prozedere. Wenn Leute da sind, die bereits Piraten sind, empfiehlt es sich manchmal seinen Internetnamen zu sagen. So erkennt an sich schneller. Das Alter und der Beruf schaffen im besten Falle in Identifikationsgefühl. Die Besucher erkennen, dass es eine Altersspanne von 18 bis 80 gibt. Das baut direkt Berührungsängste ab, vor allem bei älteren Besuchern. Der Beruf zeigt dann sehr schnell auf, dass es sich nicht nur um IT-Mitarbeiter handelt. So können die zwei größten Befürchtungen widerlegt werden. Der Parteieintritt hilft den Besuchern einzuordnen, wie viel Erfahrung die jeweiligen Piraten haben. Toll ist dann die Information des Schwerpunktes.So hat der Besucher vielleicht auf anhieb jemanden gefunden, mit dem er über seine Lieblingsthematik sprechen kann.

Während des Stammtisches müssen die Piraten penibel darauf achten keine Abkürzungen zu verwenden. Eine KMV ist eine Kreismitgliederversammlung. Ein BPT der Bundesparteitag.  Fuuu steht in den meisten Fällen für Schwachsinn usw. Das ist deshalb besonders wichtig, weil sich die neuen Besucher meistens nicht trauen zu fragen.

Während der Pause ist es wichtig, dass der Besucher Kontakt zu anderen Piraten hat. Oft gehen sie direkt zu den Menschen, die sie sympathisch finden. Passiert das nicht, kann es sein das sich der Besucher ignoriert fühlt und dann nicht mehr kommen möchte. Hier sei angemerkt: Wir haben einen straff strukturierten Arbeitsstammtisch. Man kann wenig Privatgespräche führen. Bei anderen Stammtischen ist es lockerer, da kommt das Gespräch schon früher zustande.

Am Ende sollte der Besucher gefragt werden, wie er weiter mitmachen möchte. Hier kann man ihm erklären, wie er die lokale Mailingliste abonniert. Ist er bereits in sozialen Medien vertreten, kann man sich direkt mit ihm verbinden. Dort ist es einfach ihm Hinweise zu geben, wie er Kontakt zu interessanten Persönlichkeiten bekommt. Erklärungen, wem er wie folgen kann, sind dann hilfreich. Einführungen in Twitter oder Mumble sind bei manchen Besuchern unerlässlich aber wichtig. Nach und nach sollten die Medien installiert und erklärt werden. Wenn schließlich alles läuft, ist der Besucher quasi integriert! Sehr interessant sind auch Infostände, vor allem für Neupiraten. Dort sehen sie wie die erfahreneren Piraten Kontakt zu den Bürgern aufnehmen und heikle Themen besprechen. Er kann sich problemlos dazu stellen und zuhören. Er lernt das Programm, unsere Philosophie und die Mentalität kennen und vertreten. Die Infomaterialien liegen natürlich auch gleich aus und so kann man sich alle Positionen in Ruhe durchlesen.

Auf Parteitagen sollte man sich zusammen vorbereiten. Erzählt den Neupiraten, was ihr beispielsweise über Vorstandsbewerber wisst. Welche Anträge sind wichtig und wie bereitet ihr euch auf Parteitage vor? Nehmt die Neupiraten auch mit auf Tage der politischen Arbeit oder erklärt ihnen, wo Events sind. Fahrt wenn möglich zusammen hin und zeigt euch verantwortlich. Sorgt dafür, dass der Neupirat Kontakte knüpft. Je besser ihr eure Aufgabe meistert, desto früher ist der Pirat eigenständig und kann arbeiten oder selbst Projekte initiieren.

Inspiriert wurde mein Beitrag durch @Piratenschlumpf

PA188 Umweltpolitische Ziele – Jeden Tag ein Antrag

Hallo liebe Piraten,

wie ihr wisst, mache ich in der Regel kaum Programm und mehr Kommunikation. Heute habe ich einen Antrag zum BPT gelesen, den ich unbedingt abstimmen will! Ihr wisst vielleicht, ich wollte gern einen Blogbeitrag zu Nachhaltigkeit schreiben aber durch diesen Antrag ist das kaum noch nötig. Das ist meine Vorstellung davon, wo ich mit den Piraten hin will.

http://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2012.2/Antragsportal/PA188

Es geht um den Antrag PA188 und um unsere umweltpolitischen Ziele. Bereits der Einstiegsabschnitt ist das, was ich unter Nachhaltigkeit schätzen gelernt habe:

Die Piratenpartei setzt sich mit ihrer Politik für eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung ein. Darunter verstehen wir einen verantwortungsvollen und generationengerechten Umgang mit den zum allgemeinen Wohlergehen notwendigen Ressourcen immaterieller oder materieller Art.

Die Themenfelder sind: Nachhaltigkeit, Energieversorgung (Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit, Atomausstieg: Ende der Energiegewinnung durch Kernkraftwerke, Atommüll), Klimawandel, Einführung eines Umweltgesetzbuches und Abschaffung des Bergrechts, Wasserwirtschaft (Trinkwasser, Abwasser, Gewässerschutz), Bauen und Verkehr (Bauen und Wohnen, Verkehr und Infrastruktur, Stadt- und Regionalplanung), Landwirtschaft (Stärkung der Landwirtschaft, Verbraucherwille, Industrielle Tierproduktion, Natürliche Ressourcen, Agrarsubventionen), Tierschutz (Verbandsklagerecht, Tierschutz in der Nutztierhaltung, Tierversuche), Verbraucherschutz.

Der Text ist sehr umfangreich, also werde ich versuchen zu jedem Abschnitt nur einen Satz zu schreiben. Mein Fazit findet ihr unter den Abschnitten.

Nachhaltigkeit – Siehe mein Zitat oben

Energieversorgung – Atomausstieg. Endlagerung soll auf Seite des Unternehmens liegen, dass Atomkraft zur Energiegewinnung nutzt. Die Kosten liegen ebenfalls auf Seite des Unternehmens. Förderung alternativer aber umweltfreundlicher!! Energiegewinnung (bspw. kein Fracking).

Klimawandel -  Unterstützung kommunaler Klimakonzepte (super wichtig!!), Energiesteuern, kritische Betrachtung der Klimazertifikate (auch sehr wichtig!).

Einführung eines Umweltgesetzbuches und Abschaffung des Bergrechts – Das Buch soll Umweltgesetze verständlich und analog zusammenfassen. Das Bergrecht soll abgeschafft werden, weil es das Grundgesetz aushebt und so etwas wie Fracking ermöglicht.

Trinkwasser – Der Standard soll möglichst hoch sein und ist erstrebenswert. Regelmäßige Qualitätskontrollen. Eigenwasserversorgung ist möglich, Anschlusszwang an kommunalen Trinkwassernetz wird abgelehnt. Für die Qualität sorgt dann der Privathaushalt.

Abwasser – Ressourcenschonender Umgang mit Inhaltsstoffen. Abwasser darf privat entsorgt werden, wenn die EU-Richtlinien erfüllt sind.”Industrielle und die von Krankenhäusern stammende Abwässer sind geeignet vorzubehandeln. Vermischung mit häuslichen Abwässern ist zu vermeiden. ”

Gewässerschutz – “Die Wasserressourcen sind von Beeinträchtigungen freizuhalten. In allen Bereichen müssen Eingriffe in den Boden auf ihre Verträglichkeit mit dem Gewässerschutz hin überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.”

Bauen und Verkehr – “Die aktive Gestaltung neuer Lebensräume und neuer Mobilität muss nicht nur uns, sondern auch den kommenden Generationen Lebensqualität und Wohlstand sichern. ”

Bauen und Wohnen -  Sozial ausgewogene Verteilung von Wohnbeständen und Siedlungsstrukturen. Dreiklang aus Wohnen, Gewerbe und Freizeit. Barrierefreiheit in öffentlichen Räumen. Förderung von Projekten wie familienfreundliche Städte und Gemeinden. Förderung Wohnungsbau und Sanierung nach umweltfreundlichen und barrierefreien Standards. Flächendeckend qualifizierte Mietspiegel.

Verkehr – Gegen Privatisierung ÖPNV, Ausbau ÖPNV sowie fahrscheinloser Nahverkehr. Förderung Alternative Antriebskonzepte, Biokraftstoffe werden abgelehnt. Gütertransporte auf Schienen oder Wasser. “Wir setzen uns für die Förderung von verkehrs- und strukturpolitischen Maßnahmen zur Reduzierung des Verkehrsaufkommens ein.”

Stadt- und Regionalplanung – Mitgestaltung durch den Bürger, flächen- und umweltschonende städtebauliche Entwicklung. Bessere Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen.

Stärkung der Landwirtschaft – Leistungsfähige, regional angepasste Landwirtschaft, gleichberechtigte Teilnahme von Kleinbetrieben unter  Voraussetzungen von nachhaltigem Wirtschaften und ökologischem Verbraucherbewusstsein. Landwirte, Verbände, Lebensmittelhandel, Qualitätssiegeln, Naturschutz- und Tierschutzverbände,  Vertreter der Politik und Verbraucher arbeiten vernetzt, transparent um Umsetzungen auszuhandeln.

Verbraucherwille – Landwirtschaftlichen Betriebe sollen weniger unter dem Preisdruck der Lebensmittelkonzerne und der verarbeitenden Industrie stehen. Keine Landwirtschaftspolitik, die ausschließlich auf Wachstum abzielt, dabei aber weder die Nachhaltigkeit noch den Verbraucherwillen berücksichtigt.

Industrielle Tierprodukte – Ablehnung Massentierhaltung zum Schutz der Ethik und Tradition. Artgerechte Haltung. Vergrößerung der Räume für Geflügel und Paarhufer (genauer Raum ist zu Prüfen). Konsequente Einhaltung und Kontrolle der bisherigen Gesetze.

Natürliche Ressourcen – Ressourcenschonende Landwirtschaft. “Eine Kombination von Saatgut mit Pflanzenschutzmitteln und deren Schutz durch Patente lehnen wir grundsätzlich ab.”

Agrarsubvention – In EU und Bund “keine öffentlichen Gelder in Form von Agrarsubventionen ohne Gegenleistung in den Bereichen Klima, Umwelt, Natur sowie Tier- und Artenschutz vergeben werden.” Laufende Neubewertung im Hinblick auf Nutzen und Gesellschaft. Finanzielle Übergangslösung, um dem Wegbrechen von Landwirtschaftlichen Betrieben vorzubeugen.

Verbandsklagerecht – Bundesweites Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen.

Tierschutz Nutztierhaltung – Höhere Mindeststandards. Artgerechte Haltung im Bezug auf Bewegung, Sozialkontakte, Ruhemöglichkeiten, Tageslicht und Luft, sowie Lärmbelastung. Bedingungen sollen so angepasst werden, dass Amputationen (Schnäbel oder Schwänze) unnötig sind. Sie sollen außerdem verboten werden. Tötungen oder Eingriffe müssen unter Betäubung erfolgen. “Wirtschaftsweisen, die dazu führen, dass ein Großteil der Tiere – zum Beispiel auf Grund des Geschlechts – sofort getötet und als Müll entsorgt werden, sind umzustellen. Brandzeichen, zum Beispiel Schenkelbrand bei Pferden, sind konsequent zu verbieten.”

Tierversuche – Keine Verpflichtung, vor allem wenn es Alternativen gibt. Subventionen für Tierversuche streichen. Bei Alternativmethoden dürfen keine Tierversuche durchgeführt werden. Lückenlose globale Veröffentlichung von Ergebnissen, um Wiederholungen zu vermeiden. Genehmigungen von Tierversuchen müssen schwerer zu erlangen sein, Abgestuft nach der Schwere des Leids (Langes leid, schwere Genehmigung, kurzes Leid, einfachere Genehmigung). Tierversuche bei Kosmetik (auch einzelner Bestandteile) werden abgelehnt. Unabhänige, unangekündigte Kontrollen sind sollen gesetzlich geregelt sein.

Verbraucherschutz – (hier noch mal komplett, weil es keinen Sinn macht es abzukürzen)

Im Verhältnis zwischen Hersteller, Vertreiber und Verbraucher ist letzterer in der Regel unterlegen. Dieses Ungleichgewicht sinnvoll auszugleichen ist Anliegen der Piratenpartei und Aufgabe des Verbraucherschutzes, wie wir ihn uns vorstellen. Unser Ziel ist es, den berechtigten Interessen der Verbraucher als Konsument von Waren und Nutzer von Dienstleistungen sowie in Bezug auf Datenschutz, Urheberrecht und Transparenz mehr Geltung zu verschaffen.

Wir werden uns für eine Vereinfachung und verbesserte Nachvollziehbarkeit der vielfältigen juristisch zulässigen Möglichkeiten, irreführenden Begrifflichkeiten und Formulierungen in der Werbung und Vertragstexten einsetzen. Insbesondere müssen gesundheits- und umweltrelevante Produktinhalte klar erkennbar sein. Bei Finanzprodukten sind die Risiken im gleichen Umfang wie die Chancen darzustellen.

Die Publikation von medizinischen Studien muss unabhängig von ihrem Ergebnis erfolgen. Alle entsprechenden Studien sind vor ihrer Durchführung zu registrieren. Bei Heilverfahren ist anzugeben, auf welcher theoretischen Grundlage sie beruhen. Die Kosten medizinischer und zahnmedizinischer Versorgung müssen für den Patienten nachvollziehbar und auch verständlich sein.

Missstände wie der Handel mit personenbezogenen Daten durch staatliche Stellen sind abzustellen und die wirtschaftliche Nutzung und Verknüpfung privater Daten durch Firmen wie Facebook und Google nur nach ausdrücklicher Zustimmung zulässig (Opt-In). Wir wollen die Aufklärung über die damit verbundenen Risiken stärken.

Die Piratenpartei Deutschland setzt sich dafür ein, das Verbandsklagerecht für staatlich anerkannte Stellen auf den Bereich des Verbraucherschutzes zu erweitern, um eine Rechtsfrage verbindlich für alle betroffenen Verbraucher zu klären.

Fazit Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser Antrag eine besonders gute Grundlage für die Arbeit im Bundestag bietet. Viele Aspekte werden berücksichtigt und zwar auch in ihrer Wechselwirkung aufeinander. Dadurch ergibt sich ein gutes Konzept, dass eine klare Linie zeigt. Der Antrag ist außerdem sehr verständlich geschrieben und sollte uns im Wahlkampf eine tolle Grundlage bieten mit Bürgern und Politikern darüber auf Augehöhe diskutieren zu können. Ich bin einfach begeistert!!! Bitte stimmt dafür ab, dass wir ihn behandeln und am besten auch annehmen können.

Totgesagte leben länger

Ich schaue in den letzten Tagen immer wieder Fernsehen oder lese, was in den Onlinemedien und Twitter steht. Die Piraten zerlegen sich. Wir werden nicht überleben. An unserem Sandalen tragenden pol. Geschäftsführer würde alles zerbrechen. Außerdem an unserer Beisitzerin, die ein Buch nicht nach antikapitalistischen Maßstäben veröffentlicht. Unsere ehemalige politische Geschäftsführerin sei unsere Lichtgestalt gewesen und ohne ihre übermenschliche Präsenz würde nichts funktionieren.

Ich seufze. Weil ich sehe wie die Leute über die Onlinemedien miteinander und darüber kommunizieren. Einige glauben wirklich das, was ich im oberen Abschnitt schrieb. Manchmal habe ich den Eindruck, sie verlieren dann den Mut. Aber wird unsere Partei ernsthaft daran zerbrechen? Ich glaube nicht daran. Wir haben jetzt Ende Oktober 2012. Wir haben bereits einige Landtage erobert. Und vielleicht ist es so, dass die anderen Piraten das nicht wissen. Vielleicht haben sie ihre Erfahrung noch nicht gemacht, weil ihr Bundesland noch keinen aussichtsreichen Landtagswahlkampf hatte. Aber mich langweilen diese Diskussionen, da ich das Gleiche in Grün bereits aus der NRW-Wahl kenne. Da wurde auch aus jedem Hut ein neues Kaninchen gezaubert. Und das Einzige, was dagegen half, war der Zusammenhalt.

Dann haben wir nun mal gerade Diskussionen im BuVo. Aber deswegen ist er doch trotzdem handlungsfähig! Jeder dieser Menschen dort ist gewählt worden. Ihr könnt das nicht mehr rückgängig machen. Es gibt keinen zweiten Handlungsstrang im Leben, wir müssen jetzt da durch. Wenn ihr Euerm BuVo etwas mitteilen wollt, schreibt ihm eine Mail oder einen gemeinsamen Brief. Den Mitgliedern am Rockzipfel ziehen wird nur dazu führen, dass sie hinfallen.

Vielleicht sind die 4,7% (oder wie viel auch immer) beängstigend. Aber ich muss sagen, mich ängstigt das nicht. Schaut euch doch mal rational um. Die anderen Parteien sind ständig in den Medien, weil sie de K-Frage klären müssen. Oder weil sie provokante Dinge sagen und dem politischen Gegner Knüppel zwischen die Beine schmeißen wollen. Ihr Programm steht seit Jahrzehnten fest. Sie werden nur noch ein paar Dinge hinzuschreiben, die gerade thematisch relevant sind (und das ist kein Vorwurf). Wir haben keine K-Frage. Wir haben programmatische Richtungen, in die es gehen soll. Unser Bundesparteitag ist nächsten Monat. Ich bin unheimlich Stolz auf alle Piraten, die Anträge verfasst haben. Die sich nicht abschrecken lassen. Die unbeirrt auf Antragskonferenzen gehen und ihr Herzblut in unsere Zukunft stecken. Sie sind all diejenigen, über die nie berichtet wird, aber ohne die unsere Partei gar nicht so weit käme, dass man über sie berichtet. Ihr macht hervorragende Arbeit. Ihr seid der Rücken für die Vorstände. Die Leute, die nach außen repräsentieren müssen, sammeln gerade ihre Kräfte. Denn ab dem Bundesparteitag werden wir wieder in der Öffentlichkeit stehen. Macht euch keine Sorgen, unsere Zeit wird kommen. Und dann wird es langsam wieder um die %-Anteile gehen. Bis dahin braucht ihr keine Angst haben. Sucht die Anerkennung nicht in Statistiken, sucht sie untereinander! Sprecht mit euern Parteikollegen und -freunden. Macht euch gegenseitig Mut, denn eure Arbeit ist toll! Von Stammtischen über Infostände bis hin zur programmatischen Arbeit. Weiter so!

Einer ist keiner…

Der NRW Vorstand besteht aus 8 Leuten. Die Fraktion besteht aus 20 Leuten. Eine Person ist unzufrieden und greift eine Person an. Sie schreibt: “Das ist Deine Schuld!” Du sagst “Warum ist es meine Schuld?” und die Person antwortet “Du bist der Landesvorstand/die Fraktion!”. Du sagst “Nein bin ich nicht. Ich bin eine/r von 8/20! Und ich glaube es ist nicht deine Absicht auf Einzelnen herumzutrampeln, weil dir etwas nicht gefällt. Kontaktiere also bitte alle und nicht nur mich!” Und aus Stolz verkneifen wir uns “Denn es tut mir weh, dass du mich für alles allein verantwortlich machst für etwas, wofür ich nicht alleine die Entscheidung treffe.”

Der NRW Vorstand besteht aus 8 Leuten. Die Fraktion besteht aus 20 Leuten. Eine Person ist unzufrieden und greift eine Person an. Sie schreibt: “Der ganze Landesvorstand/ Die ganze Fraktion ist scheiße!” Du fragst: “Warum ist der Landesvorstand/ die Fraktion scheiße?” Und die Antwort ist: “XY hat auf meine Frage nicht reagiert!” Darauf antwortest du “Aber XY ist doch gar nicht der ganze Landesvorstand/ die ganze Fraktion. Wenn du etwas willst, schreib doch bitte alle von uns an. Dann wird dir auch schneller geholfen, denn es kann in der ganzen Arbeit passieren, dass etwas untergeht.”

Dies sind zwei Beispiele und sie haben eine ähnliche Lösung zur Folge. Die Wirkung ist die Gleiche denn verletzt wird so oder so. Von außen sieht es nicht oft so aus, weil niemand dafür sensibel ist. Lob bekommt aber selten die Fraktion und selten der Landesvorstand. Kritik bekommen sie häufig, was vielleicht an der Erwartungshaltung und der Wahrnehmung liegt. Wenn es mir jetzt schlecht geht, dann muss ich das sofort äußern. Und es ist mir egal, wen ich dabei verletze. Die Höflichkeitsregeln werden nicht immer eingehalten. Konstruktive Kritik wird nicht oft geäußert. Sie ist in 140 Zeichen auch nicht unterzubringen.

Eine Art der konstruktiven Kritik ist beispielsweise die Sandwichmethode. Man bringt zuerst etwas Positives vor, dann die Kritik und dann wieder etwas Neutrales, bis Positives. Der Effekt ist der, dass sich der angesprochene Gesprächspartner nicht sofort verschließt und die Kritik aufnehmen kann. “Ich fand euern ersten Gesprächsteil sehr gut. Der Teil zum Thema XY war mir aber viel zu kurz. Ich fand, es ist nicht alles klar geworden und die Mitdiskutanten hatten nicht genug Raum. Danke trotzdem, dass es die Möglichkeit dazu gab.” oder “Ich finde es gut, dass ich euch direkt über eure Internetseite erreichen kann. Leider habe ich auf meine Mail keine Antwort bekommen. Das hat mich sehr geärgert. Ich wollte euch daher bitten, noch mal danach zu schauen. Eure Meinung ist mir wichtig.”

Konstruktive Kritik sollte erst einmal den richtigen Adressaten erreichen. Dann sollte das richtige Medium dafür gesucht werden. 140 Zeichen reichen meistens nicht und eine E-Mail oder ein Telefonat würden sich viel mehr dafür anbieten. Wenn man wissen möchte, dass die Kritik die Person auch wirklich erreicht, sollte man sie entweder persönlich vorbringen oder um eine Antwort bitten. Auch der Zeitpunkt kann ausschlaggebend sein: “Hast du gerade Zeit? Ich würde mit dir gern über XY sprechen.” So hat der Angesprochene die Möglichkeit zu überprüfen, ob er sich selbst gerade dazu im Stande sieht Kritik zu verkraften oder zu sagen “Lass uns das lieber morgen machen, mir geht es gerade nicht so gut.” Trotzdem weiß er dann, worum es gehen wird und kann sich darauf vorbereiten. Die Kritik sollte dann am Ende idealerweise sachlich, nützlich und höflich vorgebracht werden. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich für einen Fehler entschuldigen oder nicht emotional über die Situation nachdenken kann, viel höher.

Kritik geht immer von der Person aus und schließt dann am besten nicht auf das Ganze “Ich finde, es war gut das Wir über XY gesprochen haben aber was mich wirklich unzufrieden macht, war die Art der Kritik. Ansonsten fand ich es gut, dass die Veranstaltung stattgefunden hat.” im Gegensatz zu “Deine Art ist immer so nervig.” Denn da hört sicherlich niemand gern zu. Und es wertet außerdem die ganze Person ab, dazu auch noch “immer”.

Mein Tipp Nummer 1 für den Beschuldigten: Erst mal durchatmen und nicht sofort antworten, falls die Kritik zu hart ist. Gern auch mal sagen “Ich fühle mich von deiner Art angegriffen und weiß gar nicht, ob ich sie richtig aufgefasst habe.” Im weiteren Gespräch klärt es sich dann meistens.

Warum handelt dieser Artikel jetzt von Kritik? Ich bekomme viel Kritik ab, für die Arbeit im Landesvorstand. Ich bekomme die Kritik mit, die an die Fraktion gerichtet wird. Lob gibt es selten. Das Problem ist, dass die Motivation dann ein ums andere Mal schwindet, weil man keine Anerkennung bekommt. Bitte nehmt euch zu herzen, dass wir das auch brauchen. Jeder, der bei den Piraten arbeitet. Egal ob auf dem Dorf, in der Großstadt, im Kreisverband, im Vorstand oder in der Fraktion. Bitte gebt euch Mühe den Leuten auch mal zu sagen, was sie gut machen. Der positive Effekt? Werde ich für eine Verhaltensweise gelobt, merke ich das sie richtig ist. Ich werde das also wiederholen, um wieder Lob zu bekommen. So lernen wir und das brauchen wir. Also tut euch einen Gefallen: Wenn ihr wollt, dass es läuft und ein paar Minuten Zeit habt, sagt dem ganzen Vorstand/der ganzen Fraktion/dem ganzen Kreisvorstand oder auch einer Einzelperson, dass ihr die Arbeit gut findet. Und das sie weiter so machen sollen und sich nicht unterkriegen lassen sollen. Das hilft uns allen in langen Durststrecken und Zeiten der harschen Kritik.

Danke lieber LaVo

So… Nun hatte ich gestern meine Prüfung. Ob ich sie bestanden habe, weiß ich nicht (Benotung erst in ca. 2 Wochen). Ich muss mich aber an dieser Stelle bei meinen Vorstandskollegen bedanken. Ich habe bereits angekündigt, dass ich nur 1-3 Stunden am Tag mit der Piratenarbeit verbringen werde. Bisher habe ich das ganz gut geschafft. Dann kam die Prüfungszeit und ich habe eindeutig gesagt: “Vom 10.09. bis 10.10. werde ich meine Vorstandsarbeit niederlegen und mich auf die Prüfung vorbereiten”. Das habe ich auch gemacht. Ich habe am Anfang nur kurz in die ML geschaut und das nach und nach gelassen. Ich habe an den Vorstandssitzungen teilgenommen (gestern allerdings nicht), die ich nicht vorbereiten konnte, sondern dann sehr spontan für mich waren. Während des Hammergates habe ich alles verfolgt, mich auf dem Laufenden halten lassen und auch mit unserem Pressesprecher Kontakt gehabt. Aber auch hier habe ich dann oft die Schotten dichtgemacht. Das hat mir richtig gut getan und ich wusste, dass ich nicht überall mitmischen muss. Einige wenige Veranstaltungen habe ich doch wahrgenommen.

Vor allem Fizz und ich haben uns am Anfang versprochen, wir werden in dieser Periode nicht ausbrennen und zusehen, dass wir alles unbeschadet überstehen. Im Team habe ich einen guten Eindruck gewonnen. Nahezu jeder von uns hat bereits gesagt “Ich kann jetzt bis zum Zeitpunkt XY nicht.” oder “Ich muss alles ein bisschen runterschrauben.” Die Gründe dafür waren sehr unterschiedlich. Aber wir haben das immer respektiert und so hab ich das Gefühl, dass ich mich auf meine Kollegen verlassen kann. Ich bin mir sicher, wir werden unsere Amtsperiode auch dann meistern, wenn uns ein Mitglied fehlt.

Ich habe die Piratenarbeit sehr vermisst. Es macht mir Spaß, auch wenn es oft anstrengend ist. Bisher schaffe ich aber alles so, wie ich es mir vorgenommen habe. Hier ein Danke!! an alle, die mir gesagt haben, dass ich das Feld räumen und aufhören soll zu arbeiten. In erster Linie Danke an meine Kollegen (und Claudia, die uns sooo viel Arbeit abnimmt). Ich hoffe, wir machen das weiter so!

Fresse halten

Wenn man will, dass es ruhig wird: Einfach mal die Fresse halten!

Rückblick:

Als wir gerade mitten im Wahlkampf für NRW stecken, kamen einige Klöpse auf den Tisch. Sexismus in der Piratenpartei. Was können wir tun? Jeder denkt darüber nach. Nur die Wahlkämpfer nicht. Sie stehen auf der Straße, hängen Plakate auf, sprechen mit den Bürgern und hoffen einfach, dass es an ihnen vorbei ziehen wird. Natürlich kommen die Vorwürfe und ist die Liste erst mal gewählt und es befinden sich nur 3 Frauen auf den ersten 20 Plätzen, kann man schon mal nervös werden. Und ich wünschte mir so sehr, alle Leute würden mal aufhören sich an der Diskussion zu beteiligen. Denn über Twitter gab es von “Ist ja auch so” bis hin zu “Nein, wir haben kein Sexismusproblem” alles Mögliche. Die anderen Parteien packten ihren Sexismus-Joker durch den JuPi Brief viel zu früh aus, verbrannten ihn und wir hatten einen Stein weniger im Weg.

Dann gab es die Nazi-Vergleiche Homemade aus Berlin. Sicherlich nicht sonderlich klug aber es ist nunmal passiert. Man versucht Schadensbegrenzung zu machen und packt es dann leider doch nicht, weil einem wieder etwas rausgerutscht ist. Kann passieren, alle sind angespannt. Auch die im Wahlkampf. Sie stehen auf der Straße, hängen Plakate auf, sprechen mit den Bürgern und hoffen einfach, dass es an ihnen vorbei ziehen wird. Auch hier hatten wir das Glück, den zweiten Joker das Piraten irgendwie rechts sind und sich nicht abgrenzen können, mussten die anderen Parteien viel zu früh auf den Tisch schmeißen.

Dann gab es die Wahl in Schleswig Holstein. Die Linke fängt den Ball und macht Plakate daraus (Linke aus Mönchengladbach schämten sich übrigens sehr dafür und setzten sich dafür ein, dass sie abgehangen werden). Darauf werden wir beschuldigt, wir wären alle Nazis. Ich steige morgens ins Taxi zu einem türkisch stämmigen Autofahrer, und während ich noch vor mich hinträume, frage ich ihn dann “Glauben Sie eigentlich das alles, was hier in den Zeitungen steht? Dass die Piraten rechts sind und das wir Ausländer hassen?” und der Mann dreht sich zu mir um, lächelt und sagt “Nein, das glaube ich nicht. Das machen die Zeitungen und die Parteien, weil sie Angst vor den Piraten haben.” Ich seufze einmal tief und freue mich, dass die Menschen nicht alles glauben, was in den Medien steht. Am Mittag sind wir dann auch noch aufgestanden und haben den Raum verlassen, als ein Mann mit rechter Gesinnung die Stimme erhob. Wir zeigten ihm die Nein-Karte.

Wenn wir wollen, dass es ruhig wird, sollten wir einfach mal alle die Fresse halten. Aufstehen und gehen. Wir machen es mit unserer Art nur noch schlimmer. Ich kann den offenen Brief aus Niedersachsen an Julia Schramm verstehen. Sie greift damit auf den ersten Blick unsere Kernthemen an. Unser Wahlkampf ist selbst nicht so lange her. Da hatten wir Panik vor allen schlimmen Themen um uns rum. Aber am Ende interessiert es niemanden. Und je mehr man sich dazu äußert, desto länger wird es in den Medien sein. Hätte NDS dazu nichts gesagt, es wäre vielleicht heute schon damit Schluss gewesen. Was gesagt ist, ist gesagt. Die Presse weiß das auch, darum schlachtet sie alles sofort aus und in diesem Fall so dreckig, wie es geht. Auf die Piraten ist ja auch verlass. Wenn wir so was lesen, MÜSSEN wir ja quasi noch einen offenen Brief hinterher schicken. Mein Rat für alle im Wahlkampf: Ruhig bleiben!

Frau Kraft und die Inklusion

Gestern Abend war ich als Begleitung bei der Preisverleihung für die Sportler aus NRW eingeladen. Es ging um die Olympischen Spiele sowie die Paralympics. Alles fand im K21 statt, was der ehem. Landtag ist. Schmuckes, kleines Ding! Man hat sich sehr viel Mühe gegeben mit der Abendplanung. Wir wurden von englisch gekleideten Polizisten begrüßt, die nur auf Englisch mit uns gesprochen haben. Eine Band spielte den ganzen Abend während des hervorragenden 3-Gänge-Menüs und lief um die Tische.

Hochkarätige NRW-Politiker waren anwesend, natürlich auch viele Funktionäre aus dem Sport. Die Tische waren bewusst gemischt, sodass sich die Funktionäre kennenlernen konnten. Diese waren direkt vorn an der Bühne platziert, mein Tisch war in der zweiten Reihe. Die Sportler kamen in der dritten, vierten oder fünften Reihe und wurden nicht mit uns gemischt.

Es gab eine Einführungsrede von Frau Kraft, in der sie erklärte, wie stolz sie auf unsere Sportler sei. Natürlich ist jeder ein Gewinner, auch wenn er ohne Medaille nach Hause geht. Darum seien auch alle Teilnehmer da. Die Paralympics seien ein hervorragendes Beispiel für Inklusion … Ich weiß, ihr habt den Fehler schon gefunden. Wer von Inklusion spricht und die olympischen Spiele lobt, bei der penibel darauf geachtet wird das Menschen mit körperlicher Behinderung nicht teilnehmen dürfen, hat das Wort nicht verstanden. Sie sollte sich wenigstens mal den Wikipediaeintrag durchlesen oder vielleicht ihre Berater fragen. Mir wurde dann gesagt, dass Frau Kraft erst am Mittag von den Piraten eine Rüge bekommen hatte, weil sie die Paralympics als Inklusion darstellte. Der Lerneffekt hielt sich offensichtlich in Grenzen. Ich bin wirklich sehr wütend geworden und glücklicherweise waren es unsere Sitznachbarn auch. Aber dann passierte das Unfassbare:

Die Sportler ohne Medaille wurden auf die Bühne gerufen. Und ich habe wirklich genau hingehört. Nicht, dass sie sich auf der Treppe oder davor versammeln sollten, sondern oben auf der Bühne. Und ich dachte noch “Super, dann sehen wir die Rollstuhlfahrer auch mal … nein, sehen wir nicht!” Es gab keine Rampe! Kann man sich das Vorstellen? Während Frau Kraft noch vor fünf Minuten von der Inklusion gesprochen hat, gibt es keine Rampe zur Bühne? Toll, ja. Die Funktionäre und Amtsträger aus der ersten Reihe konnten die Rollstuhlfahrer schon sehen. Und eine Umarmung von Frau Kraft gab es auch.Während ich innerlich schon zur Bühne ging, um zu fragen, ob man die Leute dort verarschen wolle, sah ich den gleichen Gesichtsausdruck auch in den Gesichtern meiner Tischnachbarn. Ein bekannter Fußballmoderator sagte daraufhin zu mir “Das bekommt die Kraft aber noch aufs Brot geschmiert! Aber nicht nur von mir.” Und ich war wirklich froh, dass diese Ungerechtigkeit nicht nur von mir bemerkt und verurteilt wurde.

Der sensible Moderator fragte dann noch eine der Sportlerinnen, was ihr schönster Moment bei den Olympischen Spielen war. Die Antwort lautete verständlicherweise wie folgt: “Kann ich gar nicht sagen, es gab keinen schönsten Moment. Ich war zu traurig über die Niederlage und habe mit Sicherheit an dem Tag auch am meisten geweint von allen.” Diese Frage wurde übrigens bei den Sportlern, die etwas gewonnen hatten, nicht mehr gestellt. Etwas mehr Taktgefühl war wohl nicht drin.

Natürlich gab es auch bei den folgenden Siegern keine Rampe und natürlich sagte der Moderator auch dann nicht, dass sich die Leute auf der Treppe versammeln sollten.

Es wurde zuletzt noch eine Trainerin ausgezeichnet, deren Namen mir leider entfallen ist. Eine sehr natürliche, nette Frau, die in etwa Folgendes sagte: “Vielen Dank für diesen Preis. Es ist toll zu sehen, wenn der Trainingsplan am Ende aufgeht und man sieht, dass die Sportler zum Tag X ihre Leistung abrufen können. Der Trainer, der den Ruderachter zum Sieg geführt hat, hätte ihn sicher auch verdient. Ich bekomme ihn nur stellvertretend, denn wir sind alle ein gutes Team. Ohne die Ärzte und Physiotherapeuten würden die Sportler nie solche Leistungen bringen können.” Gute Worte.

Fazit: Keine Veranstaltung für Sportler, sondern für Funktionäre. Inklusion nicht verstanden. Nachhilfe bei den Leuten, die in vorderer Reihe Politik machen, ist dringend nötig.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.