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Druck aushalten

Ein Blogbeitrag über meine Strategien in der Arbeit als LaVo.

Arbeiten als LaVo:

Ruhig bleiben – Wer im Vorstand arbeitet, ist meist ein wichtiges Zahnrad. Entscheidungen hängen von einer Position ab, beispielsweise Beschlüsse zu fassen oder sich mit Personen zu beschäftigen. Weil jeder findet, dass sein Anliegen das Wichtigste ist, wird ein hoher Druck aufgebaut. Wenn etwas passiert ist, was die Presse interessiert, gibt es vielleicht mehrere Anrufe gleich hintereinander. Und das nicht nur bei einer Person. In jedem Fall gilt erst mal: Ruhig bleiben! Mit Hektik werden Aufgaben nicht gelöst, es passieren Flüchtigkeitsfehler und man macht eine falsche Aussage. Erst mal die Lage checken und dann anfangen Sachen zu bearbeiten. Und wenn man selbst nicht ruhig genug ist, nimmt man den Hörer in die Hand und ruft eine vertraute Person an.

Gespräche – Wenn man sich über etwas ärgert was gerade im Vorstand passiert, ruft man am besten eine vertraute Person im Vorstand an. Es empfiehlt sich zumindest mit einer Person einen so guten Kontakt zu haben, das man sie anrufen und sich richtig auskotzen kann. Das hilft nicht nur um ruhig zu werden, sondern auch um die Sicht zu klären. Manchmal hat man etwas falsch verstanden und kann dadurch sofort Fragen klären. Auch ist es nur ratsam sich nur bei Kollegen oder schweigsamen Vertrauten über Personen aufzuregen, denn jedes Wort eines Vorstandes liegt auch bei der Basis auf der Goldwaage. Eine Person öffentlich zu verurteilen, kommt manchmal einer Stigmatisierung gleich. Also seid vorsichtig mit euren Worten und gegen wen ihr sie richtet. Seid vor allem vorsichtig, worüber ihr gerade sprecht. Denkt darüber nach, ob ihr einer vertrauten Person, die kein Vorstandsmitglied ist und auch nicht im Schiedsgericht, überhaupt bestimmte Sachverhalte sagen dürft. Wer Vorstand ist, sollte also bei einigen Sachen auch die Schnüss halten können ;-)

Fragen klären – Einmal im Monat habe ich meine Sprechstunde angeboten, um offene Fragen zu klären. Ich fand es sehr hilfreich, da ich daraufhin wusste, welche Probleme der Basis auf dem Herzen liegen. Manchmal muss man als Vorstand sehr schnelle Entscheidungen treffen. Die Folge davon ist, dass sich die Basis nicht eingebunden fühlt und sie nicht versteht, warum welche Entscheidung wie getroffen wurde. In einer Sprechstunde kann man Sachverhalte sehr schnell erläutern. Ich habe selten auf Mailinglisten geschrieben, da dies für mich sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Um das Gespräch aber weiterhin zu führen, habe ich über die Sprechstunde, Twitter, E-Mail und persönlich den Kontakt gesucht. Dies kann aber jeder für sich selbst entscheiden, es gibt kein Ideal. Je einfacher man ansprechbar ist, desto weniger versteckte Konflikte gibt es.

Probleme kommunizieren – Um sich Ärger zu ersparen, sollte die Kommunikation von Problemen möglichst schnell und detailliert erfolgen. Mögliche Gründe für Konflikte, weil die Kommunikation zu schwach war: zu teuer, nützt (in oberflächlicher Betrachtung) zu wenig Personen, Schaden wurde angerichtet, Entscheidungen mussten schnell getroffen werden, … . Ein Vorstandsmitglied mit dem Talent zur Kommunikation sollte sich also darum Gedanken machen, welche Ängste diese Sachverhalte auslösen können. Es gilt im Team daraufhin die Fakten zusammenzutragen und Probleme zu klären. Dann kann über unterschiedliche Kanäle erklärt werden, warum etwas wie passiert ist. Ist das Problem sehr groß? Dann ist eine Mumblesprechstunde besser. Ist es klein? Dann reicht eine Mail auf der Mailingliste, die dringende Fragen schon beantwortet. Alles Weitere kann bei einer monatlichen Sprechstunde nachgefragt werden.

Absprachen und Verständnis – Wenn es ein Problem gibt, kommen Fragen nicht nur auf eine Person zu. Das ist wichtig. Der Vorstand sollte sich als möglichst großes Team verstehen, da sich Druck und Arbeit dann gleichmäßig verteilen. Die Beantwortung von Fragen kann ebenfalls Druck erzeugen, schließlich sieht die Basis den Vorstand dann in einer Bringschuld. Alle Kollegen sollten also auf dem gleichen Wissensstand sein und das Problem verstehen. Dadurch kommt keine Verwirrung auf, falls unterschiedliche Antworten gegeben werden und alle sind im Bilde.

Gates – Eine Taktik der Journalisten bei Gates ist es, möglichst viele Personen nacheinander anzurufen. Erst den Vorsitzenden, dann die Stellvertreter und dann noch mal den Pressesprecher. Das ist üblich und sollte keinen Druck erzeugen (siehe “Ruhig bleiben”). Zweck ist es, noch eine Information mehr zu erhalten als bei den vorherigen Anrufern. Das Wichtigste ist es also bei presserelevanten Geschehnissen sofort miteinander über die Kommunikation zu sprechen. Was wird gesagt und warum. Dies bedeutet telefonieren, telefonieren, telefonieren. Die Absprache ist das Wichtigste! Auch wenn eine Person zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar ist, muss sie zumindest per SMS oder E-Mail auf dem laufenden gehalten werden.

AG ÖA – Die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit ist insbesondere durch die Pressesprecher aber auch durch die Teammitglieder, das wertvollste Team für die Vorsitzenden. Zunächst ist es wichtig die Struktur zu verstehen. Darum mein dringender Appell an die neuen Vorsitzenden: Arbeitet in der AG ÖA erst mal mit, bevor ihr euch überlegt zu kandidieren! Denn mit diesem Team _müsst_ ihr arbeiten und ihr _müsst_ wissen, was dort wie geschieht und wie die Arbeitsabläufe sind. Sie helfen bei der Kommunikation nach außen und sind gut informiert über das Vorgehen anderer Parteien oder parteiinterner Geschehnisse. Lest auf jeden Fall die Mailingliste und versucht so oft es geht in die Mumblesitzung zu gehen. Wenn nicht, lest das Protokoll. Und haltet immer engen Kontakt mit den Pressesprechern (das kann man gar nicht oft genug sagen!).

Zeitmanagement – Bei den Piraten gibt es weiche Ziele. Darum ist es immer möglich, mehr Zeit zu investieren. Um das zu verhindern, habe ich mir hierfür eine persönliche Strategie aufgebaut. Ich habe zu Beginn der Amtszeit geschaut, wie viel Zeit ich investieren will und kann. Ich habe mir hierfür drei Stunden pro Tag gesetzt, was für mich das Minimum ist. Diese Zeit ist allerdings ausreichend, wenn man eine gewisse Arbeitsdisziplin hat. Wenn ich merkte, ich brauche für private Aktionen oder den Job mehr Zeit, habe ich mir bestimmte Wochentage genommen, die nur für Piraten und nur für Job da sind. Im Vorstand weiß man aber nie, welcher Tag wie voll wird. Also hilft nur eine gute Absprache mit den Kollegen und ein gewisses Maß an Flexibilität. Dann müssen die voreingeteilten Tag getauscht werden.

Es gibt Tage, die platzen aus allen Nähten. Da ist man als Vorstand von früh bis spät gefordert. Es gibt viel zu klären, telefonieren, organisieren, schreiben usw. Diese Tage habe ich ausgeglichen, indem ich mir später einen Tag frei genommen habe. Es ist ungefähr absehbar, was getan werden muss. Wie viele Tickets sind zu bearbeiten? Wann ist die nächste Sprechstunde, was muss ich vorher noch lesen? Durch meinen strengen Zeitplan habe ich wenige Stammtische besucht. Ich würde dem neuen Vorstand empfehlen das möglichst viel zu tun. Gleichzeitig habe ich es aber auch geschafft die meiste Zeit ausgeglichen zu sein und mit viel Spaß meine Arbeit zu machen, ohne Sachen liegen zu lassen.

Wichtig ist einfach zu klären, welche Aufgabe wann erledigt werden muss und wie viel Zeit sie braucht. Basisfragen hab ich gern am Ende einer Vorstandssitzung in “Sonstiges” geklärt, oder auch während der Sprechstunde. Viele Menschen hören die Antwort gleichzeitig, ich lerne etwas (falls ich die Antwort noch nicht wusste) und sie ist zugänglich protokolliert. Das ist ein großes Zeitersparnis.

 

 

Erst bin ich Mensch, dann Pirat.

Verzweiflung – Eingangs habe ich beschrieben, dass ein Vorstand ein wichtiges Zahnrad ist. Durch diese Entscheidungsgewalt wird eine große Erwartungshaltung aufgebaut. Wird diese nicht erfüllt, reagieren manche Menschen in der Basis sehr verzweifelt. Daraus resultieren verschiedene Verhaltensweisen. Oft entsteht dadurch aber auch emotionaler Druck. Es ist wichtig sich davon freizumachen, um seine Arbeit ordentlich erledigen zu können. Auf der anderen Seite sollte diese Arbeit nicht leidenschaftslos erfolgen. Auch wenn negative Reaktionen kommen, muss es eine Taktik geben, damit umzugehen. Vor allem aber darf diese Arbeit niemanden kaputtmachen. Es gilt immer, zuerst ist man Mensch und dann Pirat. Sonst ist diese Arbeit nicht zu bewältigen.

Reflexion - Hab ich gerade Mist gebaut oder gibt es hier gerade ein ganz anderes Problem? Zunächst sollte man sich selbst immer mit Vorwürfen auseinandersetzen. Ist man nicht in der Lage sich selbst zu reflektieren, kann man mit Kollegen oder den betreffenden Menschen über das Problem sprechen. Erst wenn alle Blickwinkel betrachtet sind, kann man anfangen aufzuklären, sich zu entschuldigen oder etwas zu ändern.

Blocken – Bei “Reflexion” habe ich geschrieben, dass man sich der Kritik zunächst annehmen sollte. Es gibt jedoch Fälle, da sollte man das besser nicht tun. Im Laufe meiner Amtszeit habe ich festgestellt, dass mir Leute mit ihren Worten vor allem wehtun möchten. Das sind bestimmte Personen, nicht viele. Aber was sie sagen tut weh, weil es wehtun soll. Manche Menschen legen sich sogar extra Mobbingaccounts zu. Ich habe daher beschlossen: Werde ich wegen etwas angegriffen, was nicht meinen Arbeitsstil betrifft, sondern mein Privatleben, wird geblockt. Meine Energie ist mir zu schade, um mich mobben zu lassen. Damit bin ich bisher gut gefahren.

Hilfe holen – Erfolgt ein persönlicher Angriff, kann man diesen Kampf selbst kämpfen. Man kann sich aber auch Hilfe holen. Durch einen einfachen RT auf Twitter beispielsweise, können die Menschen den Angriff sehen. Bisher wurde mir immer geholfen und ich fühlte mich nicht alleine. Gleichzeitig wurde ich aber auch reflektiert. Sehen das viele Leute genau so, wie der Angreifer? Dann haben sie es mir in anderen Worten gesagt und ich konnte damit arbeiten. Wenn die Verletzung zu tief geht, wird immer geblockt!

Vertraute – Es ist wichtig Menschen zu haben, mit denen man offen sprechen kann. Wie bereits geschrieben, empfehle ich mindestens eine Person im Vorstand. Zu den Kollegen sollte außerdem so viel Vertrauen herrschen, dass man bedenkenlos sagen kann “Ich habe gerade Stress im Job/ mit dem Partner/ in der Familie/ mit der Gesundheit”, sodass kein Eiertanz erfolgen muss, weil man sich eine Zeit lang anders verhält, als sonst. In der Basis sollte man außerdem ebenfalls Freunde haben. Und zwar echte Freunde, keine Speichellecker. Die besten Freunde sagen dir, wenn du etwas falsch gemacht hast. Wenn sie dich nicht verstanden haben. Auch, wenn über dich geredet wird. Sie kritisieren dich und sie helfen dir dabei im Vorstand auf dem Boden zu bleiben.

Neid – Es gibt immer Menschen, die tun wollen, was du tust. Sie machen hinter dir und vor dir Sachen kaputt und inszenieren sich bestmöglich, damit sie beim nächsten Mal dahin gewählt werden, wo du gerade bist. Du kannst nichts dagegen tun, also musst du dich damit abfinden.

Lästereien – Es werden negative Mails hinter dem Rücken des LaVos über seine Arbeit geschrieben. Während dem Mumble kommentieren Menschen auf Twitter deine Arbeit möglichst negativ, ohne dich in den Beitrag mit reinzunehmen. Sobald man im Mumble mit der Sprechstunde fertig ist, wird alles danach noch mal auseinandergenommen. Man bekommt positive Blogkommentare und erfährt zwei Tage später, dass die gleiche Person hinter deinem Rücken erzählen, das es besser sei, du würdest nicht mehr kandidieren. Lästereien sind da. Sie sind üblich, auch wenn sie nicht schön sind. Manchmal versuchen sich die Personen nur Luft zu machen, und wenn man sie später darauf anspricht, lassen sich einige Dinge klären. Manchmal geht es um Böswilligkeiten (siehe “Neid”). Wenn ich dies nicht offen ansprechen möchte, rede ich mit meinen Vertrauten darüber oder gehe dem einfach aus dem Weg. Bei manchen Gedanken ist es besser, sie nicht zu wissen. Einfach, um mit seiner Arbeit noch motiviert weiter machen zu können.

Freizeit und Freunde – Man muss sich neben dem Piratleben noch Freizeitmöglichkeiten schaffen. Es ist wichtig am Wochenende bei Freunden sagen zu können “…aber lasst uns bitte nicht über die Arbeit sprechen.” und damit die Parteiarbeit zu meinen. Denn sobald man in das Amt gewählt wurde, ist das Hobby keines mehr. Es ist Arbeit, es ist Stress, es ist anstrengend und es gibt eine hohe Erwartungshaltung. Nur durch einen guten Ausgleich ist es möglich, das man wieder mit neuem Blickwinkel an die Arbeit gehen kann. Seht die Piratenarbeit einfach als Erweiterung eures normalen Jobs an und nicht als euer Hobby. Das macht euch die Arbeit leichter und ihr habt eine andere Herangehensweise :)

 

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Verantwortung

Tja, die Sache mit der Politik. Je mehr ich weiß, desto schlimmer wird es. Ich wollte als Teenie keine Politik machen, weil ich das überhaupt nicht verstanden habe. Politiker, das sind alte schreiende Männer und Frauen, die im Fernsehen auf eine Couch sitzen und sich gegenseitig um die Ohren hauen, wie fürchterlich sie die Position der anderen Partei finden. Ich habe das überhaupt nicht verstanden, was wollen die eigentlich? Und sie sitzen dort und schreien sich an, das Thema wird umschifft. Betrifft mich das irgendwie? Nein, denn sie reden miteinander an mir vorbei. Und mal im ernst, ich komm aus dem kleinen Dörfchen Hoisten. Da stehen zur Wahlkampfzeit ein, zwei, drei Tischchen an der Bushaltestelle mit Schirmchen und darauf stehen unterschiedliche Namen der Parteien. Von allen bekam ich zu Ostern ein Ei in die Hand gedrückt. Aber weil ich doch erst 16 war aber noch viel jünger aussah, hat keiner von denen mit mir weiter gesprochen. Danke liebe Altparteien, Chance vertan. In den Jahren darauf hab ich dann einiges mehr verstanden, denn mit Anfang 20 hab ich Nachts mit Farbrollen am Besenstiel NPD-Plakate übermalt.

Politiker sind 2013 noch immer streitende Menschen und ich habe erkannt, es geht vor allem um Geld. Sie drücken noch immer Bürgern Eier in die Hand und schauen an denen vorbei, die nicht in ihr “Beuteschema” passen. Wahlweise servieren sie jetzt auch Currywurst, vielleicht lockt das die “richtigen” an. Aber dieses “Je mehr ich weiß, desto schlimmer wird es.” hört einfach nicht auf. Es ist als hätte sich eine Tür geöffnet und ich kann nie mehr wieder zurück in diese Naivität. Wenn ich mir die Bestandsdatenauskunft anschaue, die vor Kurzem verabschiedet wurde, weiß ich auch nur das es die Spitze des Eisbergs ist. Aber wenigstens eine, die man dem Bürger erklären kann. Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, das durch einige Regierungsparteien verschleiert wird, was um uns herum passiert. Außer es dient dazu den politischen Gegner auszustechen, dann wird plötzlich Klartext gesprochen. Warum sonst wird während großer Fußballspiele ein Rettungsschirm nach dem anderen verabschiedet, der so hoch ist, dass jeder Deutsche, der nicht grad schon betrunken vom Bier oder vom Sieg seiner Mannschaft ist, einen halben Herzinfarkt bekommt?

Was ich tun konnte, um das ein Stück weit zu ändern, hab ich seit Mai 2010 getan. Ich hab mit vielen Piraten und Menschen gesprochen, ich hab mich ermutigen lassen meine Meinung zu sagen. Wegen dem ganzen Zuspruch habe ich viel Zeit und Herzblut investiert und viele harte Kämpfe ausgefochten. Ich hab mich nach einer langen Autofahrt von Andreas Graaf davon überzeugen lassen über ein Vorstandsamt nachzudenken. Während einer weiteren Autofahrt mit Piraten habe ich den Entschluss gefasst das auch zu tun. Ich weiß, ohne den ganzen Zuspruch der letzten Jahre hätte ich das auch nicht gemacht. Denn das ist es doch was eine Partei mit Ehrenamtlern am Laufen hält, der Zuspruch und die Motivation. Die Freiheit sich die Teile aussuchen zu können, die Spaß machen. Dann müssen am Ende doch noch gute Seelen gefunden werden, die aus Verantwortungsgefühl die Bereiche übernehmen die überhaupt keinen Spaß machen aber gemacht werden müssen. Ich habe seit 2010 viel gelernt, vor allem in den letzten zehn Monaten, in denen ich ein Vorstandsamt bekleidet habe. Und ich hab sehr viele Seiten an mir kennengelernt, von denen ich nicht wusste, das sie in mir stecken.

Aber es war bei Weitem nicht alles schön. Ich hatte einen riesigen Streit mit der Werbeagentur, bei der ich damals gearbeitet habe. Unter anderem lag es daran, das ich mich so rasant verändert habe. Denn die Piraten haben etwas in mir geweckt, was eh schon tief in mir geschlummert hat. Dieser Streit hat mich sehr zermürbt und doch hab ich nun schon ein Portfolio an Kunden, die manche Grafiker ihr ganzes Leben nicht betreuen werden. Heute würde ich diesen Job nicht mehr machen und für manche dieser Kunden nicht mehr arbeiten. Erst durch meine Freunde aus dem Hackerspace fNordeingang habe ich gemerkt, dass ich dort kaputt gegangen bin. Warum hab ich das gemacht? Weil ich mich der Zuspruch und die Verantwortung angespornt haben. Riesige Projekte stemmen, zum Teil alleine! Dieses Gefühl hat mich sogar vergessen lassen, was das für Unternehmen sind, für die ich da arbeite. Es ist wie ein Droge, ich kann es nicht beschreiben. Irgendwann ging es nur noch an meine Substanz. Ich musste natürlich auch Geld verdienen, um mein Studium zu finanzieren und um Piratenarbeit zu machen.

Aber habe ich mein Studium gemacht? Mehr schlecht als Recht. Ich bin durch meine Zulassung zum Diplom gerasselt, das war sehr schlimm für mich. Und trotzdem habe ich kurz danach das Vorstandsamt angenommen. Ich mache seit dem einen Job der weniger Zeit braucht und bei dem ich viel weniger verdiene. Dafür arbeite ich doppelt so hart. Ich hab so die Zulassung zum Diplom geschafft und nicht mal genug in mir selbst geruht, um mich wirklich darüber zu freuen. Denn was vor mir lag, war Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit. Erst Monate später hab ich realisiert, was ich gepackt habe. Und zwar dann, als ich schon in den Diplomvorbereitungen steckte. Ich arbeite auch im Vorstandsamt unheimlich viel, teilweise arbeitete ich für zwei. Und das nur wegen meinem verdammten Verantwortungsgefühl und weil mir dieser Job Spaß macht. Ja, ich steh auf Arbeit und ich hab keine Angst vor Verantwortung. Jeder Stein, der mir im Weg lag, hat mir dabei geholfen wichtige Erfahrungen zu machen, dass ich heute stolz auf mich sein kann so zu sein, wie ich bin.

Aber wer mitgezählt hat wird sehen, dass ich drei Jobs habe und einen der wenig Zeit in Anspruch nimmt, bei dem ich wenig Geld verdiene und der es mir erlaubt Diplom und Vorstandsarbeit zu machen. Dabei ist das ein anspruchsvoller Job, der mir viel Spaß macht. Ich gebe Kindern in einer offenen Ganztagsschule Hausaufgabenhilfe und mache die Nachmittagsbetreuung. Und ich nehme meine Arbeit sehr ernst, es macht mir Spaß dort zu sein aber es erschöpft mich auch. Das ist nichts, was ich auf einer Arschbacke abreiße, weil ich es ernst nehme, das ich dort an der Zukunft von jungen Menschen arbeite. Nächsten Monat wird übrigens noch ein vierter Job hinzukommen, ich werde wieder einen Gimp-Kurs geben. Das ist jede Woche ein Abend, an dem ich nach der Arbeit zur VHS fahre, um Menschen ein freies Grafikprogramm beizubringen und das ist sehr anstrengend weil alle mit völlig unterschiedlichen Vorraussetzungen zum Kurs erscheinen. Ich brauche Geld wie jede/r Andere auch. Ich hab Kosten, ich muss mein Studium bezahlen. Ich hab nicht genug Geld, um meine Freizeit damit zu gestalten. Was übrigens nur daran liegt, dass ich keine Freizeit habe. Ich versuche einen Tag in der Woche freizuhaben, was ich nicht mal regelmäßig schaffe und das zehrt an meinen Nerven.

Ich mache die Arbeit als Vorstand unheimlich gern. Wenn ihr mich fragt “Willst du weiter Landesvorstand bleiben und mit uns den Wahlkampf durchziehen?” sage ich “Nichts lieber als das!” Aber ich packs einfach nicht. Ich kann diese Arbeitsbelastung nicht durchhalten. Ich will keinen Beisitzerposten, ich möchte stv. Vorsitz oder Vorsitz machen. Warum? Weil es dem worauf ich Lust habe am ehesten entspricht. Und jeder, der für lau arbeitet sollte das machen, was ihm Spaß macht. Ich hab einen hohen Anspruch daran, was man als das Dreiergespann der Vorsitzenden machen sollte und ich weiß, unter diesen Vorraussetzungen schaffe ich das nicht. Ich will nicht meine Kollegen im Stich lassen müssen. Es ist auch kein Kompromiss mehr für mich zu sagen “Ich mach mein Diplom, ist ja eh im Juli oder August zu Ende und dann hau ich richtig rein!” Das ist Selbstbetrug. Danach muss es doch weiter gehen, ich muss mir eine Arbeit suchen. Und ich kann auch nicht mehr hören “Mach doch ein Urlaubssemester.”, das ist eine Zumutung, so geht das einfach nicht mehr. Wir können nicht mehr darauf hoffen das Leute ihre Zukunft ruhen lassen oder ihren Job verlieren, weil sie sich für ein Vorstandsamt entschieden haben. Ich sags euch ganz ehrlich: Wärs ein normaler Job für den ich Geld bekomme, ich würde es mit Liebe wieder tun. Selbst wenn es wenig Geld aber eine Lebensgrundlage wäre. Aber das ist nicht der Fall. Ich pack das so nicht und es tut mir in der Seele weh, weil es mir einfach so viel Spaß macht.

Es tut mir leid, wenn ich euch jetzt enttäusche. Ich weiß, ich habe schon in einer Vorstandssitzung gesagt, dass ich weitermachen werde. Aber ich hoffe ihr könnt nachvollziehen, warum das nicht geht. Ich gebe den Hut ab, ich danke euch für die Zeit. Ich muss jetzt wieder mehr Verantwortung für mich übernehmen. Vielleicht mache ich das nächstes Jahr noch mal, bis dahin fließt noch etwas Wasser den Rhein hinunter :)

Liebe Grüße

Eure Chrissie

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Was es nicht alles so gibt…

Was es nicht alles so gibt, dieser Tage…

Dieses Wochenende trifft sich die Servicegruppe Gestaltung der Piraten, die findet ihr auch unter @sggestaltung und die machen tolle Dinge und zwar sehr transparent! Auf dieser Seite sind alle vorläufigen Entwürfe zu sehen, die es von der Servicegruppe bereits gibt. Sie treffen sich am Wochenende in Düsseldorf, um darüber zu sprechen. Dafür haben sie extra eine NRW-Liquid Feedback-Seite eingerichtet damit man darüber abstimmen kann, welcher Entwurf gerade am besten ankommt. Die Entwürfe sind nicht fertig und schon darf man sogar seine Pro- und Kontra-Anregungen dazu geben. Wir haben dadurch die Chance am Design mitzuarbeiten, obwohl viele von uns sogar keine Ahnung von Gestaltung haben. Und trotzdem dürfen wir was dazu sagen, ich finde das sehr toll!

Dann haben wir nächstes Wochenende am 16. Februar im Geschwister-Scholl-Gymnasium in Düsseldorf den Tag der politischen Arbeit. Und ich zitiere hier einfach aus der Pressemitteilung “Auf dem diesjährigen Tag der politischen Arbeit setzen sich 16 verschiedene Arbeitskreise zu den landes- und kommunalpolitischen Themenschwerpunkten zusammen. So wird sich der AK Wirtschaft & Finanzen gemeinsam mit dem AK Umwelt & Energie auf ein Treffen mit Minister Oettinger zum Thema Energiewende vorbereiten. Im AK Bauen & Verkehr setzen sich die Piraten mit dem ticketlosen ÖPNV und der Stadtentwicklung im Hinblick auf Gentrifizierung und Integration auseinander. Der AK Innenpolitik lädt zu einer Diskussion zum Thema V-Leute in Fussballstadien ein und möchte die innenpolitischen Themen der Landtagsfraktion vorstellen.” Ist das was oder ist das was? Bei unseren Tagen der politischen Arbeit war fast jedes Mal mindestens ein Pressevertreter vor Ort und hat davon berichtet, wie wir inhaltlich arbeiten. Durch diese Diskussion wird das sicherlich ein besonderer Anreiz!

Dann ist am 23. Februar der Internationale Aktionstag für deine Privatsphäre! Es werden einige Piraten teilnehmen, denn es sind viele unserer Themen mit dabei. Oder gar alle? Unschuldsvermutung, INDECT, Vorratsdatenspeicherung, Clean IT, Staatstrojaner, EU-Datenschutzreform und andere Themen. Auf dem laufenden bleibt ihr über https://www.twitter.com/idp2013

Darfs ein bisschen jeck sein? Dann nehmt doch den piratigen Aschermittwoch in Ingolstadt! Den findet ihr auf Twitter auch unter #pam13 und es wird viel zu schmunzeln geben, denn da wird mal richtig ausgeteilt. Und wenn ihr euch mal richtig über die Politiker eurer Partei aufregen wollt, tut das hier!

Am 17. Februar werden sich außerdem die Listenkandidaten aus NRW zu einem offenen Stelldichein im Unperfekthaus treffen und mal überlegen, wie wir das eigentlichanstellen mit dem Öffentlichkeit schaffen und trotzdem mit der Basis zusammen bleiben.

Außerdem trifft sich auch noch die  Piratenpartei Europa in Paris und zwar am 9.2. und 10.2., wo der aktuelle Status der Piraten in Europa besprochen wird. Nicht schlecht, Herr Specht!

 

Zu sowas sollte es eine Welle der Tweets und Beiträge auf allen Kanälen geben, denn DAS ist unsere Arbeit und wir haben alle genug dafür gearbeitet, dass es nicht in Shitstorms unter geht. Macht doch selbst solche Veranstaltungen! Ladet die Presse dazu ein, denn die hat Lust auf motivierte Piraten die sich an gut organisierten Veranstaltungen beteiligen oder sogar selbst welche ausrichten! #WeiterSo

 

UPDATE:

Die Piraten in Niedersachsen wählen am 9./10. Februar ihren neuen Landesvorstand! Es geht weiter in NDS! Infos bekommt ihr sicher über @PiratenNDS

Die jungen Piraten treffen sich außerdem am 9. Februar in Hamburg und halten dort ihre Bezirksversammlung ab. Mehr Informationen gibts hier für euch!

Und dann treffen sich auch noch die belgischen Piraten im Februar aber dazu kann ich leider keinen Link finden…

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Entschuldigung

Seit Kurzem arbeite ich wieder mit Kindern zusammen, in einer Grundschule. Früher habe ich in einem Kindergarten gearbeitet. Da waren die Wörter manchmal nicht so gut auszusprechen, weil man sie noch nicht kannte. Heute kennen wir diese Wörter und wissen ihre Bedeutung aber wir sprechen sie nicht mehr aus oder verschließen die Ohren.

Auf dem Schulhof gibt es die ein oder andere Diskussion. Die Kinder streiten sich aber manchmal passiert auch ein Versehen und sie tun sich gegenseitig weh. Manchmal passiert es mit Worten und manchmal körperlich. Wenn sie beispielsweise mit einem Roller gegeneinander fahren oder sich absichtlich hauen. Ich greife immer erst dann ein, wenn ich angesprochen werde. Vorher gehe ich davon aus, dass die Kinder ihre Probleme alleine klären können. Und obwohl sie erst in der Grundschule sind, schaffen sie das auch meistens. Meine Hilfestellung besteht dann meistens nur darin, dass ich herausfinde, wer angefangen hat und darauf warte, bis eine Erkenntnis einsetzt. Das Entschuldigen danach ist nicht mehr so schwer. Manchmal spielen die Kinder sogar bereits wieder miteinander, bevor jedem das Wort über die Lippen gekommen ist.

Ich erkenne, dass es meistens zwei Schuldige gibt. Ein Kind fängt irgendwie an und das andere Kind reagiert darauf. Jetzt wo ich erwachsen bin, ist das nicht mehr ganz so einfach. Ich tue Dinge, ohne dass es einen direkt Bezug zu demjenigen gibt, den ich verletze. Vielleicht passiert es, weil ich schlechte Laune habe oder vielleicht habe ich auch einen guten Grund. Meistens gebe ich mir aber Mühe mich damit auseinanderzusetzen und herauszufinden, warum es dem Gegenüber wehgetan hat. Es ist schließlich meist nicht meine Absicht gewesen. Ich halte mich nicht für boshaft. Aber es scheint etwas passiert zu sein in den letzten 20 Jahren. Und zwar in zwei Richtungen.

Ich erkenne schneller, dass ich etwas Dummes getan habe und akzeptiere das auch. Ich reflektiere darüber, warum das so ist und setze mich mit mir und demjenigen auseinander, den ich verletzt habe. Ich habe daraufhin auch schneller Schuldgefühle und wenn nicht, erkenne ich zumindest das ich jemand anderen verletzt habe und ich nun dran bin mich zu verhalten oder mein Verhalten zukünftig zu ändern. Ich entschuldige mich mittlerweile häufiger. Von einem einfachen “Sorry” über “Es tut mir leid” bis hin zu ganzen Briefen kann ich mich ausdrücken und ich bin froh, dass ich es kann.

Was ich aber oft beobachte, ist das Problem eine Entschuldigung annehmen zu können. Ich sage dann, dass es mir leidtut und meistens begründe ich das sogar. Und wenn es nur die Entschuldigung ist, diejenige verletzt zu haben. Je älter ich werde, desto schwerer fällt es den Leuten die Entschuldigung anzunehmen. Dieses “Entschuldigung” und dann lässt man die Hand des Gegenüber doch nicht mehr los, weil man sofort spielen geht. Das vermisse ich. Auch an mir selbst, obwohl ich mir Mühe gebe, daran zu arbeiten. Es kann sein, dass wir gar nicht mehr wissen wie es ist eine Entschuldigung anzunehmen. Dass das Verzeihen schwerer wird, wenn wir älter werden, weil die Folgen weitreichender sind. Aber was haben wir davon? Im besten Fall konnte ich der Frau die ich in der Bahn angerempelt haben doch noch zeigen, dass ich sie respektiere und es keine Absicht war. Im schlimmsten Fall verliere ich eine Freundschaft oder sogar eine Liebe. Auch wegen meinem eigenen Stolz.

Ich möchte mich am Schluss noch entschuldigen. Ich habe eine Mail im Namen des Vorstandes geschrieben und rausgeschickt, in der ich einen unangemessenen Ton angeschlagen habe. Es lag daran, dass ich von vielen Seiten angegriffen wurde. Aber nur weil mich 20 Leute angreifen, muss ich nicht Hunderte vor den Kopf stoßen. Vielleicht schreibe ich das nächste Mal etwas zur Reflexion oder ich lese meinen Text einfach noch mal und erkenne, dass ich das bereits getan habe.

Eure Chrissie

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Hallo, ich bin neu hier

Oh, ein neues Gesicht auf dem Stammtisch! Hallo, komm her. Setz dich, wo du willst. Wir haben keine festen Plätze. Ich bin Chrissie, wer bist du? Ach so. Schön, dass du zu uns gefunden hast. Oh, es geht los…

“Willkommen beim Stammtisch der Piraten Neuss. Ich sehe, wir haben neue Gesichter dabei. Dann machen wir am besten erst mal eine kleine Vorstellungsrunde. Wer fängt denn mal an? Hm… Der Daniel!”

So beginnen bei uns Stammtische. Wir haben immer mal wieder neue Leute. Nicht immer klappt es so optimal, dass ein Besucher im direkten Kontakt zu einem Mitglied steht und integriert wird. Was wir allerdings ausnahmslos machen, ist die Vorstellungsrunde. Immer wenn ein neues Gesicht auftaucht, stellen wir uns vor. Das passiert bei fast jedem Termin. Ist die Runde klein, erzählen wir etwas mehr. Ist sie größer, fassen wir uns kurz. Was sagen wir dann? “Hallo, ich bin Chrissie. Ich bin 26 Jahre alt, ich studiere Design und hab noch einen Nebenjob in einer Grundschule und unterrichte außerdem ein Grafikprogramm in der VHS. Ich bin seit Mai 2010 Mitglied. Ich habe keine programmatischen Schwerpunkte, dafür bin ich aber stellvertretende Landesvorsitzende.” Name, Alter, Beruf, Parteieintritt und Arbeitsschwerpunkt. Das ist meistens das Prozedere. Wenn Leute da sind, die bereits Piraten sind, empfiehlt es sich manchmal seinen Internetnamen zu sagen. So erkennt an sich schneller. Das Alter und der Beruf schaffen im besten Falle in Identifikationsgefühl. Die Besucher erkennen, dass es eine Altersspanne von 18 bis 80 gibt. Das baut direkt Berührungsängste ab, vor allem bei älteren Besuchern. Der Beruf zeigt dann sehr schnell auf, dass es sich nicht nur um IT-Mitarbeiter handelt. So können die zwei größten Befürchtungen widerlegt werden. Der Parteieintritt hilft den Besuchern einzuordnen, wie viel Erfahrung die jeweiligen Piraten haben. Toll ist dann die Information des Schwerpunktes.So hat der Besucher vielleicht auf anhieb jemanden gefunden, mit dem er über seine Lieblingsthematik sprechen kann.

Während des Stammtisches müssen die Piraten penibel darauf achten keine Abkürzungen zu verwenden. Eine KMV ist eine Kreismitgliederversammlung. Ein BPT der Bundesparteitag.  Fuuu steht in den meisten Fällen für Schwachsinn usw. Das ist deshalb besonders wichtig, weil sich die neuen Besucher meistens nicht trauen zu fragen.

Während der Pause ist es wichtig, dass der Besucher Kontakt zu anderen Piraten hat. Oft gehen sie direkt zu den Menschen, die sie sympathisch finden. Passiert das nicht, kann es sein das sich der Besucher ignoriert fühlt und dann nicht mehr kommen möchte. Hier sei angemerkt: Wir haben einen straff strukturierten Arbeitsstammtisch. Man kann wenig Privatgespräche führen. Bei anderen Stammtischen ist es lockerer, da kommt das Gespräch schon früher zustande.

Am Ende sollte der Besucher gefragt werden, wie er weiter mitmachen möchte. Hier kann man ihm erklären, wie er die lokale Mailingliste abonniert. Ist er bereits in sozialen Medien vertreten, kann man sich direkt mit ihm verbinden. Dort ist es einfach ihm Hinweise zu geben, wie er Kontakt zu interessanten Persönlichkeiten bekommt. Erklärungen, wem er wie folgen kann, sind dann hilfreich. Einführungen in Twitter oder Mumble sind bei manchen Besuchern unerlässlich aber wichtig. Nach und nach sollten die Medien installiert und erklärt werden. Wenn schließlich alles läuft, ist der Besucher quasi integriert! Sehr interessant sind auch Infostände, vor allem für Neupiraten. Dort sehen sie wie die erfahreneren Piraten Kontakt zu den Bürgern aufnehmen und heikle Themen besprechen. Er kann sich problemlos dazu stellen und zuhören. Er lernt das Programm, unsere Philosophie und die Mentalität kennen und vertreten. Die Infomaterialien liegen natürlich auch gleich aus und so kann man sich alle Positionen in Ruhe durchlesen.

Auf Parteitagen sollte man sich zusammen vorbereiten. Erzählt den Neupiraten, was ihr beispielsweise über Vorstandsbewerber wisst. Welche Anträge sind wichtig und wie bereitet ihr euch auf Parteitage vor? Nehmt die Neupiraten auch mit auf Tage der politischen Arbeit oder erklärt ihnen, wo Events sind. Fahrt wenn möglich zusammen hin und zeigt euch verantwortlich. Sorgt dafür, dass der Neupirat Kontakte knüpft. Je besser ihr eure Aufgabe meistert, desto früher ist der Pirat eigenständig und kann arbeiten oder selbst Projekte initiieren.

Inspiriert wurde mein Beitrag durch @Piratenschlumpf

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PA188 Umweltpolitische Ziele – Jeden Tag ein Antrag

Hallo liebe Piraten,

wie ihr wisst, mache ich in der Regel kaum Programm und mehr Kommunikation. Heute habe ich einen Antrag zum BPT gelesen, den ich unbedingt abstimmen will! Ihr wisst vielleicht, ich wollte gern einen Blogbeitrag zu Nachhaltigkeit schreiben aber durch diesen Antrag ist das kaum noch nötig. Das ist meine Vorstellung davon, wo ich mit den Piraten hin will.

http://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2012.2/Antragsportal/PA188

Es geht um den Antrag PA188 und um unsere umweltpolitischen Ziele. Bereits der Einstiegsabschnitt ist das, was ich unter Nachhaltigkeit schätzen gelernt habe:

Die Piratenpartei setzt sich mit ihrer Politik für eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung ein. Darunter verstehen wir einen verantwortungsvollen und generationengerechten Umgang mit den zum allgemeinen Wohlergehen notwendigen Ressourcen immaterieller oder materieller Art.

Die Themenfelder sind: Nachhaltigkeit, Energieversorgung (Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit, Atomausstieg: Ende der Energiegewinnung durch Kernkraftwerke, Atommüll), Klimawandel, Einführung eines Umweltgesetzbuches und Abschaffung des Bergrechts, Wasserwirtschaft (Trinkwasser, Abwasser, Gewässerschutz), Bauen und Verkehr (Bauen und Wohnen, Verkehr und Infrastruktur, Stadt- und Regionalplanung), Landwirtschaft (Stärkung der Landwirtschaft, Verbraucherwille, Industrielle Tierproduktion, Natürliche Ressourcen, Agrarsubventionen), Tierschutz (Verbandsklagerecht, Tierschutz in der Nutztierhaltung, Tierversuche), Verbraucherschutz.

Der Text ist sehr umfangreich, also werde ich versuchen zu jedem Abschnitt nur einen Satz zu schreiben. Mein Fazit findet ihr unter den Abschnitten.

Nachhaltigkeit – Siehe mein Zitat oben

Energieversorgung – Atomausstieg. Endlagerung soll auf Seite des Unternehmens liegen, dass Atomkraft zur Energiegewinnung nutzt. Die Kosten liegen ebenfalls auf Seite des Unternehmens. Förderung alternativer aber umweltfreundlicher!! Energiegewinnung (bspw. kein Fracking).

Klimawandel -  Unterstützung kommunaler Klimakonzepte (super wichtig!!), Energiesteuern, kritische Betrachtung der Klimazertifikate (auch sehr wichtig!).

Einführung eines Umweltgesetzbuches und Abschaffung des Bergrechts – Das Buch soll Umweltgesetze verständlich und analog zusammenfassen. Das Bergrecht soll abgeschafft werden, weil es das Grundgesetz aushebt und so etwas wie Fracking ermöglicht.

Trinkwasser – Der Standard soll möglichst hoch sein und ist erstrebenswert. Regelmäßige Qualitätskontrollen. Eigenwasserversorgung ist möglich, Anschlusszwang an kommunalen Trinkwassernetz wird abgelehnt. Für die Qualität sorgt dann der Privathaushalt.

Abwasser – Ressourcenschonender Umgang mit Inhaltsstoffen. Abwasser darf privat entsorgt werden, wenn die EU-Richtlinien erfüllt sind.”Industrielle und die von Krankenhäusern stammende Abwässer sind geeignet vorzubehandeln. Vermischung mit häuslichen Abwässern ist zu vermeiden. ”

Gewässerschutz – “Die Wasserressourcen sind von Beeinträchtigungen freizuhalten. In allen Bereichen müssen Eingriffe in den Boden auf ihre Verträglichkeit mit dem Gewässerschutz hin überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.”

Bauen und Verkehr – “Die aktive Gestaltung neuer Lebensräume und neuer Mobilität muss nicht nur uns, sondern auch den kommenden Generationen Lebensqualität und Wohlstand sichern. ”

Bauen und Wohnen -  Sozial ausgewogene Verteilung von Wohnbeständen und Siedlungsstrukturen. Dreiklang aus Wohnen, Gewerbe und Freizeit. Barrierefreiheit in öffentlichen Räumen. Förderung von Projekten wie familienfreundliche Städte und Gemeinden. Förderung Wohnungsbau und Sanierung nach umweltfreundlichen und barrierefreien Standards. Flächendeckend qualifizierte Mietspiegel.

Verkehr – Gegen Privatisierung ÖPNV, Ausbau ÖPNV sowie fahrscheinloser Nahverkehr. Förderung Alternative Antriebskonzepte, Biokraftstoffe werden abgelehnt. Gütertransporte auf Schienen oder Wasser. “Wir setzen uns für die Förderung von verkehrs- und strukturpolitischen Maßnahmen zur Reduzierung des Verkehrsaufkommens ein.”

Stadt- und Regionalplanung – Mitgestaltung durch den Bürger, flächen- und umweltschonende städtebauliche Entwicklung. Bessere Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen.

Stärkung der Landwirtschaft – Leistungsfähige, regional angepasste Landwirtschaft, gleichberechtigte Teilnahme von Kleinbetrieben unter  Voraussetzungen von nachhaltigem Wirtschaften und ökologischem Verbraucherbewusstsein. Landwirte, Verbände, Lebensmittelhandel, Qualitätssiegeln, Naturschutz- und Tierschutzverbände,  Vertreter der Politik und Verbraucher arbeiten vernetzt, transparent um Umsetzungen auszuhandeln.

Verbraucherwille – Landwirtschaftlichen Betriebe sollen weniger unter dem Preisdruck der Lebensmittelkonzerne und der verarbeitenden Industrie stehen. Keine Landwirtschaftspolitik, die ausschließlich auf Wachstum abzielt, dabei aber weder die Nachhaltigkeit noch den Verbraucherwillen berücksichtigt.

Industrielle Tierprodukte – Ablehnung Massentierhaltung zum Schutz der Ethik und Tradition. Artgerechte Haltung. Vergrößerung der Räume für Geflügel und Paarhufer (genauer Raum ist zu Prüfen). Konsequente Einhaltung und Kontrolle der bisherigen Gesetze.

Natürliche Ressourcen – Ressourcenschonende Landwirtschaft. “Eine Kombination von Saatgut mit Pflanzenschutzmitteln und deren Schutz durch Patente lehnen wir grundsätzlich ab.”

Agrarsubvention – In EU und Bund “keine öffentlichen Gelder in Form von Agrarsubventionen ohne Gegenleistung in den Bereichen Klima, Umwelt, Natur sowie Tier- und Artenschutz vergeben werden.” Laufende Neubewertung im Hinblick auf Nutzen und Gesellschaft. Finanzielle Übergangslösung, um dem Wegbrechen von Landwirtschaftlichen Betrieben vorzubeugen.

Verbandsklagerecht – Bundesweites Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen.

Tierschutz Nutztierhaltung – Höhere Mindeststandards. Artgerechte Haltung im Bezug auf Bewegung, Sozialkontakte, Ruhemöglichkeiten, Tageslicht und Luft, sowie Lärmbelastung. Bedingungen sollen so angepasst werden, dass Amputationen (Schnäbel oder Schwänze) unnötig sind. Sie sollen außerdem verboten werden. Tötungen oder Eingriffe müssen unter Betäubung erfolgen. “Wirtschaftsweisen, die dazu führen, dass ein Großteil der Tiere – zum Beispiel auf Grund des Geschlechts – sofort getötet und als Müll entsorgt werden, sind umzustellen. Brandzeichen, zum Beispiel Schenkelbrand bei Pferden, sind konsequent zu verbieten.”

Tierversuche – Keine Verpflichtung, vor allem wenn es Alternativen gibt. Subventionen für Tierversuche streichen. Bei Alternativmethoden dürfen keine Tierversuche durchgeführt werden. Lückenlose globale Veröffentlichung von Ergebnissen, um Wiederholungen zu vermeiden. Genehmigungen von Tierversuchen müssen schwerer zu erlangen sein, Abgestuft nach der Schwere des Leids (Langes leid, schwere Genehmigung, kurzes Leid, einfachere Genehmigung). Tierversuche bei Kosmetik (auch einzelner Bestandteile) werden abgelehnt. Unabhänige, unangekündigte Kontrollen sind sollen gesetzlich geregelt sein.

Verbraucherschutz – (hier noch mal komplett, weil es keinen Sinn macht es abzukürzen)

Im Verhältnis zwischen Hersteller, Vertreiber und Verbraucher ist letzterer in der Regel unterlegen. Dieses Ungleichgewicht sinnvoll auszugleichen ist Anliegen der Piratenpartei und Aufgabe des Verbraucherschutzes, wie wir ihn uns vorstellen. Unser Ziel ist es, den berechtigten Interessen der Verbraucher als Konsument von Waren und Nutzer von Dienstleistungen sowie in Bezug auf Datenschutz, Urheberrecht und Transparenz mehr Geltung zu verschaffen.

Wir werden uns für eine Vereinfachung und verbesserte Nachvollziehbarkeit der vielfältigen juristisch zulässigen Möglichkeiten, irreführenden Begrifflichkeiten und Formulierungen in der Werbung und Vertragstexten einsetzen. Insbesondere müssen gesundheits- und umweltrelevante Produktinhalte klar erkennbar sein. Bei Finanzprodukten sind die Risiken im gleichen Umfang wie die Chancen darzustellen.

Die Publikation von medizinischen Studien muss unabhängig von ihrem Ergebnis erfolgen. Alle entsprechenden Studien sind vor ihrer Durchführung zu registrieren. Bei Heilverfahren ist anzugeben, auf welcher theoretischen Grundlage sie beruhen. Die Kosten medizinischer und zahnmedizinischer Versorgung müssen für den Patienten nachvollziehbar und auch verständlich sein.

Missstände wie der Handel mit personenbezogenen Daten durch staatliche Stellen sind abzustellen und die wirtschaftliche Nutzung und Verknüpfung privater Daten durch Firmen wie Facebook und Google nur nach ausdrücklicher Zustimmung zulässig (Opt-In). Wir wollen die Aufklärung über die damit verbundenen Risiken stärken.

Die Piratenpartei Deutschland setzt sich dafür ein, das Verbandsklagerecht für staatlich anerkannte Stellen auf den Bereich des Verbraucherschutzes zu erweitern, um eine Rechtsfrage verbindlich für alle betroffenen Verbraucher zu klären.

Fazit Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser Antrag eine besonders gute Grundlage für die Arbeit im Bundestag bietet. Viele Aspekte werden berücksichtigt und zwar auch in ihrer Wechselwirkung aufeinander. Dadurch ergibt sich ein gutes Konzept, dass eine klare Linie zeigt. Der Antrag ist außerdem sehr verständlich geschrieben und sollte uns im Wahlkampf eine tolle Grundlage bieten mit Bürgern und Politikern darüber auf Augehöhe diskutieren zu können. Ich bin einfach begeistert!!! Bitte stimmt dafür ab, dass wir ihn behandeln und am besten auch annehmen können.

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Einer ist keiner…

Der NRW Vorstand besteht aus 8 Leuten. Die Fraktion besteht aus 20 Leuten. Eine Person ist unzufrieden und greift eine Person an. Sie schreibt: “Das ist Deine Schuld!” Du sagst “Warum ist es meine Schuld?” und die Person antwortet “Du bist der Landesvorstand/die Fraktion!”. Du sagst “Nein bin ich nicht. Ich bin eine/r von 8/20! Und ich glaube es ist nicht deine Absicht auf Einzelnen herumzutrampeln, weil dir etwas nicht gefällt. Kontaktiere also bitte alle und nicht nur mich!” Und aus Stolz verkneifen wir uns “Denn es tut mir weh, dass du mich für alles allein verantwortlich machst für etwas, wofür ich nicht alleine die Entscheidung treffe.”

Der NRW Vorstand besteht aus 8 Leuten. Die Fraktion besteht aus 20 Leuten. Eine Person ist unzufrieden und greift eine Person an. Sie schreibt: “Der ganze Landesvorstand/ Die ganze Fraktion ist scheiße!” Du fragst: “Warum ist der Landesvorstand/ die Fraktion scheiße?” Und die Antwort ist: “XY hat auf meine Frage nicht reagiert!” Darauf antwortest du “Aber XY ist doch gar nicht der ganze Landesvorstand/ die ganze Fraktion. Wenn du etwas willst, schreib doch bitte alle von uns an. Dann wird dir auch schneller geholfen, denn es kann in der ganzen Arbeit passieren, dass etwas untergeht.”

Dies sind zwei Beispiele und sie haben eine ähnliche Lösung zur Folge. Die Wirkung ist die Gleiche denn verletzt wird so oder so. Von außen sieht es nicht oft so aus, weil niemand dafür sensibel ist. Lob bekommt aber selten die Fraktion und selten der Landesvorstand. Kritik bekommen sie häufig, was vielleicht an der Erwartungshaltung und der Wahrnehmung liegt. Wenn es mir jetzt schlecht geht, dann muss ich das sofort äußern. Und es ist mir egal, wen ich dabei verletze. Die Höflichkeitsregeln werden nicht immer eingehalten. Konstruktive Kritik wird nicht oft geäußert. Sie ist in 140 Zeichen auch nicht unterzubringen.

Eine Art der konstruktiven Kritik ist beispielsweise die Sandwichmethode. Man bringt zuerst etwas Positives vor, dann die Kritik und dann wieder etwas Neutrales, bis Positives. Der Effekt ist der, dass sich der angesprochene Gesprächspartner nicht sofort verschließt und die Kritik aufnehmen kann. “Ich fand euern ersten Gesprächsteil sehr gut. Der Teil zum Thema XY war mir aber viel zu kurz. Ich fand, es ist nicht alles klar geworden und die Mitdiskutanten hatten nicht genug Raum. Danke trotzdem, dass es die Möglichkeit dazu gab.” oder “Ich finde es gut, dass ich euch direkt über eure Internetseite erreichen kann. Leider habe ich auf meine Mail keine Antwort bekommen. Das hat mich sehr geärgert. Ich wollte euch daher bitten, noch mal danach zu schauen. Eure Meinung ist mir wichtig.”

Konstruktive Kritik sollte erst einmal den richtigen Adressaten erreichen. Dann sollte das richtige Medium dafür gesucht werden. 140 Zeichen reichen meistens nicht und eine E-Mail oder ein Telefonat würden sich viel mehr dafür anbieten. Wenn man wissen möchte, dass die Kritik die Person auch wirklich erreicht, sollte man sie entweder persönlich vorbringen oder um eine Antwort bitten. Auch der Zeitpunkt kann ausschlaggebend sein: “Hast du gerade Zeit? Ich würde mit dir gern über XY sprechen.” So hat der Angesprochene die Möglichkeit zu überprüfen, ob er sich selbst gerade dazu im Stande sieht Kritik zu verkraften oder zu sagen “Lass uns das lieber morgen machen, mir geht es gerade nicht so gut.” Trotzdem weiß er dann, worum es gehen wird und kann sich darauf vorbereiten. Die Kritik sollte dann am Ende idealerweise sachlich, nützlich und höflich vorgebracht werden. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich für einen Fehler entschuldigen oder nicht emotional über die Situation nachdenken kann, viel höher.

Kritik geht immer von der Person aus und schließt dann am besten nicht auf das Ganze “Ich finde, es war gut das Wir über XY gesprochen haben aber was mich wirklich unzufrieden macht, war die Art der Kritik. Ansonsten fand ich es gut, dass die Veranstaltung stattgefunden hat.” im Gegensatz zu “Deine Art ist immer so nervig.” Denn da hört sicherlich niemand gern zu. Und es wertet außerdem die ganze Person ab, dazu auch noch “immer”.

Mein Tipp Nummer 1 für den Beschuldigten: Erst mal durchatmen und nicht sofort antworten, falls die Kritik zu hart ist. Gern auch mal sagen “Ich fühle mich von deiner Art angegriffen und weiß gar nicht, ob ich sie richtig aufgefasst habe.” Im weiteren Gespräch klärt es sich dann meistens.

Warum handelt dieser Artikel jetzt von Kritik? Ich bekomme viel Kritik ab, für die Arbeit im Landesvorstand. Ich bekomme die Kritik mit, die an die Fraktion gerichtet wird. Lob gibt es selten. Das Problem ist, dass die Motivation dann ein ums andere Mal schwindet, weil man keine Anerkennung bekommt. Bitte nehmt euch zu herzen, dass wir das auch brauchen. Jeder, der bei den Piraten arbeitet. Egal ob auf dem Dorf, in der Großstadt, im Kreisverband, im Vorstand oder in der Fraktion. Bitte gebt euch Mühe den Leuten auch mal zu sagen, was sie gut machen. Der positive Effekt? Werde ich für eine Verhaltensweise gelobt, merke ich das sie richtig ist. Ich werde das also wiederholen, um wieder Lob zu bekommen. So lernen wir und das brauchen wir. Also tut euch einen Gefallen: Wenn ihr wollt, dass es läuft und ein paar Minuten Zeit habt, sagt dem ganzen Vorstand/der ganzen Fraktion/dem ganzen Kreisvorstand oder auch einer Einzelperson, dass ihr die Arbeit gut findet. Und das sie weiter so machen sollen und sich nicht unterkriegen lassen sollen. Das hilft uns allen in langen Durststrecken und Zeiten der harschen Kritik.

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Danke lieber LaVo

So… Nun hatte ich gestern meine Prüfung. Ob ich sie bestanden habe, weiß ich nicht (Benotung erst in ca. 2 Wochen). Ich muss mich aber an dieser Stelle bei meinen Vorstandskollegen bedanken. Ich habe bereits angekündigt, dass ich nur 1-3 Stunden am Tag mit der Piratenarbeit verbringen werde. Bisher habe ich das ganz gut geschafft. Dann kam die Prüfungszeit und ich habe eindeutig gesagt: “Vom 10.09. bis 10.10. werde ich meine Vorstandsarbeit niederlegen und mich auf die Prüfung vorbereiten”. Das habe ich auch gemacht. Ich habe am Anfang nur kurz in die ML geschaut und das nach und nach gelassen. Ich habe an den Vorstandssitzungen teilgenommen (gestern allerdings nicht), die ich nicht vorbereiten konnte, sondern dann sehr spontan für mich waren. Während des Hammergates habe ich alles verfolgt, mich auf dem Laufenden halten lassen und auch mit unserem Pressesprecher Kontakt gehabt. Aber auch hier habe ich dann oft die Schotten dichtgemacht. Das hat mir richtig gut getan und ich wusste, dass ich nicht überall mitmischen muss. Einige wenige Veranstaltungen habe ich doch wahrgenommen.

Vor allem Fizz und ich haben uns am Anfang versprochen, wir werden in dieser Periode nicht ausbrennen und zusehen, dass wir alles unbeschadet überstehen. Im Team habe ich einen guten Eindruck gewonnen. Nahezu jeder von uns hat bereits gesagt “Ich kann jetzt bis zum Zeitpunkt XY nicht.” oder “Ich muss alles ein bisschen runterschrauben.” Die Gründe dafür waren sehr unterschiedlich. Aber wir haben das immer respektiert und so hab ich das Gefühl, dass ich mich auf meine Kollegen verlassen kann. Ich bin mir sicher, wir werden unsere Amtsperiode auch dann meistern, wenn uns ein Mitglied fehlt.

Ich habe die Piratenarbeit sehr vermisst. Es macht mir Spaß, auch wenn es oft anstrengend ist. Bisher schaffe ich aber alles so, wie ich es mir vorgenommen habe. Hier ein Danke!! an alle, die mir gesagt haben, dass ich das Feld räumen und aufhören soll zu arbeiten. In erster Linie Danke an meine Kollegen (und Claudia, die uns sooo viel Arbeit abnimmt). Ich hoffe, wir machen das weiter so!

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Fresse halten

Wenn man will, dass es ruhig wird: Einfach mal die Fresse halten!

Rückblick:

Als wir gerade mitten im Wahlkampf für NRW stecken, kamen einige Klöpse auf den Tisch. Sexismus in der Piratenpartei. Was können wir tun? Jeder denkt darüber nach. Nur die Wahlkämpfer nicht. Sie stehen auf der Straße, hängen Plakate auf, sprechen mit den Bürgern und hoffen einfach, dass es an ihnen vorbei ziehen wird. Natürlich kommen die Vorwürfe und ist die Liste erst mal gewählt und es befinden sich nur 3 Frauen auf den ersten 20 Plätzen, kann man schon mal nervös werden. Und ich wünschte mir so sehr, alle Leute würden mal aufhören sich an der Diskussion zu beteiligen. Denn über Twitter gab es von “Ist ja auch so” bis hin zu “Nein, wir haben kein Sexismusproblem” alles Mögliche. Die anderen Parteien packten ihren Sexismus-Joker durch den JuPi Brief viel zu früh aus, verbrannten ihn und wir hatten einen Stein weniger im Weg.

Dann gab es die Nazi-Vergleiche Homemade aus Berlin. Sicherlich nicht sonderlich klug aber es ist nunmal passiert. Man versucht Schadensbegrenzung zu machen und packt es dann leider doch nicht, weil einem wieder etwas rausgerutscht ist. Kann passieren, alle sind angespannt. Auch die im Wahlkampf. Sie stehen auf der Straße, hängen Plakate auf, sprechen mit den Bürgern und hoffen einfach, dass es an ihnen vorbei ziehen wird. Auch hier hatten wir das Glück, den zweiten Joker das Piraten irgendwie rechts sind und sich nicht abgrenzen können, mussten die anderen Parteien viel zu früh auf den Tisch schmeißen.

Dann gab es die Wahl in Schleswig Holstein. Die Linke fängt den Ball und macht Plakate daraus (Linke aus Mönchengladbach schämten sich übrigens sehr dafür und setzten sich dafür ein, dass sie abgehangen werden). Darauf werden wir beschuldigt, wir wären alle Nazis. Ich steige morgens ins Taxi zu einem türkisch stämmigen Autofahrer, und während ich noch vor mich hinträume, frage ich ihn dann “Glauben Sie eigentlich das alles, was hier in den Zeitungen steht? Dass die Piraten rechts sind und das wir Ausländer hassen?” und der Mann dreht sich zu mir um, lächelt und sagt “Nein, das glaube ich nicht. Das machen die Zeitungen und die Parteien, weil sie Angst vor den Piraten haben.” Ich seufze einmal tief und freue mich, dass die Menschen nicht alles glauben, was in den Medien steht. Am Mittag sind wir dann auch noch aufgestanden und haben den Raum verlassen, als ein Mann mit rechter Gesinnung die Stimme erhob. Wir zeigten ihm die Nein-Karte.

Wenn wir wollen, dass es ruhig wird, sollten wir einfach mal alle die Fresse halten. Aufstehen und gehen. Wir machen es mit unserer Art nur noch schlimmer. Ich kann den offenen Brief aus Niedersachsen an Julia Schramm verstehen. Sie greift damit auf den ersten Blick unsere Kernthemen an. Unser Wahlkampf ist selbst nicht so lange her. Da hatten wir Panik vor allen schlimmen Themen um uns rum. Aber am Ende interessiert es niemanden. Und je mehr man sich dazu äußert, desto länger wird es in den Medien sein. Hätte NDS dazu nichts gesagt, es wäre vielleicht heute schon damit Schluss gewesen. Was gesagt ist, ist gesagt. Die Presse weiß das auch, darum schlachtet sie alles sofort aus und in diesem Fall so dreckig, wie es geht. Auf die Piraten ist ja auch verlass. Wenn wir so was lesen, MÜSSEN wir ja quasi noch einen offenen Brief hinterher schicken. Mein Rat für alle im Wahlkampf: Ruhig bleiben!

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Frau Kraft und die Inklusion

Gestern Abend war ich als Begleitung bei der Preisverleihung für die Sportler aus NRW eingeladen. Es ging um die Olympischen Spiele sowie die Paralympics. Alles fand im K21 statt, was der ehem. Landtag ist. Schmuckes, kleines Ding! Man hat sich sehr viel Mühe gegeben mit der Abendplanung. Wir wurden von englisch gekleideten Polizisten begrüßt, die nur auf Englisch mit uns gesprochen haben. Eine Band spielte den ganzen Abend während des hervorragenden 3-Gänge-Menüs und lief um die Tische.

Hochkarätige NRW-Politiker waren anwesend, natürlich auch viele Funktionäre aus dem Sport. Die Tische waren bewusst gemischt, sodass sich die Funktionäre kennenlernen konnten. Diese waren direkt vorn an der Bühne platziert, mein Tisch war in der zweiten Reihe. Die Sportler kamen in der dritten, vierten oder fünften Reihe und wurden nicht mit uns gemischt.

Es gab eine Einführungsrede von Frau Kraft, in der sie erklärte, wie stolz sie auf unsere Sportler sei. Natürlich ist jeder ein Gewinner, auch wenn er ohne Medaille nach Hause geht. Darum seien auch alle Teilnehmer da. Die Paralympics seien ein hervorragendes Beispiel für Inklusion … Ich weiß, ihr habt den Fehler schon gefunden. Wer von Inklusion spricht und die olympischen Spiele lobt, bei der penibel darauf geachtet wird das Menschen mit körperlicher Behinderung nicht teilnehmen dürfen, hat das Wort nicht verstanden. Sie sollte sich wenigstens mal den Wikipediaeintrag durchlesen oder vielleicht ihre Berater fragen. Mir wurde dann gesagt, dass Frau Kraft erst am Mittag von den Piraten eine Rüge bekommen hatte, weil sie die Paralympics als Inklusion darstellte. Der Lerneffekt hielt sich offensichtlich in Grenzen. Ich bin wirklich sehr wütend geworden und glücklicherweise waren es unsere Sitznachbarn auch. Aber dann passierte das Unfassbare:

Die Sportler ohne Medaille wurden auf die Bühne gerufen. Und ich habe wirklich genau hingehört. Nicht, dass sie sich auf der Treppe oder davor versammeln sollten, sondern oben auf der Bühne. Und ich dachte noch “Super, dann sehen wir die Rollstuhlfahrer auch mal … nein, sehen wir nicht!” Es gab keine Rampe! Kann man sich das Vorstellen? Während Frau Kraft noch vor fünf Minuten von der Inklusion gesprochen hat, gibt es keine Rampe zur Bühne? Toll, ja. Die Funktionäre und Amtsträger aus der ersten Reihe konnten die Rollstuhlfahrer schon sehen. Und eine Umarmung von Frau Kraft gab es auch.Während ich innerlich schon zur Bühne ging, um zu fragen, ob man die Leute dort verarschen wolle, sah ich den gleichen Gesichtsausdruck auch in den Gesichtern meiner Tischnachbarn. Ein bekannter Fußballmoderator sagte daraufhin zu mir “Das bekommt die Kraft aber noch aufs Brot geschmiert! Aber nicht nur von mir.” Und ich war wirklich froh, dass diese Ungerechtigkeit nicht nur von mir bemerkt und verurteilt wurde.

Der sensible Moderator fragte dann noch eine der Sportlerinnen, was ihr schönster Moment bei den Olympischen Spielen war. Die Antwort lautete verständlicherweise wie folgt: “Kann ich gar nicht sagen, es gab keinen schönsten Moment. Ich war zu traurig über die Niederlage und habe mit Sicherheit an dem Tag auch am meisten geweint von allen.” Diese Frage wurde übrigens bei den Sportlern, die etwas gewonnen hatten, nicht mehr gestellt. Etwas mehr Taktgefühl war wohl nicht drin.

Natürlich gab es auch bei den folgenden Siegern keine Rampe und natürlich sagte der Moderator auch dann nicht, dass sich die Leute auf der Treppe versammeln sollten.

Es wurde zuletzt noch eine Trainerin ausgezeichnet, deren Namen mir leider entfallen ist. Eine sehr natürliche, nette Frau, die in etwa Folgendes sagte: “Vielen Dank für diesen Preis. Es ist toll zu sehen, wenn der Trainingsplan am Ende aufgeht und man sieht, dass die Sportler zum Tag X ihre Leistung abrufen können. Der Trainer, der den Ruderachter zum Sieg geführt hat, hätte ihn sicher auch verdient. Ich bekomme ihn nur stellvertretend, denn wir sind alle ein gutes Team. Ohne die Ärzte und Physiotherapeuten würden die Sportler nie solche Leistungen bringen können.” Gute Worte.

Fazit: Keine Veranstaltung für Sportler, sondern für Funktionäre. Inklusion nicht verstanden. Nachhilfe bei den Leuten, die in vorderer Reihe Politik machen, ist dringend nötig.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.